Titel: Sprengversuche in Harzer Gruben mit dem Nobel'schen Sprengöl.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1865, Band 177/Miszelle 6 (S. 168)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj177/mi177mi02_6

Sprengversuche in Harzer Gruben mit dem Nobel'schen Sprengöl.

Clausthal, 13. Mai. – An dem heutige Tage sind im Beiseyn des Hrn. Nobel und dessen Compagnon oder Agenten, Hrn. Wedekind, auf der Grube Bergmannstrost und später in einem Steinbruche am Tage Spreng-Versuche mit dem genannten Sprengöle vorgenommen worden, deren Resultate im Nachstehenden mitgetheilt werden sollen.

Beim Anweisen der Löcher in den weiten Försten der Grube ist man so verfahren, daß das mittelst dieser Löcher wegzusprengende Gesteinsquantum etwa das 4 bis 6fache von dem betragen haben würde, was mit einem 20 bis 24 Zoll tiefen, 1 1/4 Zoll im Pulverraum weiten gewöhnlichen Bohrloche losgesprengt wird. Mit Ausnahme eines 18 Zoll tiefen, 1 Zoll weiten Loches vor einem Ortsbetriebe sind die Löcher 55–60 Zoll tief gebohrt; die unteren 30 Zoll der Löcher haben eine Weite von 1 Zoll gehabt. Das Gestein ist da, wo die Löcher nicht aus dem Bogen oder, wie der Bergmann sagt, „aus der Presse“ zu heben haben, als guthöbig zu bezeichnen. Nur bei einigen Löchern trifft die Bezeichnung „schwerhübig“ zu. Das zum Besatze anscheinend erforderliche Quantum Sprengöl ist, von dem Hrn. Nobel abgemessen, zum Theil einfach in die Bohrlöcher gegossen, zum Theil in 10 bis 13 Zoll langen, 7/8 Zoll weiten Blechpatronen in die Bohrlöcher gebracht. Die Entzündung ist in der Weise geschehen, daß eine etwa 3 Zoll lange hölzerne, mit Pulver gefüllte und mit einem Sicherheitszünder versehene Kapsel unmittelbar auf das Sprengöl gebracht, oder in die mit Sprengöl gefüllte Blechhülse eng anschließend einen Zoll weit eingeschoben wurde, worauf das Loch in gewöhnlicher Weise mit Besatzgrand oder mit gewöhnlichem Quarzsand fertig besetzt wurde. Die Resultate der Sprengung sind jedoch ungünstig ausgefallen. Nur das 18 Zoll tiefe Bohrloch vor dem Orte hat zur Genüge weggehoben. Von sämmtlichen anderen Löchern hat keines gehoben. Zum Theil ist gar keine Explosion erfolgt, anderen Theils ist nur ein schwacher, einige Fuß langer Riß nach beiden Seiten des Bohrloches erzielt oder die Explosion ist auf das Gestein ganz ohne Erfolg geblieben. Nach den hier ausgeführten Versuchen scheint sich das Sprengöl für Grubenbaue, welche nicht etwa sehr bedeutende Weitungen und leichthöbiges Gestein besitzen, nicht zu empfehlen. – Die Versuche in dem Steinbruche haben gleichfalls kein günstiges Resultat ergeben. Hier waren die Löcher 8 bis 12 Fuß tief und 1 1/2 bis 2 Zoll weit gebohrt. Das Gestein besteht aus einer guthübigen, zum Theil verwitterten, in Bänken gelagerten Grauwacke. Die Resultate des ersten 8 Fuß tiefen Loches bestanden in einigen Rissen im Gestein, die aber nicht genügten, um mittelst Brechstangen, Keilen und Fäustel einen Theil der wegzusprengenden Gesteinmasse gewinnen zu können. Das zweite etwa 12 Fuß tiefe, senkrecht niedergebohrte Loch explodirte nicht. Dasselbe wurde sodann nach einiger Zeit bis auf 90 Zoll Tiefe wieder rein gebohrt, bis auf 68 Zoll Tiefe voll Sprengöl gegossen, mit 22 Zoll Sand besetzt und angezündet. Das Loch explodirte nun, aber die ganze Wirkung der Sprengung gieng – wie es von den Besatzverhältnissen auch wohl nicht anders zu erwarten war – nach oben, indem es die oberste 5–6 Fuß mächtige Lage des durchweg verwitterten und zersetzten Grauwackengesteins aufwühlte, während die unteren festeren Grauwackenlagen ruhig liegen geblieben waren, so daß auch diese Sprengung nicht als günstig zu bezeichnen ist. Dem Vernehmen nach will das hiesige Berg- und Forstamt nochmals in einem anderen Steinbruche Sprengversuche mit diesem Sprengöle vornehmen lassen. (Berggeist, 1865, Nr. 41.)

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