Titel: Der Seidenbau in der Provinz Assam (Brittisch-Ostindien).
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1865, Band 176/Miszelle 16 (S. 248)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj176/mi176mi03_16

Der Seidenbau in der Provinz Assam (Brittisch-Ostindien).

In der Provinz Assam werden drei verschiedene Sorten von Seide gewonnen.

Die erste ist die gewöhnliche Seide von der Maulbeer-Seidenraupe; sie bildet den geringsten Theil der dortigen Seidenernte.

Die zweite Sorte ist die sogenannte Erieseide, welche von einer größeren Raupe herrührt und einen größeren Cocon als unsere Seidenraupe gibt. Das Insect lebt weit mehr vom Laube eines Baumes, welcher ein dem Ricinusöl ähnliches fettes Oel liefert, als von Maulbeerblättern. Der Erieseidenbau ist sehr verbreitet; Sir William Reed suchte diese Art auf Malta und in Italien zu acclimatisiren. Die Erieseide fühlt sich sehr weich an und ist das, was die Engländer flossy nennen, in hohem Grade; dagegen besitzt sie den Fehler, sich nur schwierig zwirnen zu lassen. Die aus ihr angefertigten Gewebe werden von den Nachbarstämmen von Assam sehr gesucht, und bilden den wichtigsten Artikel für den Export nach Buthan und in die das Thal des Brahmaputra im Norden beherrschenden Gebirge. Obgleich die Erieseide gröber ist als die gewöhnliche, so hat sie doch mehrere ihr eigenthümliche Eigenschaften; die aus ihr gewebten Stoffe sind sehr stark und gleichzeitig sehr dauerhaft, und werden von den Assamiten ganz allgemein als Mantel oder Plaid getragen.

Die dritte in Assam producirte Seidensorte ist die Mongahseide; die Raupe, welche dieselbe liefert, wird gänzlich im Freien gezogen. Die Raupe wird einfach auf den zu ihrer Nahrung bestimmten Baum gesetzt; wenn sie zum Einspinnen bereit ist, so kriecht sie von selbst von demselben herab. Die in dieser Periode ihrer Existenz befindlichen Raupen werden dann in Körben gesammelt und auf besonders dazu hergerichtete Gestelle gebracht, wo sie ihre Cocons spinnen.

Nach günstig ausgefallenen Ernten kostet die Mongahseide in Assam 10 bis 11 Fr. per Kilogr.; bei mittelmäßigem Ertrage dagegen bis 14 Fr. Der Export dieser Seide geht zum kleinen Theile nach Dakka, zum größeren Theile aber nach Calcutta; was in dieser Stadt nicht consumirt wird, geht zurück nach Madras und bis nach Arabien.

Nur diese einzige Sorte Assamseide wird ganz abgehaspelt exportirt; die von den Affamiten aus derselben gewebten Stoffe, welche nicht an Ort und Stelle ihren Consum finden, werden an die benachbarten Stämme verkauft oder nach dem nordwestlichen Indien, bis in's Peudjâb hinein, ausgeführt. (Bulletin de la Société d'Encouragement, October 1864, S. 638.)

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