Titel: Baudet's Alarm- oder Läutewerke.
Autor: Baudet, Paul
Fundstelle: 1865, Band 178, Nr. XCVIII. (S. 356–358)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj178/ar178098

XCVIII. Verbesserte Alarm- oder Läutewerke, von Paul Baudet.

Aus dem Practical Mechanic's Journal, Juli 1865, S. 110.

Mit Abbildungen auf Tab. V.

Das System von P. Baudet (patentirt in England am 1. September 1864) hat den Zweck, ein mit einer Uhr in Verbindung stehendes selbstständiges Triebwerk in der Art anzuordnen, daß es zu jeder beliebigen Zeit durch das Uhrwerk ausgelöst und in Thätigkeit versetzt werden kann, um einen Wecker- oder Läuteapparat mit Sicherheit in Gang zu bringen. Das Eigenthümliche dieser Erfindung besteht bloß in der Anordnung der Auslösungsvorrichtung (welcher übrigens eine ältere Idee zu Grunde liegt), sowie in der Einrichtung des Signalapparates selbst, der in jeder beliebigen Größe, nämlich sowohl als Wecker wie auch als Läuteapparat, ausgeführt werden kann.

Die Zusammenstellung des ganzen Werkes ist in Fig. 13 dargestellt, wo der obere Theil die Hauptuhr, der untere das Triebwerk mit dem zugehörigen Läuteapparat vorstellt; von letzterem ist eine Seitenansicht in Fig. 14 abgebildet, während in Fig. 15 die Construction versinnlicht ist, welche Baudet benutzt, um mittelst des Stundenrades der Uhr das Triebwerk zeitweise auszulösen. Die Einrichtung des Triebwerkes zeigt nichts besonders Neues; das gezahnte Rad A wird entweder durch Federkraft oder, wie dieß in der Figur angedeutet ist, durch ein Gewicht M in Thätigkeit versetzt, und es kann zu diesem Zwecke auf der Welle von A selbst die Schnurrolle sich befinden; dasselbe greift in das Getriebe B ein, das an der Welle des Zahnrades C sich befindet, und durch letzteres wird endlich das Getriebe D in rasche Drehung versetzt; die Bewegung des Triebwerkes kann durch den bei T, T angedeuteten Windflügel regulirt werden. An der Welle des Getriebes D sind nun zwei Scheiben E (Fig. 13) und N (Fig. 14) concentrisch und senkrecht zu derselben angebracht, welche diese rasche Drehung mitzumachen haben, und von denen |357| die eine, nämlich E, zum Arretiren und Auslösen des Triebwerkes, die andere N aber dazu dient, um das Läutewerk in Thätigkeit zu versetzen. Diese bei P drehbare Scheibe N ist nämlich in der Nähe ihres Randes mit einem hervorragenden Stifte O versehen, der bei jeder Umdrehung zweimal in einen Schlitz des um Q drehbaren Hebels Q, R eingreifen kann; in Folge dieser Einwirkung wird daher der an dem Ende dieses Hebels befindliche Hammer R so in oscillirende Bewegung versetzt, daß er bei jeder Umdrehung der Scheibe N der Glocke S einen Doppelschlag beibringt. Die Dauer des Tönens der Glocke findet bei jeder Auslösung des Triebwerkes so lange statt, bis die an der Welle des Rades A drehbare Scheibe K den Hebel G, H, welcher zum Arretiren und Auslösen des Triebwerkes dient, wieder in seine Ruhelage zurück gelangen läßt.

Die Auslösungs- und Arretirungsvorrichtung bei dem vorliegenden Systeme besteht beiläufig in Folgendem: Der um H drehbare Hebel G ist an seinem oberen Ende bei F mit einem gabelförmigen Ausschnitte versehen, mit welchem er sich in die eingekerbte Scheibe E legen und so diese mit dem ganzen Triebwerke arretiren kann; zugleich wird derselbe durch eine Spannfeder U angezogen, um mit dem bei T befindlichen Vorsprunge in einer Kerbe a der mit sechs Einschnitten versehenen Scheibe K sicher einzufallen, wenn das Triebwerk ausgelöst worden ist. Es wird also letzteres bei einer jedesmaligen Auslösung so lange in Gang bleiben, bis eine volle Abtheilung der Scheibe K vor dem Vorsprunge J vorübergegangen ist, und eben so lange wird daher auch das Tönen des Läutewerkes bei jedem eintretenden Zeichen andauern. Zum Zwecke des Auslösens der Hemmungsscheibe E ist der Hebel F bei b nach aufwärts verlängert, und steht hier mit dem um W drehbaren Hebel V in Verbindung, der in den Ring X (Fig. 15) ausgeht. Dieser Ring ist concentrisch mit der an der Welle des Minutenrades drehbaren Scheibe Y, die mit vier Daumen c (überhaupt mit so vielen Daumen, als die Auslösung in jeder Stunde oftmals stattfinden soll) versehen ist. Kommt nun einer der Daumen c mit einem innerhalb des Ringes X befindlichen Vorsprunge in Berührung, so wird der Hebel V seitwärts gedrückt, folglich der untere Hebel b, H mit seinem Einschnitte bei F von der Scheibe E hinweg gezogen und etwas seitwärts bewegt, so daß also jetzt das Treibwerk in Gang kommen kann.

Um nun die seitliche Bewegung des Ringes X zu bewerkstelligen, schlägt Baudet zwei schon seit langer Zeit bekannte Unordnungen vor. Die eine besteht darin, daß an der Welle des Stundenrades eine Scheibe h angebracht wird, die in einem Kreise in der Nähe ihres Umfanges mit |358| 48 gleich weit von einander abstehenden Löchern versehen wird, wenn man, wie es in der vorliegenden Abbildung angenommen worden ist, in jedem beliebigen Stundenviertel ein Glockenzeichen erfolgen lassen will, während die Anzahl jener Löcher größer oder kleiner seyn kann, je nachdem man in einem kleineren oder größeren Zeitintervalle als in einer beliebigen Viertelstunde das Weckerwerk ertönen lassen will. In dasjenige der Löcher, welches der nächsten Viertelstunde entspricht, zu welcher das Glockensignal eintreten soll, wird ein Stift eingesetzt, der sodann die bei e mit ihrem einen Ende in den Ring X eingelegte Feder d an ihrem freien Ende bei f ergreift, wodurch der an dieser Feder befindliche Vorsprung g unterhalb eines Daumens c der Scheibe Y heraufgezogen wird. Da die Daumenscheibe Y mit dem Minutenrade sich dreht, so wird also in dem nächsten Momente der entsprechende Daumen c auf die Feder d bei g einwirken, und der Hebel V wird daher gemäß der bereits beschriebenen Anordnung den Hebel G (Fig. 13) so weit seitwärts bewegen, daß die Auslösung des Triebwerkes erfolgen kann. Das Läutewerk wird sodann in der bereits angegebenen Weise in Thätigkeit versetzt und so lange signalisiren, bis der zahnartige Vorsprung J in eine Kerbe a der Scheibe K einfällt, wobei sodann durch Vermittelung der Spannfeder U die Arretirung wieder sicher bewirkt werden soll. – Die andere Anordnung, welche Baudet für die Auslösung vorschlägt, besteht beiläufig darin, daß in das Zifferblatt selbst eine kreisförmige Löcherreihe eingesetzt wird, von welcher jede Oeffnung wieder dem Zeitpunkte der Auslösung der Triebwerkes entsprechen soll, und in eine solche Oeffnung wird sodann ein fester Stift eingesetzt, der auf die Feder g, welche jetzt mit dem Stundenrade sich umdrehen soll, so einwirken kann, damit ein an der Feder angebrachter Zahn auf den Ring X stoßen und so das Seitwärtsbewegen des Hebels V etc. und das Auslösen des Triebwerkes veranlassen kann.

Der Erfinder macht außerdem den Vorschlag, die bei dem Hauptwerke seines Läuteapparates benutzte Auslösung dazu anzuwenden, um auf elektromagnetischem Wege andere Signalapparate, die in verschiedenen Arbeitsräumen etc. vertheilt sind, in demselben Augenblicke in Thätigkeit zu versetzen, in welchem die Auslösung des Triebwerkes durch die Hauptuhr bewirkt wird, und überläßt es den Elektrikern hierzu passende Anordnungen zu wählen.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Tafeln


Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: