Titel: Deleuil's Luftpumpe.
Autor: Deleuil,
Fundstelle: 1865, Band 178, Nr. LIV. (S. 192–193)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj178/ar178054

LIV. Neue Luftpumpe; von Deleuil.

Aus den Annales de Chimie et de Physique, 4. série, t. V p. 174; Juni 1865.

Mit einer Abbildung auf Tab. III.

Schon im Jahre 1849 habe ich mich eifrig mit den Uebelständen beschäftigt, welche einerseits das Schmieren der Luftpumpencylinder veranlaßt, indem dadurch alle Canäle und die Ventile verunreinigt werden, so daß die Maschine, wenn sie eine Zeit lang nicht benutzt worden ist, nicht functioniren kann, andererseits das Auseinandernehmen und Wiederzusammensetzen der genannten Stücke herbeiführt, indem Letzteres von Leuten, welche nicht Mechaniker sind, stets nur sehr schwierig zu bewerkstelligen ist; ich war ernstlich bemüht, diesen Mängeln gründlich abzuhelfen. Die Maschine, welche ich im Jahre 1850 angefertigt und auch in die internationale Ausstellung zu Paris im Jahre 1855 geliefert hatte, war mit einem sich frei bewegenden Kolben versehen, der nur mit dem Fluidum geschmiert wurde, auf welches man operirt; obwohl dieselbe sehr befriedigende Resultate lieferte, so ließ sie doch wegen ihrer complicirten Construction und wegen der Verbindung der Ventile noch sehr viel zu wünschen übrig. Bei dem Modelle, welches ich nun der (französischen) Akademie überreicht habe, hoffe ich aber die Aufgabe vollkommen gelöst zu haben.

Zu dieser neuen Construction nach demselben Princip veranlaßte mich erstens die Schwierigkeit, mit welcher Gase in Räumen mit capillarem Querschnitt circuliren, und zweitens die Anwendung, welche kurz vor jener Zeit Hr. Isoard von diesem Principe bei seiner Maschine mit überhitztem Dampf gemacht hat, deren doppeltwirkender Kolben sich mit großer Geschwindigkeit in dem Cylinder bewegte, ohne die Wände desselben zu berühren, aber doch keinen Dampf von der einen Seite der Kolbenflächen auf die andere entweichen ließ.

Es ist gewiß einigermaßen paradox, dieses Princip auf die Erzeugung der Luftleere anwenden zu wollen, weil mit der Zunahme der Luftverdünnung das Liderungsmittel des Kolbens verschwindet. Die Resultate, welche ich mit dieser Maschine erziele, beweisen jedoch, daß bei jedem Grade von Luftverdünnung immer noch genug Luft zurückbleibt, um die Liderung vollkommen zu machen.

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Diese in Fig. 23 dargestellte Maschine besteht aus einem vollkommen ausgeschmirgelten Cylinder von Krystallglas oder Gußeisen und aus einem Metallkolben, dessen Länge immer zweimal so groß als sein Durchmesser seyn muß; der Durchmesser des Kolbens darf aber höchstens um 1/20 Millimeter kleiner seyn als derjenige des Cylinders. Dieser Kolben ist auf seiner Oberfläche mit kleinen Furchen versehen, welche ungefähr einen Centimeter von einander abstehen. Die Stopfbüchsen, welche den Kolbenstangen zur Führung dienen, beruhen auf demselben Princip, brauchen daher niemals mit Oel versehen zu werden.

Ich habe also mit einem Male beseitigt: die Abnutzung des Cylinders und Kolbens, den Widerstand des Kolbens, weil keine Reibung mehr vorhanden ist, und die Verstopfung der Ventile. Da der Kolben doppeltwirkend ist, so bildet sich überdieß der leere Raum ohne Kraftanstrengung und die Bewegung des Kolbens wird immer sanfter, denn sie findet in einer Luft statt, deren Verdünnung mit der Dauer der Operation zunimmt.

Diese Maschine ist insbesondere in der Industrie anwendbar; sie gestattet große Räume in verhältnißmäßig sehr kurzer Zeit luftleer zu machen. Ich habe das System von Babinet angewendet, mit welchem man für Laboratorien in Behältern von 6 bis 10 Litern Inhalt eine Luftverdünnung von 7 Millimetern Quecksilberstand erreichen kann, die schon für viele Operationen genügt; in Behältern von 500 Kubikcentimetern bis 1 Liter Inhalt läßt sich aber ein Quecksilberstand von 4 Millimet. erreichen. Die Maschine erfordert keine schnelle Bewegung bei ihrem Betriebe, sondern arbeitet sogar besser, wenn man sie langsam gehen läßt. Sie kann auch, ohne irgend eine Veränderung, bis auf zwei Atmosphären als Compressionspumpe benutzt werden, und man kann mit ihr ohne merklichen Verlust ein Gas aus einem Behälter schöpfen, um es in einen anderen zu pumpen.

Das kleine Modell zieht bei jeder Umdrehung des Rades 1 1/2 Liter Luft aus; sein Preis ist 500 Francs. Ich habe aber noch ein größeres Modell angefertigt, welches bei jeder Umdrehung des Rades 4 Liter Luft auszieht und dessen Preis 800 Francs beträgt.

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