Titel: Photographischer Druck auf Papier und Zeuge.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1865, Band 178, Nr. CIX. (S. 394–396)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj178/ar178109

CIX. Photographischer Druck auf Papier und Zeuge; Verfahren von Bandesson und Houzeau in Rheims.

Aus dem photographischen Archiv, October 1865, S. 357.

Dieses Verfahren stützt sich, wie so manches andere, auf die vor fünf und zwanzig Jahren veröffentlichten Untersuchungen Sir John Herschel's.

Man verwendet dabei rothes und gelbes Eisencyan-Ammonium; diese Salze werden dargestellt durch Einwirkung von schwefelsaurem Ammon auf Blutlaugensalz. Zur Darstellung von rothem Eisencyan-Ammonium (Ferridcyan-Ammonium) werden 300 Pfund rothes Blutlaugensalz mit 80 Pfund schwefelsaurem Ammon behandelt. Das gelbe Salz (Ferrocyan-Ammonium) erhält man durch Zersetzung von 200 Pfd. gelbem Blutlaugensalz mit 124 Pfd. schwefelsaurem Ammon.

Das Papier wird sensitirt:

1) durch ein Bad von gelbem oder rothem Eisencyan-Ammonium, oder eine Mischung von beiden Salzen; oder

2) durch ein Bad von Eisencyankalium; oder

|395|

3) durch ein Bad von Eisencyansalz mit einem organischen Eisensalz. Nach dem Belichten ist das Bild blau; die Weißen werden durch Ausspülen mit Wasser geklärt. Der Ton wird durch ein Säurebad, durch Zinnchlorür etc. tiefer gemacht.

4) Oder das Papier wird in einem Bad von oxalsaurem, weinsaurem, citronsaurem Eisenammon sensitirt. Entwickelt wird das Bild nach dem Waschen in einem schwachen Säurebade und gelbem Blutlaugensalz, um die blauen Töne zu erhalten. Tannin gibt ein schwarzes Bild, Schwefelcyansalze ein blutrothes.

Folgende Verhältnisse geben gute Resultate:

Ferridcyan-Ammonium 10 Theile,
citronsaures Eisen 10 „
Wasser 100 „

Wendet man statt des Papieres Zeug an, so sind folgende Verhältnisse zu nehmen:

Für blaue Farbe. – Die Zeuge werden bedruckt oder imprägnirt mit

Ferridcyan-Ammonium 10 Theile,
Ferrocyan-Ammonium 10
Wasser 200
Oder: Ferridcyankalium 10 Theile,
citronsaures Eisen 20
Wasser 200
Oder: Ferridcyan-Ammonium 10
citronsaures Eisen 10
Wasser 200

Das Bild kommt grünlich blau. Durch Waschen werden die Weißen geklärt; das Bild wird dann eine halbe Stunde in zehnprocentige Weinsteinsäurelösung gelegt, gewaschen und getrocknet.

Schwarz. – Das blaue Bild wird mit Blauholz und etwas Leim gefärbt; nach dem Waschen wird es in schwaches Seifenwasser getaucht, nochmals gespült und in ein ähnliches Bad gebracht.

Violett. – Das blaue Bild wird in einem Bad von kohlensaurem Natron entfärbt, mit Krapp gefärbt und in ein Bad von Chlorkalk und Seife gebracht.

Bronze. – Das Bild wird wie vorhin entfärbt, mit Krapp und Quercitron gefärbt und in ein Seifenbad gebracht.

Olivenfarben und Braun. – Das Bild wird entfärbt, mit Quercitron gefärbt und in ein Seifenbad gebracht.

Alle Verhältnisse und Stoffe lassen sich ändern, um andere Farben |396| zu erhalten. Man kann z.B. Eisenbeizen nehmen, die zusammengesetzt sind aus Eisenchlorid und Weinsteinsäure, oxalsaurem Eisen-Ammon und anderen Präparaten, die ähnliche Farben geben. Wird Hellblau verlangt, so hat das Eisencyan-Ammonium die Eigenschaft, durch die bloße Dämpfung zersetzt zu werden, ohne Zusatz von Oxalsäure oder Weinsteinsäure. Alle Beizen, die beim Zeugdruck benutzt werden, z.B. Thonerdebeizen für Roth, Rosa und Gelb, lassen sich anwenden.

Es folgt hier eine genaue Beschreibung, um blaue und schwarze Bilder auf Zeug darzustellen.

Blaue Bilder. – 1) Man tränke den gut gebleichten Zeug (welcher ohne Dessin seyn muß) mit einer Lösung von 6 bis 10 Theilen gelbem Blutlaugensalz, je nach der gewünschten Intensität. – 2) Man spanne den Zeug auf und lasse ihn an einem warmen Ort trocknen. – 3) Man belichte ihn unter einem photographischen Negativ bis das blaue Bild anfängt, ein metallisches Ansehen zu bekommen. Im Sonnenschein dauert die Belichtung fünfzehn bis dreißig Minuten. – 4) Nach dem Belichten spüle man den Zeug gut aus und lasse ihn eine halbe Stunde in Wasser. – 5) Man wringe ihn gut aus und tauche ihn in ein Bad von 100 Theilen Wasser und 2 Theilen Schwefelsäure. Nach einer Stunde wasche man ihn mit Wasser. – 6) Man lasse ihn eine Stunde in einem Bad von 100 Theilen Wasser, einem Theil Salzsäure und einem Theil Zinnchlorür; dann wasche man gut aus.

Schwarze Bilder. – Man gehe durch die ersten fünf Operationen gerade wie vorhin, nur nehme man im ersten Bad weniger Blutlaugensalz, nur 3 bis 6 Procent.

Dann löse man in einem Quart kochendem Wasser 30 bis 40 Gran Gelatine und setze zu dieser Lösung eine gleiche Menge Blauholz. Man koche den Zeug 30 bis 40 Minuten und wasche mit Wasser. Dann koche man ihn in einem Bad von 200 Theilen Wasser und 1 Theil Seife, bis die Weißen erscheinen und wasche wieder in Wasser.

Nach Abänderung der Farbbäder lassen sich verschiedene Schattirungen von Braun, Violett, Roth, Gelb etc. erzielen.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: