Titel: Ueber die Ursachen und die Natur des Bruches schmiedeeiserner Wellen, von W. Wedding.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1865, Band 177/Miszelle 2 (S. 325–326)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj177/mi177mi04_2
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Ueber die Ursachen und die Natur des Bruches schmiedeeiserner Wellen, von W. Wedding.

Hierüber sprach Hr. Maschinenfabrikant W. Wedding in Berlin in der Versammlung des Vereins für Gewerbfleiß in Preußen, im März d. J. Durch das Vorkommen des Bruches einer schmiedeeisernen Welle in seiner Fabrik sey er zur Ueberzeugung gelangt, daß die Theorie, ein Bruch erfolge, wenn durch Stöße oder Erschütterungen das Eisen krystallinische Textur annehme, unhaltbar sey. Die genannte Welle war keinerlei Stößen oder Erschütterungen ausgesetzt; außerdem sey es nicht denkbar, daß ein Verschieben der einzelnen Molecüle des Eisens stattfinde. Ein directer Versuch, dessen Ergebnisse mit den Erfahrungen des Obermaschinenmeisters Wöhler übereinstimmen, lasse eine einfachere Erklärung des Umstandes zu. Eine Welle wurde an dem einen Ende in ein Lager gelegt, während das andere freie Ende mit einem Gewicht belastet wurde. Hierdurch werden die Fasern des oberen Theiles der Welle verhältnißmäßig durch die Durchbiegung ausgedehnt und die unteren zusammengedrückt; beim Rotiren der Welle geschieht dieß nun abwechselnd, und auf diese Weise werden die Fasern zerstört. Bei dem angegebenen Versuch erfolgte der Bruch der Welle in 4 Stunden. Die Beschaffenheit des Bruches des Schmiedeeisens richtet sich darnach, ob derselbe rasch oder langsam entsteht; bei plötzlichem Bruch brechen die Fasern kurz ab und verlieren dadurch das sehnige Ansehen; wo eine wirklich krystallinische Textur sich zeigt, ist anzunehmen, daß das betreffende Eisen nicht krystallinisch geworden, sondern gewesen sey. Der Vortragende zeigte Proben von auf verschiedene Weise hergestellten Brüchen vor und machte noch darauf aufmerksam, wie prekär die Anwendung des Eisens in der Industrie und in dem ganzen Bauwesen seyn würde, wenn die Theorie über das Krystallinischwerden durch Stoß und Erschütterung und die demnächstige Zerstörung des Eisens eine richtige wäre. (Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen, 1865 S. 50.)

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