Titel: Ueber Herstellung eines zuverlässigen Brandgeschosses für gezogenes Geschütz.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1865, Band 178, Nr. LXXVI. (S. 279–288)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj178/ar178076

LXXVI. Versuche zur Herstellung eines zuverlässigen Brandgeschosses für gezogenes Geschütz.

Mit Abbildungen.

Bekanntlich fehlt es dem gezogenen Geschütze bis daher noch an einem vollständigen Ersatz für die glühende Kugel und für die mit geschmolzenem Eisen gefüllte Bombe (Martin's shell) des glatten Rohres. Die hier zur Mittheilung kommenden Versuche, ein diese Lücke ausfüllendes Geschoß herzustellen, wurden im Jahre 1861 durch den Umstand angeregt, daß die Militär-Literatur des genannten Jahres zwar wiederholt die Nachricht brachte, es werde in England von den HHrn. Capitän Norton und Mac Intosh versucht, eine von Hrn. Allison mit dem Namen liquid fire belegte Auflösung des Phosphors in Schwefelkohlenstoff für die Kriegsfeuerwerkerei nutzbar zu machen, von einem befriedigenden Resultate dieser Bestrebungen aber niemals die Rede war.

Zur Lösung des Problems, diese Phosphorlösung zur Herstellung eines Brandgeschosses für gezogenes Geschütz verwerthen zu können, mußte aber offenbar folgenden Forderungen entsprochen werden:

1) Feststellung desjenigen Sättigungsgrades der Lösung, welche zu vollkommener Sicherheit der Feuererzeugung bei freiem Hinzutritt der atmosphärischen Luft führt;

2) Schutz der inneren Geschoßwand vor etwaigen chemischen Einwirkungen der Phosphorlösung auf dieselbe;

3) Gefahrlosigkeit der Zusammenstellung dieser zündenden Composition mit der Sprengladung etc. im Inneren des Geschosses;

4) Sicherung einer wirksamen Fortpflanzung des von genanntem Pyrophor bei Hinzutritt der atmosphärischen Luft erzeugten Feuers auf andere, mit diesem in Berührung kommende brennbare Gegenstände.

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Der Forderung ad 1 wird nach gemachten Versuchen vollkommen entsprochen, wenn man die Anordnung trifft, daß stets m Gramme Phosphor auf m/3 Kubikcentimeter Schwefelkohlenstoff genommen werden, und die Lösung dann drei bis vier Tage an einem dunklen und nicht zu kalten Orte, wohlverschlossen stehen bleibt. – Eine in dieser Art zusammengesetzte und behandelte Composition soll in der Folge hier stets mit dem Namen „Grundmischung“ bezeichnet werden. – Der fein zertheilt in ihr enthaltene Phosphor entzündet sich sofort, wenn die ihn umgebende Schwefelkohlenstoff-Hülle verdampft ist, und sauerstoffreiche atmosphärische Luft an deren Stelle tritt.

Der ad 2 verlangte Schutz der inneren Geschoßwand vor chemischen Einwirkungen der Grundmischung auf dieselbe wird bei Geschossen, welche aus Gußeisen bestehen, schon von selbst durch die Eigenschaft dieses Materials gewährt, von besagter Lösung nicht angegriffen zu werden.

Fig. 1., Bd. 178, S. 280

Größere Schwierigkeiten aber machte es, der ad 4 gestellten Forderung, einer sicheren Fortpflanzung des durch die Grundmischung bei dem Hinzutritte des Sauerstoffes der atmosphärischen Luft erzeugten Feuers auf andere, in seinem Bereiche liegende, brennbare Gegenstände zu entsprechen, und es ließ sich bei den nach dieser Richtung hin angestellten Versuchen gar bald erkennen, aus welchem Grunde die Militär-Literatur diese Brandgeschoßfrage nun schon seit längerer Zeit wieder hatte fallen lassen, denn so brillant auch die Feuererscheinung war, welche sich beim Zersprengen von mit Grundmischung versehenen Glasgefäßen in der |281| atmosphärischen Luft zeigte, so pflanzte sich dieses Feuer, trotz seines Glanzes, selbst auf sehr leicht verbrennliche Substanzen, wie z.B. fein gehobelte Kienspäne etc. gar nicht fort. Es beschlugen sich diese Gegenstände vielmehr in der Nähe des brennenden Phosphors sehr bald mit Phosphorsäure und wurden hierdurch mehr oder minder unverbrennlich, indem sie gar bald in eine feuchte klumpige Masse übergiengen, welche selbst durch angezündete Schwefelhölzer und Stücke brennenden Papiers nicht mehr in Brand zu bringen war.

