Titel: Keith's continuirliche Röstöfen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1865, Band 178/Miszelle 3 (S. 163)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj178/mi178mi02_3

Keith's continuirliche Röstöfen.

Die Bestrebungen, welche man in neuerer Zeit zur Verbesserung der Aufbereitungsmaschinen gemacht hat, laufen meist darauf hinaus, solche Apparate herzustellen, welche continuirlich arbeiten und bei Ersparung an Menschen nicht nur ein höheres Durchsetzquantum liefern, sondern auch das Resultat von der Geschicklichkeit des Arbeiters mehr oder weniger unabhängig machen. Ein gleiches gilt von metallurgischen Apparaten, und in dieser Hinsicht ist in Bezug auf Röstöfen in der neuen Welt, wo menschliche Arbeitskraft so theuer ist, viel geleistet worden, verhältnißmäßig der Stufe der Entwickelung, auf welcher die Hüttenprocesse dort stehen. Fragen wir nach den für oxydirendes Rösten, welches in den meisten Fällen eine Entschwefelung zum Zwecke hat, erforderlichen Bedingungen, die am vollständigsten zu ökonomischen Resultaten führen, so sind diese offenbar: 1) zweckmäßige Zerkleinerung des Erzes, wodurch große Oberflächen dargeboten werden; 2) Einleitung einer stetigen Bewegung des Röstgutes gegen die Oxydationsluft, was einen continuirlichen Arbeitsgang bedingt; 3) Ausnutzung der zur Röstung nöthigen und durch dieselbe erzeugten Wärme. Die bisher allgemein in den Schmelzwerken der alten Welt gebräuchlichen Röstapparate entsprechen bis auf Brunton's Zinnerzröstöfen mit rotirendem Herd der zweiten Bedingung nicht, indem sie discontinuirlich arbeiten.

Das Princip, welches der Construction der continuirlichen Röstöfen zu Grunde liegt, ist, das fein vertheilte Erz frei oder auf schiefen Ebenen herabfallen zu lassen und so jedes einzelne Theilchen einer oxydirenden Einwirkung der Luft auszusetzen. Dieses Princip ist mit mehr oder weniger Glück angewendet worden. Der continuirliche Röstofen von Keith, in Central-City, Colorado Territory, den Verfasser Gelegenheit hatte, in Colorado arbeiten zu sehen, besteht aus einem im Winkel von 45° geneigten Canal, der am oberen Ende mit einer Feuerung versehen ist, während er unten mit einer Esse in Verbindung steht. Das Erz wird über der Feuerbrücke durch einen Ventilator, dessen Arme zugleich das vorher genügend zerkleinte Erz vollständig zum feinsten Pulver zermalmen, in den Ofen hineingeblasen, und fällt, von der Flamme eine Zeitlang getragen, in den Canal herab, an dessen Ende es fertig geröstet anlangt. Keith wendet diesen Ofen zur Röstung von goldhaltigen Schwefelkiesen und Kupferkiesen behufs Amalgamation an, und die doppelten und dreifachen Resultate im Goldausbringen, die er gegenüber den Amalgamirwerken erhielt, welche das Erz im rohen Zustande verarbeiten, machten gewaltiges Aufsehen in Colorado und New-York. Die Idee ist jedenfalls originell und wir müssen Keith den Erfinder der continuirlichen Röstöfen nennen. Ist das Erz nicht fein genug zertheilt, so wird es nur eine Strecke von der Flamme getragen, fällt dann auf der schiefen Ebene nieder, auf welcher es unter weit ungünstigeren Bedingungen arbeitet und gelangt unvollständig geröstet unten an. Auf der anderen Seite gibt ein zu fein zertheiltes Erz Veranlassung zu großen Verlusten durch Flugstaub. Ein anderer Verstoß gegen die Regeln eines rationellen Röstverfahrens ist, daß das Röstgut da in den Ofen eingeführt wird, wo die höchste Temperatur herrscht, so daß hier leicht ein Schmelzen oder Zusammensintern gröberer Erztheilchen stattfinden kann, während feiner Staub allerdings sofort verbrennt. Weit zweckmäßiger ist es, Flamme und Oxydationsluft gegen das fallende Erz zu bewegen, wodurch man nicht nur den obigen Fehler vermeidet, sondern auch durch den Widerstand der Luft bewirkt, daß das Erz länger suspendirt bleibt. – Nach Keith erschien eine nicht geringe Anzahl continuirlicher Röstöfen, von denen bis jetzt keiner Bedeutung erlangt hat, während die meisten einer kurzen Praxis erlagen. Diese suchten die Fehlerquellen des Keith'schen Ofens zu vermeiden, indem sie demselben die Form eines geneigten rotirenden Cylinders gaben, in welchem sich Flamme und Erz bewegten. Diese in verschiedenen Modificationen ausgeführte Construction zeigte sich indessen wegen kostspieliger Herstellung und besonders kurzer Haltbarkeit des Apparates durchaus unpraktisch. (Berg- und hüttenmännische Zeitung.)

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