Titel: Jackson und Ott, Verfahren zur Extraction des Goldes aus Erzen.
Autor: Jackson, H.
Ott, W. A.
Fundstelle: 1865, Band 178, Nr. LXII. (S. 211–216)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj178/ar178062

LXII. Neues Verfahren zur Extraction des Goldes aus Golderzen, namentlich Kiesen und anderen Erzen von nur geringem Goldgehalte; von H. Jackson und W. A. Ott.

Aus dem Journal of the Franklin Institute of the State of Pennsylvania, Juli 1865, S. 26.

Unter den verschiedenen, in neuerer Zeit eingeführten Verbesserungen in der Extraction des Goldes aus göldischen Erzen nimmt das Verfahren des verstorbenen Professors Plattner zu Freiberg, sowohl was wissenschaftlichen Werth als die praktischen Vorzüge anbelangt, den ersten Rang ein. In Amerika ist dagegen fast überall der Amalgamationsproceß in Anwendung, und jede denkbare Verbesserung desselben ist dort eingeführt worden, weßhalb man wohl mit Recht behaupten kann, daß dieser Proceß einen Standpunkt erreicht hat, auf welchem noch bessere Resultate nicht zu erwarten sind. Obgleich seit vielen Jahren wohl gekannt und in großer Ausdehnung angewendet, ist die Amalgamation doch nicht frei von bedeutenden Mängeln, welche in Bezug auf Kostenersparnis wohl niemals beseitigt werden können. Dieß ist auch eine allgemein anerkannte Thatsache und der Amalgamationsproceß würde jedenfalls schon gänzlich aufgegeben worden seyn, wenn ein praktischeres und vortheilhafteres Verfahren zur Entgoldung der Erze existirte.

Zur Behandlung armer Golderze läßt sich die Amalgamation nicht mit Vortheil anwenden, indem in Folge der feinen Zertheilung des Goldes nur eine sehr unvollkommene Berührung dieses Metalles mit dem Quecksilber, somit eine nur sehr unvollständige Amalgamirung möglich ist. Durch zahlreiche Untersuchungen und Proben ist die Unmöglichkeit dargethan worden, diese Uebelstände zu vermeiden, selbst wenn die einzelnen Operationen des Processes mit der genauesten Sorgfalt ausgeführt werden.

Aus diesen Gründen empfahl Plattner, einer der ausgezeichnetsten Metallurgen der Neuzeit, die Anwendung von Chlor zur Gewinnung des Goldes aus seinen Erzen. Dieses Verfahren wurde im Großen bekanntlich zuerst zu Reichenstein in Schlesien angewendet, wo außerordentlich große Mengen Rückstände von der Verhüttung von Arsenerzen, sogenannte Arsenikabbrände, seit Jahrhunderten sich angehäuft hatten. Obgleich diese Abbrände außerordentlich goldarm und zur Verarbeitung mit Anwendung irgend eines anderen bekannten |212| Mittels durchaus nicht geeignet sind, so werden dieselben jetzt doch mittelst Chlor mit nicht unbedeutendem Vortheile auf Gold verhüttet.

Aehnliche befriedigende Resultate hat man zu Schemnitz und Schmöllnitz in Ungarn, sowie an noch mehreren anderen Orten erhalten, wo ganze Berge von früher als werthlos über die Halde gestürzten Rückständen von Neuem in Arbeit genommen und auf jede Spur von Gold zugutegemacht werden.

Plattner, ein Mann, der auf der Höhe der Theorie wie der Praxis aller metallurgischen Operationen stand, gelangte bald zu dem Schlusse, daß das von ihm angegebene Verfahren zur Zugutemachung natürlicher, vorher hüttenmännisch noch nicht behandelter Erze, – namentlich solcher, die das Gold in mineralisirtem oder vererztem Zustande enthalten – einer Abänderung oder Verbesserung bedürfe; allein er wurde durch seinen zu frühen Tod an der weiteren Verfolgung seiner Pläne gehindert.

Seitdem hat sich in Europa Niemand besondere Mühe gegeben, den Plattner'schen Goldscheidungsproceß zur Zugutemachung natürlicher Golderze anzuwenden, weil göldische Erze in diesem Erdtheile verhältnißmäßig selten sind.

Zur Erklärung der Mängel dieses Processes dürfte es erforderlich seyn, auf mehrere Einzelheiten einzugehen, worauf dann das uns beiden im April 1865 für die Vereinigten Staaten patentirte Goldextractions-Verfahren mitgetheilt werden wird.

Die Erze müssen vor ihrer Behandlung mit Chlor aufbereitet und ebenso fein gepulvert werden, wie die zur Amalgamation bestimmten. Schwefelhaltige Erze müssen überdieß geröstet werden, bis alle außer dem Golde vorhandenen Metalle auf ihre höchste Oxydationsstufe gebracht sind, indem in diesem Zustande das Chlor nur sehr wenig auf sie einwirkt und das Gold beinahe allein in Lösung geht. Das so vorbereitete Erz kommt in irdene oder in hölzerne mit Blei ausgefütterte Gefäße und dann wird Chlorgas durch dasselbe geleitet, bis es gänzlich damit imprägnirt ist. Darauf wird die Masse mit lauwarmem Wasser übergossen; die dadurch entstandene Goldlösung wird nach dem Filtriren mittelst Schwefelwasserstoffgas gefällt und der auf diese Weise erhaltene, aus Schwefelgold und anderen Schwefelmetallen bestehende Niederschlag in Königswasser aufgelöst. Durch Zusatz von Eisenvitriol wird das Gold in metallischem, fein zertheiltem, ganz silber- und kupferfreiem Zustande niedergeschlagen und kann nun, nach gehörigem Auswaschen, direct zum Regulus zusammengeschmolzen werden.

Diese Methode ist vollkommen geeignet zur Entgoldung von goldführendem, |213| das Gold sehr fein vertheilt enthaltendem Quarze, sowie von Erzen welche nur sehr wenig Schwefelmetalle führen, somit also keiner vollständigen, kostspieligen Röstarbeit bedürfen. Auch zur Entgoldung von Rückständen und Abbränden ist das Verfahren durchaus passend, wenngleich der vom Erfinder empfohlene Apparat die Ausführung nur in kleinem Maaßstabe zuläßt. Bei der Behandlung der an Schwefel-metallen reichen Erze dagegen, wie z.B. der amerikanischen vom Colorado, stellen sich der Anwendung dieses Extractionsverfahrens zwei wesentliche Uebelstände entgegen, nämlich:

1) es ist ein Ueberschuß von Chlor nöthig und

2) die Erze werden sehr selten vollständig entgoldet, so daß die Rückstände fast immer noch goldhaltig sich zeigen.

Fassen wir diese Hindernisse näher in's Auge, so finden wir, daß es die billigste Art des Chlorürens seyn würde, wenn man bloß die zur Auflösung des gesammten Goldgehaltes in einem bestimmten Erze erforderliche Chlormenge anwenden könnte. Dieß ist aber vielleicht niemals der Fall und es wird stets weit mehr Chlor nöthig seyn, indem das fein zertheilte Erz, namentlich die in demselben vorhandenen Oxyde, das Gas absorbiren, ohne es chemisch zu binden.

Bei Plattner's Entgoldungsverfahren muß eine bedeutende Menge Chlorgas verloren gehen, und demzufolge müssen sich die Hüttenkosten um so mehr steigern, je größer das Absorptionsvermögen des Erzes für dieses Gas ist und je höher die zur Darstellung des letzteren erforderlichen Säuren und anderen Materialien im Preise stehen. Wenn auch dieser Uebelstand nicht ganz zu beseitigen ist, so ist dieß doch theilweise möglich, nach einer Methode auf welche wir hier nicht näher eingehen können.

Es mag die Bemerkung genügen, daß wir durch Anwendung eines besonderen Entschwefelungsverfahrens fast die Hälfte von der auf den Reichensteiner Werken erforderlichen Chlormenge ersparen.

Auf diesem Punkte beruht der erste Vorzug unserer Entgoldungsmethode.

Plattner's Goldextractions-Verfahren leidet an noch einem anderen Uebelstande. In Folge eines unvollständigen Abröstens und der Gegenwart basischer Salze und Sulphuride können Verbindungen von Chlor und Schwefel entstehen, welche zu einer secundären Zersetzung Anlaß geben und auf das bereits gebildete Chlorgold wirken, so daß sich eine der vorhandenen Schwefelmenge proportionale Quantität Gold ausscheidet und auf diese Weise für den Proceß verloren geht.

Das beste Mittel zur Beseitigung dieses Uebelstandes würde unzweifelhaft |214| ein vollständiges, bis zur Entfernung jeder Spur von Schwefel getriebenes Abrösten seyn; wer aber mit den dabei in der Praxis, namentlich bei der Behandlung von Kupferkies sich entgegenstellenden Schwierigkeiten vertraut ist, wird auf dieses Mittel verzichten.

Bei unserem Entgoldungsverfahren vermeiden wir die Abscheidung von Gold in einer von der beschriebenen abweichenden Weise, indem wir unterchlorige Säure (bekanntlich eine gasförmige Verbindung von 1 Aeq. Chlor und 1 Aequiv. Sauerstoff) anstatt des Chlors anwenden und das Erz den Einwirkungen dieses Gases aussetzen. Kommt die gasförmige unterchlorige Säure mit den im Erze zurückgebliebenen Schwefelverbindungen in Berührung, so zerfällt sie in ihre Bestandtheile, indem ihr Sauerstoff sich mit dem Schwefel zur höchsten Oxydationsstufe des letzteren verbindet, während das frei gewordene Chlor an das Gold tritt.

