Titel: v. Hauer, über die leicht schmelzbaren Cadmiumlegirungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1865, Band 177, Nr. XXXIII. (S. 154–156)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj177/ar177033

XXXIII. Ueber die leicht schmelzbaren Cadmiumlegirungen; von Carl Ritter v. Hauer.

Aus der Wochenschrift des nieder-österreichischen Gewerbevereins, 1865, Nr. 17.

B. Wood hat bekanntlich die interessante Entdeckung gemacht, daß durch Hinzufügen von wenig Cadmium zu den leicht schmelzbaren Metallgemischen aus Zinn, Blei und Wismuth der Schmelzpunkt der letzteren noch bedeutend herabgedrückt wird.29) Die Mischungsverhältnisse, welche Wood und nach ihm Lipowitz 30) angegeben haben, liegen einem einfachen Aequivalentverhältnisse der componirenden Metalle nahe, stimmen aber doch mit einem solchen nicht absolut genau zusammen. Ich habe nun solche Legirungen genau nach einfachen Aequivalentverhältnissen dargestellt und die Schmelzpunkte, sowie die spec. Gewichte derselben bestimmt.

Die Darstellung der Legirungen nach dem im Folgenden angeführten Schema geschah in der Weise, daß in Summa je 100 Gramme genau nach dem entsprechenden procentischen Verhältnisse der einzelnen Metalle abgewogen und in einem bedeckten Porzellantiegel bei möglichst niedriger Temperatur geschmolzen wurden. Nach längerem Umrühren mit einem Holzstäbchen wurde die geschmolzene Masse auf eine kalte Metallplatte ausgegossen, wo sie momentan erstarren mußte. Das spec. Gewicht und die Schmelztemperatur wurden erst bestimmt, nachdem die Legirungen in gleicher Weise zwei- bis dreimal waren ausgegossen worden. Bei solcher vorsichtigen Schmelzung läßt sich eine partielle Oxydation der Metalle, welche eine Störung des Aequivalentverhältnisses verursachen könnte, fast absolut vermeiden.

Die Bestimmung des Schmelzpunktes geschah sowohl unter Wasser, wie auch durch Eintauchen des Thermometers in die nicht unter Wasser geschmolzene Masse. Unter heißem Wasser oxydiren diese Legirungen ziemlich rasch. Sie haben ferner die Eigenschaft, unter dem eigentlichen Schmelzpunkt noch breiartig zu bleiben, so daß der Erstarrungspunkt von jener Temperatur, bei welcher sie im strengeren Sinne des Wortes flüssig |155| werden, durch mehrere Grade des hunderttheiligen Thermometers getrennt ist.

Der eigentliche Schmelzpunkt ist daher etwas zu niedrig angegeben worden. In der folgenden Zusammenstellung sind jene Temperaturen angeführt, bei welchen die Legirungen sich wirklich flüssig zeigten.

Das spec. Gewicht der zu den Versuchen angewandten Metalle war folgendes:

Cadmium = 8,572
Zinn = 7,265
Blei = 11,350
Wismuth = 9,708

In die Berechnung wurden ferner einbezogen die folgenden Aequivalentzahlen und Schmelztemperaturen:

Cadmium-Aequivalent 56, Schmelzpunkt 316° C.
Zinn-Aequivalent 58, 230° C.
Blei-Aequivalent 103,7, 334° C.
Wismuth-Aequivalent 210, 264° C.
Textabbildung Bd. 177, S. 155

Es findet somit eine Contraction der Metalle statt, aber mit der geringsten Contraction ist der niedrigste Schmelzpunkt verbunden. Den Schmelzpunkt einer Legirung von 3 Gewichtstheilen Cadmium (10,00 Proc.), 4 Zinn (13,39 Proc.), 8 Blei (26,66 Proc.) und 15 Wismuth (50,00 Proc.), welche nach der Angabe von Lipowitz bei 60° C. schmelzen soll, fand ich viel höher liegend. Sie wird erst bei 70° C. vollständig flüssig. Der Schmelzpunkt einer Legirung von 2 Gewichtstheilen Cadmium (6,25 Proc.), 3 Zinn (9,37 Proc.), 11 Blei (34,37 Proc.) und 16 Wismuth (50,00 Proc.) ergab sich noch höher, nämlich bei 76,5° C.

Wenn der Legirung von V. Rose 8–10 Proc. Cadmium hinzugefügt werden, so sinkt ihre Schmelztemperatur auf 75° C. herab. Wird in dieser selben Legirung Blei durch Cadmium ersetzt, so ändert sich ihr Schmelzpunkt nur ganz unbedeutend. Ich fand für die nachstehend angegebenen Mengenverhältnisse nahezu die gleiche Schmelztemperatur:

|156|
1 Thl. Cadmium,
2 Thle. „
1 Thl. „
2 Thle. Zinn,
3 „ „
1 Theil „
3 Thle. Wismuth
5 „ „
2 „ „
bei 95° C. vollständig
flüssig.

Eine Legirung, bestehend aus 50 Proc. Sickerloth (PbSn³) und 50 Proc. Wismuth ist um ein Geringes leichter schmelzbar; sie wird nämlich zwischen 92 und 93° C. vollständig flüssig.

Eine Legirung aus 1 Gewichtstheil Cadmium, 6 Blei und 7 Wismuth soll, wie B. Wood angab, bei 82° C. schmelzen. Ich fand den Schmelzpunkt eines solchen Metallgemisches höher, wie Nr. 1 in der folgenden Tabelle zeigt. Nr. 2 und 3 sind Legirungen von ähnlichen Zusammensetzungen, welche ich aber nach genauen Aequivalentverhältnissen darstellte. Ihr Schmelzpunkt liegt noch höher.

Textabbildung Bd. 177, S. 156

Für die nachstehenden Mischungsverhältnisse ergaben sich endlich noch die beigesetzten Schmelztemperaturen:

CdSn³ Schmelzpunkt 165° C.
CdSn + PbSn³
CdSn³ + PbSn³
136° C.
25 Proc. Cadmium + 75 Proc. Sickerloth (PbSn³) 132° C.
92 Proc. Sickerloth (PbSn³) + 8 Proc. Cadmium 136° C.
25 Pc. Wismuth, 75 Sickerloth (PbSn³), 5 Cadmium 105° C.

Die Legirungen, bestehend aus Sickerloth (PbSn³) und mehr oder weniger Cadmium, zeichnen sich nebst der leichten Schmelzbarkeit durch besondere Zähigkeit aus, und lassen sich ganz vorzüglich hämmern und walzen.

Bezüglich der praktischen Verwendbarkeit dieser und einiger anderen Legirungen soll später berichtet werden.

|154|

Polytechn. Journal Bd. CLVIII S. 271.

|154|

Polytechn. Journal Bd. CLVIII S. 376.

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