Titel: Darstellung und quantitative Bestimmung des Theins aus den Theeblättern, nach C. Claus.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1865, Band 176/Miszelle 8 (S. 325–326)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj176/mi176mi04_8

Darstellung und quantitative Bestimmung des Theins aus den Theeblättern, nach C. Claus.

Von dem ätherischen Auszuge der Theeblätter wird der Aether zu 2/3 abdestillirt, zu dem Rückstande in der Retorte 1/10 seines Volumens sehr verdünnte Schwefelsäure gesetzt, die saure Lösung mittelst eines Scheidetrichters getrennt und die Operation noch ein oder zwei Mal wiederholt, bis der Aether seinen bitteren Geschmack und somit alles Thein verloren hat. Die verdünnte Schwefelsäure, welche neben dem Thein bloß noch Gerbsäure enthält, wird in einer Porzellanschale mit überschüssiger gebrannter Magnesia versetzt, wobei sich ein Theil der Gerbsäure zerlegt. Die Lösung wird vorsichtig eingetrocknet, der Rückstand zerrieben und mit Aether so lange ausgezogen, bis dieser nichts mehr löst. Schüttet man diese Aetherauszüge in eine kleine tarirte Retorte, destillirt den Aether ab und trocknet noch 24 Stunden an einem warmen Orte, so kann man mittelst einer zweiten Wägung der Retorte durch deren Gewichtszunahme die Menge des Theins erfahren. Um sich hierbei auch der gewöhnlichen Waagen für 50 Grm. Belastung bedienen zu können, spült man das Thein mit Aetherweingeist in ein dünnes leichtes Gefäß, wo man es verdunsten und trocknen läßt. Zu einer jedesmaligen Bestimmung braucht man höchstens 12 Grm. Theeblätter und 1 Liter Aether, von dem nur wenig verloren geht; daraus erhält man 0,12 bis 0,275 Grm. des reinsten Theins. Zur Controle kann man die ausgezogenen Blätter mit etwas kohlensaurem Kali befeuchten, eintrocknen lassen, mit 90procentigem Alkohol ausziehen und sich durch Destillation ein Theeextract darstellen, welches leicht getrocknet und zu Pulver gerieben werden kann, und welches bei der oben angegebenen Behandlung (Ausziehen mit Schwefelsäure u.s.w.) entweder eine gelbe nicht krystallinische Masse oder etwas krystallinisches Thein von gelblicher Farbe gibt, in welch letzterem Falle man diese Menge wägen und der erst gefundenen zurechnen kann, ohne einen merklichen Fehler zu begehen.

Mehrere so von dem Verfasser untersuchte Theesorten zeigten einen Gehalt von 1 bis 2,5 Procent Thein. Daß Peligot im Theegrus 4,85 bis 5,84 Proc. Thein fand, kann nach dem Verfasser darin seinen Grund haben, daß das zerreibliche Zellgewebe des Blattparenchyms, aus dem der Theegrus zumeist besteht, reichhaltiger an Thein ist, als die gefäßreiche Nervatur der Theeblätter. Die im Handel als die schlechtesten geltenden Sorten von den älteren Blättern waren die reichsten an Theingehalt, der zugleich in directem Verhältnisse zum Cellulosegehalt steht.

Auch zur Darstellung des Theins im Großen eignet sich diese Methode, nur wäre es hier billiger, den Thee erst mit schwach angesäuertem Wasser auszuziehen, diesen Auszug mit Basen zu neutralisiren, vorsichtig einzudampfen und aus dem Rückstande das Thein mit Aether auszuziehen und zu reinigen.

Im Anschlusse an diese Abhandlung veröffentlicht der Verfasser die Resultate der Untersuchungen mehrerer Sorten Theeblätter, die nach drei verschiedenen Methoden angestellt worden waren. Neben der Peligot'schen und der des Verfassers wurde nämlich noch eine dritte in Anwendung gebracht, bei welcher die Theeblätter mit Wasser, dem eine geringe Menge kohlensaures Natron zugesetzt war, ausgezogen, der Auszug mit Alaunlösung vermischt und nun mit kohlensaurem Natron gefällt wurde, ohne daß die Flüssigkeit alkalisch wurde. Aus dem eingedampften und mit kohlensaurem Natron |326| alkalisch gemachten Filtrate zog Aether das Thein aus. Diese Methode stimmte mit der des Verfassers gut überein, während die Peligot'sche, welche bloß ein unreines Thein lieferte, stets etwas mehr ergab.

Aus den vom Verfasser zusammengestellten Analysen geht wieder hervor, daß der schlechteste Thee das meiste Thein enthält. Während nämlich der feinste Blumenthee nur 1,033 Proc. Thein enthielt, hatte der sogenannte Ziegelthee bis zu 3,490 Proc., was der Annahme, die Chinesen bereiteten die letztgenannte Sorte aus schon ausgekochten Theeblättern, widerspricht, da das Thein von Wasser ausgezogen wird, und alsdann der Ziegelthee ärmer an Thein seyn müßte. Diese letzte Theesorte, welche von den Nomaden Mittelasiens zu geringem Preise gekauft wird, wird also wahrscheinlich aus alten Theeblättern und Zweigspitzen durch Zusammenpressen dargestellt. (Pharmaceutische Zeitschrift für Rußland, I. Jahrgang; Wittstein's Vierteljahrsschrift, Bd. XIII S. 414.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: