Titel: Das Eisenerz „Minette.“
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1865, Band 178/Miszelle 4 (S. 163–164)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj178/mi178mi02_4
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Das Eisenerz „Minette.“

Das unter dem Namen „Minette“ bekannte Eisenerz ist erst in neuerer Zeit in die deutsche Eisen-Industrie übertragen. Da dasselbe für die Eisenproduction Frankreichs und Belgiens von großem Belang geworden, so dürfte es für manchen Leser nicht uninteressant seyn, dessen Vorkommen und Verwendung hier zu beschreiben. Die Minette – oolithischer Eisenstein – findet sich im östlichen Frankreich und im Luxemburgischen in der Jura-Formation. Das Ausgehende dieser Lager zieht sich von Nancy fast in gerader Richtung nach Norden über Metz und Thionville bis Luxemburg, nimmt hier eine westliche Richtung und geht über Arlon und Sedan hinaus. Auf der ganzen, circa 15 Meilen langen Strecke von Nancy bis Longwy, westwärts von Luxemburg, findet auf diesem Mineral Abbau statt, und dürfte die Lagerstätte zu einer der ausgedehntesten des Continents zu rechnen seyn.

Nachdem zunächst nur französische und belgische Werke die Minette verhütteten, findet jetzt auch von Luxemburg aus ein ziemlicher Absatz derselben nach Deutschland statt, und hat sich die Nachfrage bereits sehr gesteigert. Grund hiervon ist außer dem billigen Preise dieses Eisensteins wohl der Umstand, daß derselbe als vorzügliches Gattirungs-Erz ein gesuchter Artikel ist.

Das Vorkommen der Minette bei Luxemburg tritt auf der Grenze zwischen schwarzem und braunem Jura auf, hat den Lias zum Liegenden, gehört zur Oolith-Gruppe, und enthält zwei in Zusammensetzung und Verhalten verschiedenartige Lager – die rothe und die graue Minette. Die erstere ist von egaler rother Färbung, von feinkörniger oolithischer Structur, und gibt im Maximum ein Eisen-Ausbringen von 30–34 Proc. Die hellere Sorte zeigt weniger gleichförmige Färbung, ist ärmer und ohne scharf ausgeprägte oolithische Structur, hat dagegen etwas höheren Kalkgehalt als die rothe Minette. Auch der durchschnittlich bis 1 Proc. betragende Gehalt an Phosphorsäure beider Arten ist bei der helleren weniger stark hervortretend. Von schwefeligen Bestandtheilen sind beide Minette-Sorten gänzlich frei.

Die Minette ist in Folge ihres Kalkgehalts nicht allein sehr geeignet, als gattirender Zuschlag auf kieselige und thonige Eisenerze verwendet zu werden, sondern ist auch für sich allein ohne weitere Beschickung leicht schmelzbar, und dürften auf 100 Pfund weißes Eisen wohl nicht über 115 Pfund Kohks kommen.

Ein analoges Auftreten bilden in England die auch erst in neuerer Zeit technisch wichtig gewordenen sogenannten Cleveland-Eisenerz-Lager der Liasformation, welche sich als oolithische, schwefelfreie, doch durch Phosphorgehalt mehr oder weniger nur zu Gießerei-Roheisen passende Eisensteine kennzeichnen. Durch den ihnen in größerem Maaße eigenen Kalkgehalt ist ihre Wichtigkeit für die Hüttentechnik entschieden.

Das nordwestliche Deutschland hat ein ähnliches Vorkommen aufzuweisen, insofern die in den jurassischen Bildungen der Weserkette und des südlichen Theils des Teutoburger Waldes vorfindlichen ausgedehnten Ablagerungen rother Oolith-Eisensteine wohl als gleichartige Mineralmassen anzusehen sind. Diese kalkigen Eisensteine haben dichte, oolithische Structur, flachmuscheligen Bruch und einen Eisengehalt von 26–44 Proc. im rohen Zustande. Vom Eisenoxyd rührt die röthliche Färbung der oberen Oolith-Eisenstein-Schichten her. Schädliche Bestandtheile sind diesen Oolithen sehr wenig beigemengt und ihr zwischen 10–30 Procent schwankender Gehalt an kohlensaurem Kalk stellt sie der Luxemburger Minette gleich beachtenswerth zur Seite. (Berggeist, 1865, Nr. 73.)

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