Eine Reihe von Versuchen, diesen Uebelstand durch Hinzufügen der bisherigen Brandsätze etc. zu heben, scheiterte an der hohen Entzündungstemperatur der letzteren, bis nach langem Hin- und Herprobiren endlich in der Camphine, dem flüchtigen Bestandtheile des Terpenthinöls, – die Naphta des amerikanischen Stein- oder Erdöls leistet nach späteren Versuchen denselben Dienst – das Mittel gefunden wurde, dem durch die Grundmischung erzeugten Feuer eine sichere Uebertragung auf andere, in seinem Bereiche liegende, brennbare Gegenstände geben zu können. Gießt man nämlich, kurz vor dem Gebrauche der richtig zubereiteten Grundmischung, in das dieselbe enthaltende Gefäß Camphine, oder auch, setzt man der Grundmischung mit Camphine getränkte Baumwolle zu, so überträgt sich hierdurch das Feuer, welches beim Zersprengen des die Grundmischung enthaltenden Gefäßes erzeugt wird, mit Leichtigkeit auf Holzstöße von Buchenholz und dergleichen Gegenstände.

Noch sicherer wurde dieser Zweck erreicht, wenn man die mit Camphine zu tränkende Baumwolle vorher mit gepulvertem Kalisalpeter überstreute, wobei zu größtmöglichem Effecte 9 Gewichtstheile Salpeter auf 1 Gewichtstheil Baumwolle zu nehmen sind, und weiter ließ sich die Sicherheit der Brandübertragung noch dadurch steigern, daß man den genannten Brandmitteln einen aus 1 Gewichtstheil Schwefel, 10 Gewichtstheilen Schwefelantimon und 40 Gewichtstheilen Salpeter bestehenden Brandsatz hinzufügte, welcher letztere in beliebigen Quantitäten beigegeben werden kann, da er die Bedingungen zu seinem kräftigen Abbrennen in sich selbst enthält.

Als Resultat der im Jahre 1862 gemachten Versuche zur Herstellung eines wirksamen Brandgeschosses für gezogenes Geschütz durch Verwendung des in Schwefelkohlenstoff eingehüllten diffusen Phosphors als Pyrophor traten hiernach also etwa die folgenden technischen Vorschriften hervor:

|282| Fig. 2., Bd. 178, S. 282 Fig. 3, Bd. 178, S. 282

III. Soll hernach, um auf einen concreten Fall überzugehen, z.B. ein Brandgeschoß für den gezogenen Sechspfünder von 3,5 Zoll Kaliberdurchmesser laborirt werden, dessen Brandmassenraum, bei einfach geschiedenem Geschoßinneren, |283| also etwa 12 Kubikzoll rheinländisch betragen würde, so würde man etwa für 1/6 dieses Volums Grundmischung zu bilden haben, wozu, da das Schwefelkohlenstoff-Volum durch Aufnahme des Phosphors nur wenig geändert wird, circa 2 Kubikzoll oder 36 Kubikcentimeter Schwefelkohlenstoff, und, dem entsprechend 3 . 36 = 108 Gramme Phosphor gehören. Die übrigen 10 Kubikzoll des Brandmassenraumes aber würden mit Camphine, salpetrisirter Baumwolle und Brandsatz auszufüllen seyn, und es hängen die weiteren Specialitäten im Laboriren des herzustellenden Brandgeschosses dann nur noch von der Bestimmung desselben ab.

Soll das Geschoß nämlich erst kurz vor seinem definitiven Gebrauche zum Schusse fertig gemacht werden, so gießt man in den mit Schwefelkohlenstoff getränkten Brandmassenraum zunächst die oben bezeichnete Quantität von 36 Kubikcentimetern Schwefelkohlenstoff durch die Bodenöffnung des Geschosses ein, setzt dann die hinzugehörigen 108 Gramme Phosphor in Stangenform bei, und verschließt hierauf den Brandmassenraum mit seiner Bodenschraube, wornach dem Geschosse bis zu seiner Verwendung mindestens drei Tage Zeit gelassen und ein mäßig warmer Aufstellungsort gegönnt werden muß, damit die Grundmischung sich gehörig bilden kann. Soll das Geschoß hiernach zum Schusse fertig gemacht werden, so wird die Bodenschraube desselben wieder geöffnet, wobei das Geschoß natürlich auf seinen Kopf zu stellen ist, dann füllt man den noch übrigen Brandmassenraum mit salpetrisirter, in Camphine getränkter Baumwolle, sowie mit Brandsatz aus, schraubt die Bodenschraube wieder ein und versieht das Geschoß endlich mit seiner Sprengladung und seiner Zündung.

