Titel: Eine Verbesserung im Gerbereiwesen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1865, Band 177/Miszelle 13 (S. 171–172)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj177/mi177mi02_13

Eine Verbesserung im Gerbereiwesen.

Die zu gerbenden Häute wurden bekanntlich bisher durch das „Schwitzen“ von den Haaren befreit, d.h. durch die Einleitung einer Fäulniß. Die auf diese Weise bewirkte Lockerung der Haare in der Wurzel erfordert immerhin noch einen ziemlichen Kraftaufwand, um sie von der Haut wirklich abzustoßen (abzupählen).

Jene Fäulniß und dieses gewaltsame Abstoßen der Haare entzieht den Häuten unbestreitbar ein gewisses Quantum thierischen Leim und überhaupt Material, so daß das Leder dadurch an Festigkeit und besonders an Gewicht verliert. Dieß muß der Fall seyn, wenn auch das „Schwitzen“ auf das nothwendigste Maaß beschränkt bleibt; sehr |172| leicht wird aber dieses Maaß überschritten, und dann ist der Schaden am Leder natürlich noch größer.

Um diese Nachtheile zu vermeiden, ist neuerdings ein ganz anderer Weg eingeschlagen worden, die Häute zu enthaaren; und zwar geschieht dieß dadurch, daß die rohen Häute kalten Wasserdünsten ausgesetzt werden. Diese Wasserdünste lassen sich leicht in der Art erzeugen, daß man in einen dicht verschlossenen Raum (wozu am besten der bisherige Schwitzraum benützt wird) durch Rinnen Wasser hereinleitet, und dieses durch eine einfache Vorrichtung zerstäuben läßt. Die so entstandenen Wasserdünste dringen, soferne sie nirgends einen Ausweg finden, in die Poren der in einem solchen Raume aufgehängten Häute und weichen die Häute so innig durch, daß sich die Haare nach 5 10 Tagen ganz leicht von der Haut entfernen lassen.

Was die Art der Aufhängung der Häute betrifft, so muß diese natürlich so geschehen, daß die Haarseite für den Zutritt der Wasserdünste völlig frei gelegt ist. Sind die Häute auf die angegebene Weise zubereitet, so geht das Enthaaren derselben so leicht von statten, daß ein Mann in der gleichen Zeit 3mal mehr Häute enthaaren kann, als nach der bisherigen Methode.

Bei der angegebenen neuen Art der Zubereitung der Häute, welche man mit „Kaltwasserschwitze“ bezeichnen mag, obgleich hier gar keine Erhitzung der Haut und somit nichts vorkommt, was man mit Schwitzen im eigentlichen Sinne bezeichnen könnte, tritt selbstverständlich keine Fäulniß ein, ebenso fällt daher der üble Geruch weg, und ist auch keine Gefahr, die Häute zu beschädigen, wenn sie länger als durchaus erforderlich den Wasserdünsten ausgesetzt bleiben.

Die erforderliche Dauer der Zubereitung hängt ab von der Menge des zugeleiteten Wassers, dem Maaße seiner Verdunstung, und endlich von der mehr oder weniger vollständigen Luftabschließung.

Das Uebergewicht, welches durch die Schonung der Häute auf diesem Wege gewonnen wird, beträgt auf eine 60pfündige Salzhaut 3–4 Pfund. Solche Häute nehmen allerdings etwas mehr Lohe an, dafür ist aber auch das Leder um so viel fester und schöner.

Die Redaction der deutschen Gerberzeitung (Berlin, Klosterstraße Nr. 79), der wir diese Notizen entnehmen, verspricht erforderlichen Falles auf Anfrage noch weitere Aufklärungen zu geben.

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