Titel: Chatwood's feuer- und diebssichere Geldschränke.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1865, Band 178/Miszelle 3 (S. 75)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj178/mi178mi01_3

Chatwood's feuer- und diebssichere Geldschränke.

Um Geldschränke gegen alle Anstrengungen der Einbrecher zu sichern, hat Chatwood in Bolton (Firma: Lancashire Safe and Lok Works, Bolton) verschiedene sinnreiche Einrichtungen getroffen. Da das Verfahren der Diebe, die Schränke durch Schießpulver zu sprengen, welches in die Schlüssellöcher eingeführt wird, dadurch unmöglich gemacht wurde, daß man das Spiel des Schlüsselbartes ganz klein machte und diesen Spielraum vollständig von dem Körper des Schlosses abtrennte, so bohrten diese Herren zu diesem Zweck ein besonderes Loch in den Kasten. Dieß läßt sich dadurch, daß man zum Schrank gehärteten Stahl, hartes Gußeisen etc. verwendet, nicht vermeiden, weil dann die Wand mit Hammerschlägen zertrümmert werden kann. Chatwood macht nun die Wände und Thüren seiner besten Schränke aus abwechselnden Schichten von weichem und hartem Stahl; zu diesem Zwecke wird in eine Stahlplatte von 3/4'' Dicke eine große Zahl conischer Löcher von 1/2'' Tiefe so dicht neben einander gebohrt, daß sich deren Ränder berühren, es bleibt also noch eine solide Masse von 1/4'' Stärke. Zwei solcher Platten werden mit den gebohrten Seiten einander gegenüber gestellt, fest verschraubt und nun Gußstahl eingegossen, der in Berührung mit den kalten Stahlwänden natürlich so plötzlich abgeschreckt wird, daß er die größte mögliche Härte erlangt und durch Instrumente völlig unangreifbar wird. Wirkt nun ein guter Bohrer auf diese im Ganzen 2'' starke Wand, so dringt er leicht durch die äußere Rinde von weichem Stahl, durchaus aber nicht durch die Schicht, wo der weiche Stahl mit dem in conischen Erhebungen dazwischen liegenden harten wechselt. Zur Sicherung für den Fall, daß noch irgendwie Schießpulver in das Schloß oder die Thür gebracht wird, ist die Längsseite der Thür, welche beim Oeffnen sichtbar wird, an die äußere Thürplatte nicht befestigt, sondern legt sich nur durch die Federkraft des Stahles an. Der so vorhandene Schlitz wird durch eine Explosion im Innern der Thür weit auseinander getrieben werden und so die Pulvergase entweichen lassen. Zu gleichem Zweck liegen alle Köpfe der Schrauben, welche die beiden Platten der Thür verbinden, auf starken Spiralfedern, welche gleichfalls bei einer Explosion nachgeben und den Gasen Austritt gestatten. Nachher kehrt Alles in den ersten Zustand zurück. Gegen die Anwendung von Keilen sind die Schränke dadurch gesichert, daß die Fläche, mit der Thür und Thürrahmen aufeinander liegen, nicht geradlinig, sondern karniesförmig ist (mit S förmigem Querschnitt). Ferner treten die Riegel in die Schließklampen von unten ein und beide greifen dann wie zwei Haken in einander, so daß die Struktur des 2'' starken Eisens erst ganz zerstört seyn müßte, ehe man sie von einander reißen könnte, was durch keine Gewalt bewirkt werden kann, welche Einbrechern zu Gebote steht. (Breslauer Gewerbeblatt, 1865, Nr. 18.)

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