Sollen die zu laborirenden Geschosse aber in einem zum sofortigen Gebrauche fertigen Zustande aufbewahrt oder transportirt werden, so gießt man

1) bei Geschossen mit nur einer Scheidewand des inneren Raumes zuerst in den mit Schwefelkohlenstoff getränkten Brandmassenraum nur die Hälfte des zur Grundmischung gehörenden Schwefelkohlenstoffes, im vorliegenden Falle also 18 Kubikcentimeter desselben ein, und setzt hierauf den ganzen Phosphor, in diesem Falle also 108 Gramme in Stangenform zu. Dann füllt man in einem Cylindermaaße, welches dem Reste des Brandmassenraumes, hier 10 Kubikzoll, entspricht, eine feste und wohlerhaltene Thierblase mit salpetrisirter, in Camphine getränkter Baumwolle und beziehungsweise auch mit Brandsatz an, bindet die Blase hierauf, deren Füllung in ihrem Inneren beweglich lassend, mit Windfaden fest zu, und setzt sie weiter durch die Bodenöffnung des Geschosses in den Brandmassenraum desselben ein; worauf auch noch die zweite |284| Hälfte des Schwefelkohlenstoffes der Grundmischung hinzugegossen und der Brandmassenraum durch die Bodenschraube und eine unter deren Kopf gelegte Bleiplatte hermetisch geschlossen, das Geschoß überhaupt aber mit seiner Sprengladung und demjenigen Theile seines Zünderapparates versehen wird, welchen die bestehende Dienstvorschrift für zu transportirende Geschosse anordnet;

2) bei Geschossen aber, welche für eine längere Lagerung oder heftige Transportbewegungen bestimmt und deßhalb mit zwei gußeisernen inneren Scheidewänden versehen sind, gießt man in den der Sprengladung zunächst liegenden und mit Schwefelkohlenstoff getränkten Brandmassenraum b, Figur 3, sogleich den ganzen Schwefelkohlenstoff der Grundmischung ein, setzt dann den Phosphor hinzu und verschließt diesen Raum mit der zugehörigen Schraube und einer unter deren Kopf gelegten Bleiplatte. Dann tränkt man den zweiten, zunächst des Geschoßbodens liegenden Brandmassenraum c, Fig. 3, mit Camphine, füllt ihn hierauf mit salpeterisirter, in Camphine getränkter Baumwolle und mit einer angemessen erachteten Quantität Brandsatz, verschließt hiernach auch diesen Raum mit seiner Schraube und einer unter deren Kopf gelegten Bleiplatte und verfährt endlich weiter gerade so, wie es bei 1) angegeben worden ist.

Da es, nach hierauf angestellten technischen Ermittelungen, jedoch sehr schwierig ist, das Geschoß-Innere der Quere nach in drei von einander abgeschiedene Kammern zu theilen, Längenscheidungen des inneren Geschoßraumes durch eingegossene cylindrisch oder ebenflächig geführte Wände dem zum Erfolge nothwendigen Zusammentreffen von Grundmischung und Brandmasse nach der Geschoßzertrümmerung aber hinderlich seyn könnten, während möglichste Einfachheit der Construction und volle Sicherheit der Wirkung des Geschosses als das zur Lösung des Problems zu erreichende Ziel fest im Auge gehalten werden müssen, so wurden später noch weitere Versuche nach der Richtung hin angestellt, ob es nicht möglich sey, in allen obengenannten Fällen mit nur einer einzigen Querscheidewand im Geschoß-Inneren auszureichen, indem die Substanz der thierischen Blase so präparirt wird, daß sie Endosmose und Exosmose von Schwefelkohlenstoff außerhalb und von Camphine innerhalb derselben dauernd zu hindern vermag.

Der endliche Erfolg dieser Bemühungen war ein durchaus günstiger, als man Collodium, oder in Schwefeläther aufgelöste Schießbaumwolle und concentrirte Lösungen des arabischen Gummis in Wasser zur Präparation von Kalbsblasen anwendete, indem man letztere innen und außen mit genügend dicken Schichten der einen oder der anderen Flüssigkeit |285| überzog und hierauf ein Trocknen derselben in freier Luft eintreten ließ, wobei die Blase sich immer in einem etwas aufgeblasenen Zustande befinden mußte, damit ein Aufeinanderkleben ihrer inneren Wandungen nicht stattfinden konnte.

Auf solche Weise behandelte Thierblasen standen, mit Camphine etc. gefüllt und von Grundmischung umgeben, drei bis vier Wochen lang in luftdicht verschlossenen Glasgefäßen, – sogenannten Einmachgläsern mit weiter Oeffnung, – deren Verkorkung mit Gyps luftdicht gemacht worden war, ohne daß dadurch die zündende Kraft des in Rede stehenden Pyrophors auch nur im mindesten beeinträchtigt worden wäre, indem die in dem Gefäße enthaltenen Brandkörper vielmehr sofort die verbrennlichen Stoffe, Holzhaufen etc. entzündeten, in deren Nähe man das zum Versuche dienende, mit der Brandmasse gefüllte Glasgefäß zersprengte.

Die Präparation der thierischen Blase mit Collodium hatte, bei gleicher Wirkung in Bezug auf Undurchdringlichmachung der Membrane, vor derjenigen mit Gummi den Vorzug, daß die Thierblase bei ihr geschmeidiger blieb; jedoch möchten zur endlichen Feststellung des praktisch Geeignetsten Parallelversuche im Großen nach beiden Richtungen hin anzustellen seyn.

Die Geschmeidigkeit der Membrane dürfte sich auch noch durch eine vorherige Behandlung derselben mit Glycerin erlangen und beziehungsweise erhöhen lassen.

Weiter trat in Folge der inmittelst gemachten Versuchserfahrungen auch noch die Frage auf, ob der oben angegebene, sehr rasch auflodernde Brandsatz von 1 Gewichtstheil Schwefel auf 10 Gewichtstheile Schwefelantimon und 40 Gewichtstheile Salpeter, welcher den zu seiner Verbrennung nöthigen Sauerstoff in sich selbst enthält, unter Umständen, z.B. zum Anzünden nasser Hölzer etc., nicht zweckmäßiger durch einen nachhaltiger brennenden Satz zu ersetzen sey, in welcher Beziehung nach gemachten Versuchen der aus 6 Theilen Mehlpulver, 6 Theilen Schwefelantimon, 16 Theilen Schwefel und 72 Theilen Salpeter bestehende Brandsatz der in großherzoglich badischer Artillerie verwendeten Brandröhren eine besondere Aufmerksamkeit verdient. Auch nach dieser Richtung hin dürften also in einem größeren Maaßstabe anzustellende Parallelversuche angemessen erscheinen.

Die Bodenöffnung des nach Figur 1 mit nur einer inneren Querscheidewand versehenen Geschosses wird man zum bequemeren Einsetzen der mit Camphine und Brandsatz etc. gefüllten und vorher mit Collodium oder mit Gummi präparirten Thierblase, möglichst weit |286| zu machen haben, und das Verfahren beim Laboriren des Geschosses wird nach diesen neueren Erfahrungen dann folgendes seyn:

1) Das Collodiiren oder Gummiiren der Thierblasen geschieht in größeren Gefäßen und so lange, bis man durch wiederholtes Eintauchen der Membrane in die betreffende Auflösung von Gummi oder Schießwolle sich die Ueberzeugung verschafft hat, daß die Blase innen und außen mit dem beabsichtigten Ueberzuge versehen ist, wornach dieselbe, mit Beobachtung der oben angegebenen Vorsichtsmaßregel des vorherigen Aufblasens, in freier Luft getrocknet wird.

2) Nachdem der Brandmassenraum des Geschosses mit Schwefelkohlenstoff getränkt worden ist, setzt man in demselben zunächst die Grundmischung an, und verschließt diesen Raum dann wieder bis zum späteren Einsetzen der mit Camphine etc. gefüllten Blase mittelst seiner Schraube.

3) Die gummiirte oder collodiirte Thierblase wird, nachdem sie vollkommen ausgetrocknet worden ist, in der früher angegebenen Weise mit salpetrisirter Baumwolle, Camphine und einem der vorgeschlagenen Brandsätze versehen, hierauf mit Bindfaden etc. fest zugebunden, und nachdem auch dieser Bund mit Collodium oder Gummi überzogen worden ist, mit einem Beutel von starkem und recht weichem Baumwollenzeug überzogen.

4) Das Einsetzen der so vorbereiteten Blase in's Geschoß geschieht dann ganz gefahrlos, da die im Brandmassenraume desselben herrschende Atmosphäre von Schwefelkohlenstoff-Dämpfen ein Entzünden der frisch bereiteten Lösung von Phosphor im Schwefelkohlenstoff um so weniger zulassen kann, als, wie schon oben bemerkt wurde, diese Lösung zur Erlangung ihrer pyrophorischen Eigenschaft einer Zeit von etwa drei Tagen bedarf.