Durch die Anwendung der unterchlorigen Säure zum Entgolden sichern wir uns zwei bedeutende Vortheile, nämlich:

1) die Bildung nachtheilig wirkender Verbindungen wird mittelst der oxydirenden Einwirkung des frei werdenden Sauerstoffs gänzlich vermieden;

2) das Chlor wirkt im Entbindungsmoment, in welchem es den höchsten Grad der chemischen Verwandtschaft besitzt. In Folge dieses äußerst vortheilhaften Umstandes ist unser Verfahren – abgesehen davon, daß dadurch der Gang der Operation bedeutend beschleunigt wird – sowohl zur Entgoldung von solchen Erzen anwendbar, welche das Gold in sehr fein zertheilten Partikelchen enthalten, als auch von solchen, in denen es in weniger feinen Theilen eingesprengt ist.

Nachdem wir die beiden wesentlichsten Beziehungen, hinsichtlich deren unser Verfahren von Plattner's Methode abweicht, näher erörtert haben, dürften einige Worte bezüglich der Frage, ob dasselbe auch im Großen anwendbar ist, wohl am Platze seyn.

Unser Verfahren erfordert, gleich allen übrigen Entgoldungsmethoden, eine vollständige Pulverisirung, dann ein tüchtiges Abrösten, wenn die Erze Schwefel enthalten. Bei einem etwaigen Kupfergehalt der Erze dürfte es räthlich seyn, dieselben zu rösten, die dabei gebildeten Kupfersalze mit Wasser auszuziehen und das Kupfer auf geeignete Weise niederzuschlagen. In beiden Fällen kann man dann sogleich zur Behandlung mit unterchloriger Säure übergehen.

Zunächst fragt es sich, ob dieses Gas billig genug geliefert werden kann. Gegenüber den ungeheuren Massen desselben, die zur Fabrication von Bleichsalzen, namentlich von Chlorkalk, jährlich dargestellt werden, |215| können wir diese Frage zuversichtlich bejahen. Zu unserem Zwecke haben wir keine anderen Localitäten, keine anderen Apparate nöthig, als die zur Fabrication der erwähnten Präparate erforderlichen, mit Ausnahme einer Bleiretorte, welche zwischen dem Chlorentwickelungsapparate und dem zur Magazinirung der Erze dienenden Gebäude aufgestellt und mit einer Lösung von schwefelsaurem Natron (gewöhnlichem Glaubersalz) gefüllt wird. Auf diesem Wege erhalten wir die unterchlorige Säure in freiem Zustande.

Der Chlorgenerator erheischt, im Verhältniß zu der Imprägnirungskammer, kleinere Dimensionen, als der zur Chlorkalkfabrication erforderliche Entwickelungsapparat. Die Imprägnirungskammer ist aus Kieselsandstein oder Ziegelsteinen aufgeführt und mehr hoch als breit. Auf ihren Innenseiten muß sie mit Asphalt überzogen werden. An den Längsseiten werden 8 bis 10 Fuß lange und 2 Fuß breite Breter in horizontaler Lage so übereinander angebracht, daß sie Fächer von ungefähr 4 Zoll Höhe bilden, welche zur Aufnahme des Erzes dienen. In der Mitte dieser Kammer bleibt ein schmaler Gang; durch zwei Fenster in ihren Wänden läßt sich der Verlauf des Processes überwachen und eine Thür an einer der schmalen Seiten gestattet den Zutritt zu dem Raume. Ist die Imprägnirung vollendet, so beobachtet man an den Fenstern ein grün gefärbtes Gas; dann wird die bisher fest verschlossen gewesene Thür geöffnet, um dem Gase Ausgang zu verschaffen und hernach das Erz austragen zu können.

Die nächstfolgende Operation, die Extraction, wird entweder durch Centrifugalkraft oder durch eine hydraulische Presse, unter Anwendung von Wasser, bewirkt. Auf diese Weise erhalten wir eine sehr concentrirte Lauge, aus welcher das Gold entweder direct durch schwefelsaures Eisenoxydul, oder durch Behandlung zuerst mit Schwefelwasserstoffgas und dann mit schwefelsaurem Eisenoxydul niedergeschlagen wird.

Beide Operationen sind sehr einfach und erfordern keinen besonderen oder irgendwie kostspieligen Apparat.

Im Vergleiche mit dem Amalgamationsverfahren und in Anbetracht, daß die Kosten der Errichtung einer solchen Anlage ebenso hoch wie für die Anwendung unserer Methode sind, bietet unsere Goldgewinnungsmethode außer den bereits angeführten Vortheilen noch folgende dar:

1) der Werth der bei den verschiedenen Operationen ganz verloren gehenden Materialien ist weit geringer, insofern dieselben weit billiger sind, als das Quecksilber;

2) der durch das Abdestilliren des Quecksilbers verursachte bedeutende Aufwand an Brennmaterial fällt ganz weg;

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3) eine Reinigung des extrahirten Goldes ist unnöthig, da aus der Chlorgoldlösung ganz reines Gold niedergeschlagen wird;

4) bei unserem Verfahren wird die Gesundheit der Arbeiter durchaus nicht gefährdet.

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