Titel: Buff, über Ausschmelzen von Talg.
Autor: Buff, Heinrich Ludwig
Fundstelle: 1865, Band 176, Nr. XLIII. (S. 143–144)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj176/ar176043

XLIII. Ueber Ausschmelzen von Talg; von Dr. H. L. Buff.

Appert 37) hat vor längerer Zeit vorgeschlagen, den Rohtalg mit einem Drittel seines Gewichtes Wasser im papinischen Topfe bei 115 bis 130° C. auszuschmelzen. Da hierbei leicht ein Anbrennen der häutigen Theile erfolgt, hat dieser Vorschlag keine Anwendung gefunden. Eine experimentelle Prüfung desselben führte mich zu einer sehr guten Methode den Talg auszuschmelzen, welche ich in dem Folgenden mittheile.

Dieselbe verlangt einen schmiedeeisernen Kessel, welcher stehend eingemauert, mit einem Mannloche in der Mitte des Kessels, einem kleinen Hahn am unteren Ende, einem großen Hahn am oberen Ende und ebendaselbst mit zwei Oeffnungen für Rohre versehen ist. Das eine Rohr ist dazu bestimmt, Dampf in den Kessel zu leiten, das andere Rohr dient dazu, den Inhalt des Kessels abzublasen. Der Hahn am unteren Ende dient ebenfalls zum Entleeren des Kessels. Das Mannloch ist, so lange der Kessel im Gebrauche ist, geschlossen. Durch den großen Hahn am oberen Boden des Kessels wird der zerschnittene Talg eingefüllt und nachdem alle Oeffnungen mit Ausnahme des großen Hahnes, welcher etwas geöffnet bleibt, geschlossen sind, wird Dampf von 4–5 Atmosphären Spannung eingelassen. Das Dampfzuleitungsrohr reicht bis auf den Boden des Kessels, bildet daselbst einen Ring und entströmt demselben der Dampf aus vielen kleinen Oeffnungen. Der Dampf durchstreicht den Rohtalg, erhitzt denselben und treibt die Luft aus dem Kessel. Sobald Dampf aus dem nicht ganz geschlossenen großen Hahn austritt, wird derselbe ebenfalls geschlossen. Nach einiger Zeit ist in dem Fettkessel derselbe Druck wie in dem Dampfkessel, und tritt nun nur noch Dampf aus letzterem nach Maaßgabe der Condensation in den Fettkessel. Dieser muß, um die Condensation und den Verbrauch an Brennmaterial möglichst einzuschränken, mit schlechten Wärmeleitern umgeben seyn. Das Ausschmelzen ist in höchstens einer Stunde beendigt. Durch Schließen eines Hahnes am Dampfzuleitungsrohre wird der weitere Zutritt von Dampf gehindert. Nachdem der Druck im Fettkessel nachgelassen hat, wird die am Boden des Kessels befindliche Leimlösung vermittelst des unteren Hahnes abgelassen. Dieselbe kann als Dünger benutzt werden. |144| Das Fett wird durch denselben Hahn in tiefer gelegene Räume abgelassen oder in höher gelegene Räume durch das Abblaserohr geblasen. (Inauguraldissertation, Göttingen; Mittheilungen des hannoverschen Gewerbevereins, 1864 S. 275.)

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Polytechn. Journal, 1829, Bd. XXXI S. 454.

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