Titel: Ueber die rationellste Darstellungsweise der Superoxyde.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1865, Band 177/Miszelle 6 (S. 408–409)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj177/mi177mi05_6
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Ueber die rationellste Darstellungsweise der Superoxyde.

In der am 22. Juli d. J. abgehaltenen Sitzung des physikalischen Vereins zu Frankfurt a. M. theilte Prof. Böttger seine Erfahrungen mit über die rationellste Darstellungsweise der Superoxyde, insbesondere solcher, die sich durch ihr auffallendes Verhalten zu einer klar filtrirten Lösung von Chlorkalk auszeichnen. So viele Verfahrungsweisen es auch gebe, diese höheren (von Fremy Metallsäuren genannten) Oxydationsstufen der Metalle zu erzielen, so erhalte man sie doch nur dann von stets gleichbleibender Zusammensetzung, sonach in vollkommenster Reinheit, wenn man die bezüglichen frischgefällten Metalloxydhydrate mit unterchlorigsaurem Natron, in welchem freies Natron vorwalte, einige Zeit lang bei 100° C. digerire. Auf diese Weise habe er in der kürzesten Zeit die höheren Oxydationsstufen von Blei, Wismuth, Mangan, Kobalt, Nickel und insbesondere die des Kupfers (die noch so gut wie unbekannt sey) gewonnen. Die zwei ersteren verhielten sich, seinen Beobachtungen zufolge, zu einer filtrirten Chlorkalklösung völlig indifferent, das Mangansuperoxyd erzeuge beim Digeriren mit genannter Lösung prachtvoll roth aussehenden übermangansauren Kalk, ohne daß dabei Sauerstoff in Freiheit trete; die Superoxyde von Kobalt und Nickel, und insbesondere das Kupfersuperoxyd, bewirken dagegen, in der kleinsten Menge einer Chlorkalklösung zugesetzt (bei gewöhnlicher mittlerer Temperatur langsam), bei circa 60° Cels. eine tumultarische Entwickelung reinsten Sauerstoffgases. Ganz dasselbe Verhalten zu einer Chlorkalklösung zeige indeß auch das Eisenoxydhydrat und das Baryumsuperoxydhydrat. Die Superoxyde von Kobalt, Nickel und Kupfer, deßgleichen das Eisenoxydhydrat, bleiben bei ihrem Zusammentreffen mit einer Chlorkalklösung völlig unzersetzt, können mithin zu einer perpetuirlichen Entwickelung reinsten Sauerstoffgases aus fortan zu erneuernden, resp. sich zersetzenden Chlorkalklösungen dienen. Das Baryumsuperoxydhydrat entwickelt zwar schon bei circa 30° Cels., mit Chlorkalklösung zusammengebracht, reinstes Sauerstoffgas; indeß ist es hier nicht der Sauerstoff der unterchlorigen Säure im Chlorkalk, welchen man in Freiheit treten sieht, sondern die Hälfte des im Baryumsuperoxyd enthaltenen Sauerstoffs; die Chlorkalklösung bleibt sonach unzersetzt, während aus dem Superoxyd Barythydrat wird. (Böttger's polytechnisches Notizblatt, 1865, Nr. 17.)

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