Titel: Schornsteine aus Thonröhren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1865, Band 177/Miszelle 3 (S. 77–78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj177/mi177mi01_3
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Schornsteine aus Thonröhren.

Die Zeitung des Vereins deutscher Eisenbahn-Verwaltungen (1864 S. 568) berichtet nach den Verhandlungen des Vereins für Eisenbahnkunde in Berlin über die thönernen Schornsteine im Locomotivschuppen des Berlin-Potsdam-Magdeburger Bahnhofes zu Berlin. Dieselben bestehen aus 12 Zoll im Lichten weiten, inwendig glasirten Thonröhren mit Muffen, welche mittelst Cement mit einander verbunden sind. Durch 3/8 zöllige Eisenstäbe sind sie am Dachgerüste aufgehängt und über demselben abgesteift, und beträgt ihre Höhe einschließlich Rauchfang und Haube 32 Fuß (10 Meter), von denen 11 Fuß (3,5 Meter) sich über dem Dache befinden. An der Durchgangstelle durch das letztere ist eine besondere Dichtung aus Gußeisen hergestellt.

Nach Angabe der Quelle sind die Röhren von May und Comp. in Bitterfeld bezogen, und kostet ein solcher Schornstein einschließlich Rauchfang und Haube 34 Thlr. 22 Sgr., mit der Armatur und den Aufstellungskosten 96 Thlr. 15 Sgr. Ein gußeiserner Schornstein derselben Größe würde dagegen 136 Thlr., ein blecherner von 1/8 Zoll (3 Millim.) Wandstärke 187 Thlr. gekostet haben.

Referent selbst hat vor mehreren Jahren auf einer chemischen Fabrik einen solchen Thonröhrenschornstein erbaut, welcher einschließlich des gemauerten Sockels von 6 Met. eine Höhe von 18 Met. erhielt und ungefähr 10 Met. über das Dach hervorragte. Zu demselben wurden die zur Leitung der Salz- und Salpetersäure üblichen glasirten Steingutröhren von 340 Millim. lichtem Durchmesser benutzt. Die Verankerung gegen das Dach geschah durch einen Ring an dem vorletzten Rohrstück circa 1 Meter unter der Mündung und durch vier Zugbänder von 15 Millim. Rundeisen.

Der Schornstein hat sich sehr gut gehalten, und wurde der beabsichtigte Zweck, in möglichst kurzer Zeit einen Schornstein von der angegebenen Höhe aufzustellen, vollständig erreicht, indem derselbe durch vier Maurer in vier Tagen des Spätherbstes vollkommen fertig gestellt wurde. Große architektonische Schönheit entwickelte er freilich nicht. R. Z. (Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1865, Bd. IX S. 359.)

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