Titel: Expansionsschieber für Dampfmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1865, Band 176/Miszelle 1 (S. 321)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj176/mi176mi04_1

Expansionsschieber für Dampfmaschinen.

In neuerer Zeit werden viele Steuerungen mit einem Vertheilungsschieber und einem Expansionsventile construirt, dessen Gehäuse an dem Deckel des Schieberkastens befestigt ist.

Diese Construction bringt bekanntlich, wie diejenige mit einem Expansionsschieber in einem besonderen Schieberkasten, nicht unbedeutende Dampfverluste mit sich, da der Dampf im Schieberkasten mit expandirt, und folglich für jeden Hub ein gewisses Dampfquantum erforderlich ist, um die ursprüngliche Spannung im Schieberkasten wieder herzustellen. Das Product aus dem Volumen dieses in den Schieberkasten einströmenden Dampfquantums und der Dampfspannung, ist die für jeden Hub verloren gehende Arbeit.

Dieser Verlust wird natürlich um so kleiner werden, je kleiner der Raum ist, welchen das Expansionsventil resp. der Expansionsschieber über dem Vertheilungsschieber absperrt; er ist auf ein Minimum gebracht bei den Steuerungen mit zwei Schiebern, von denen der Expansionsschieber unmittelbar auf dem Vertheilungsschieber, und zwar parallel mit letzterem, sich bewegt. Diese Steuerungen sind aber in ihren Verhältnissen complicirt, und es dieß wohl der Grund, weßhalb man in neuerer Zeit vielfach davon abgegangen ist und die im Eingange erwähnten Steuerungen mit einem Schieber und einem Ventile, trotz des größeren Dampfverbrauches, vorgezogen hat.

Dieser größere Dampfverbrauch läßt sich aber vermeiden, wenn man unter sonstiger Beibehaltung der Steuerung, statt des Expansionsventiles einen Expansionsschieber anwendet, der unmittelbar auf dem Vertheilungsschieber, aber rechtwinkelig zu demselben, sich bewegt.

Es ist klar, daß in diesem Falle die Oeffnung im Vertheilungsschieber, welche der Expansionsschieber schließt und öffnet, in Bezug auf die Bewegung des letzteren als in Ruhe befindlich zu betrachten ist, da diese Oeffnung nur um den Hub des Vertheilungsschiebers sich in sich selbst verschiebt, und daß also auch die Verhältnisse der Dampfabsperrung und des Dampfzutrittes die nämlichen seyn müssen, als bei einem Expansionsventile in einem festen Gehäuse.82) Adrian Jacobi, Ingenieur. (Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1865, Bd. IX S. 224.)

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Derartige Dampfschiebersteuerungen sind mehrfach, sowohl bei stationären, als auch bei Schiffsmaschinen, nach den Angaben des englischen Ingenieurs Horn in der Fabrik von Palmer, Brothers und Comp. bei Newcastle upon Tyne ausgeführt worden. Der Rücken des Grundschiebers ist senkrecht über den Dampfeinlaßcanälen gitterartig durchbrochen; eine entsprechende Form hat der sich darüber bewegende Expansionsschieber. Eine mit der Grundschieberstange gekuppelte Stange, welche die Längenbewegung der ersteren mitmachen muß, aber unabhängig von derselben sich drehen kann, gibt mittelst zweier kurzer auf ihr befestigter Hebel, sobald sie gedreht wird, dem Expansionsschieber eine zur Bewegungsrichtung des Grundschiebers senkrechte Verschiebung. Die Drehung der Stange erfolgt durch einen ähnlichen Expansionsconus, wie er zur Bewegung von Expansionsventilen vielfach angewendet wird.

A. v. Gizycki.

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