Titel: [Richtige Anwendung der Gegenmutter.]
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1865, Band 176, Nr. XXX. (S. 103–104)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj176/ar176030

XXX. Richtige Anwendung der Gegenmutter.

Mit Abbildungen auf Tab. II.

Ein vielfach noch verbreiteter Mißbrauch ist die Art der Anwendung der sogenannten Gegenmutter, welche man gebraucht, um das freiwillige Lösen der Schraubenmuttern an den Maschinen während des Ganges zu verhindern, besonders in Fällen, in welchen man sie nicht mit voller Kraft auf das niederzudrückende Stück, Lagerdeckel, Stopfbüchse etc., anschrauben darf. Man schraubt dann eine niedrige Mutter auf die gewöhnliche fest auf, indem man die zuerst aufgesetzte und bis zur richtigen Stelle geschraubte mit einem zweiten Schlüssel festhält.

Die obere Mutter nennt man gewöhnlich die Gegenmutter, während der unteren Mutter dieser Name, sowie die etwas geringere Höhe, welche man 2/3 bis 3/4 der gebräuchlichen Mutterhöhe nehmen mag, |104| gebührt, die obere Mutter aber die für die Schraubenstärke gebräuchliche Höhe erhalten muß.

In Fig. 23 ist die gewöhnliche Art dargestellt, in Fig. 24 die allein richtige.

In Folge der auf Abreißen der Schraube wirkenden Kraft wird jede Mutter einen noch so geringen Spielraum auf einer Seite der Gänge erhalten, während nur auf der anderen Seite der Gänge eine Pressung entsteht. Dieser geringe Spielraum ist in den Durchschnittsfiguren durch Doppellinien angegeben. Sind zwei Muttern in der oben beschriebenen Art übereinander geschraubt, so sind zwei Druckkräfte wirksam: die Kraft, welche das zu haltende Stück von Zeit zu Zeit oder fortwährend auf die untere Mutter ausübt, welche durch die rückwirkende Festigkeit dieser direct auf die obere übertragen wird, und die Kraft, welche durch das feste Anziehen der Muttern gegen einander entstanden ist und dieselben von einander zu entfernen strebt. Letztere Kraft soll größer seyn als erstere. Die untere Mutter wird mit der Differenz dieser Kräfte nach unten gedrückt, die obere aber mit der Summe derselben nach oben. Nur wenn die den Lagerdeckel hebende Kraft eine ungewöhnliche Größe erreicht, wird die untere Mutter ein Bestreben haben, sich zu heben, aber auch erst dann, wenn die Gewinde in der oberen Mutter derartig zerdrückt worden sind, daß der Spielraum sich auf das Doppelte vergrößert hat. Dann ist aber schon die Gefahr des Abreißens der Schraube oder des Abstreifens der Gewindegänge eingetreten. Stets aber hat die obere Mutter einem größeren Drucke zu widerstehen; also muß dieselbe eine der Schraubenstärke angemessene Höhe haben, während die untere nur dazu dient, auch dann, wenn die den Lagerdeckel hebende Kraft gleich Null wird, eine Reibung der oberen Mutter auf dem Gewinde zu erzeugen, welche das freiwillige Losschrauben verhindert. H. G. (Zeitschrift des Vereines deutscher Ingenieure, 1865, Bd. IX S. 74.)

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