5) Der Verschluß des Brandmassenraumes wird durch eine unter den Verschlußschraubenkopf gelegte Bleiplatte hermetisch gemacht.

6) Das Einfüllen der Sprengladung in die obere Geschoßkammer, sowie das Versehen des Geschosses mit seinem Zünderapparate geschieht nach den bestehenden Dienstvorschriften.

Das Ueberziehen der präparirten und mit Brandsatz etc. gefüllten Thierblase mittelst eines derben und doch weichen Baumwollenstoffes hat den doppelten Zweck: Scheuerungen der Blase an den Geschoßwänden zu verhüten, und den Pyrophor durch die Capillarität dieses Ueberzuges auf alle Oberflächenpunkte der mit Camphine etc. gefüllten Blase zu vertheilen, damit nach dem Crepiren des Geschosses eine möglichst sichere |287| Brandwirkung eintrete. Hinsichtlich der, wie schon oben bemerkt wurde, bei richtiger Verfahrungsweise völlig gefahrlosen Darstellung der in vorstehendem Projecte als Grundmischung bezeichneten Lösung von Phosphor in Schwefelkohlenstoff mag schließlich noch bemerkt werden, daß beim Bilden derselben das Abmessen und Einfüllen des flüssigen Schwefelkohlenstoffes am einfachsten vermittelst einer nach Kubikcentimetern graduirten Pipette geschieht; der hiernach zuzusetzende Phosphor wird aus dem Behälter, in welchem er in Stangenform und unter Wasser aufbewahrt wurde, mit einer Pincette herausgenommen, durch entsprechende Handbewegungen vorsichtig zwischen Schießpapier-Lagen getrocknet und darauf vermittelst der Pincette zur Waagschale und beziehungsweise in das zum Ansetzen der Grundmischung bestimmte Gefäß gebracht.

Da eine geänderte dienstliche Stellung mir die Fortsetzung der hier mitgetheilten, an sich gewiß interessanten Versuche unmöglich macht, die neuesten auf den in Rede stehenden Gegenstand bezüglichen Berichte des zu New-York erscheinenden Scientific American aber beweisen, daß der dortigen Verwendung des in Schwefelkohlenstoff eingehüllten diffusen Phosphors zu wirksamen Brandgeschossen bisher noch immer die Unmöglichkeit entgegengestanden hat, das durch Hinzutritt der atmosphärischen Luft zu diesem Pyrophor entstehende Feuer auf andere verbrennliche Gegenstände, wie Holzstöße etc. zu übertragen, während andererseits hier die Erfahrung gemacht wurde, daß selbst mit dem oben angegebenen Brandgemische aus Versehen übergossene wollene Bekleidungsstücke noch nach mehrtägigem Auswaschen mit Wasser und Hängenlassen im Freien wieder Feuer fiengen, sobald sie zur Reparatur in die Schneiderwerkstätte kamen, und dann nur nach Behandlung mit einem aufgefundenen chemischen Mittel als dauernd gelöscht zu betrachten waren, so glaube ich durch Vorlegung dieses Referates jetzt um so weniger einen uninteressanten Beitrag zur Frage des Ersatzes der den glatten Rohren dienenden glühenden Kugeln und Martin's shells für gezogenes Geschütz zu geben, als nach dem Urtheile eines hochstehenden Seemannes, welcher die oben angeführten Versuche seiner Aufmerksamkeit zu würdigen die Güte hatte, eine Realisirung des hier vorliegenden Projectes auch für den Seekrieg von der größten Wichtigkeit seyn würde, indem ein Schiff, auf dessen Deck der Inhalt eines einzigen der hier vorgeschlagenen Brandgeschosse sich ergießt, ohne Anwendung des geeigneten chemischen Löschmittels, von welchem eben die Rede war, selbst nach dem momentanen Löschen der Brandmasse mit Wasser, bei entsprechender Anwesenheit von verbrennlichen |288| Stoffen, noch sechs bis sieben Tage lang der ernstesten Feuersgefahr unterworfen bleibt.

Cassel, im October 1865.

D.....y,
Major im Generalstabe.*

|288|

Der Verfasser ist der durch seine wissenschaftlichen Leistungen rühmlichst bekannte Artillerie-Officier, welcher seine Beiträge in unserem Journal bisher mit der Namens-Chiffre Dy. unterzeichnet hat.

Die Redaction.

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