Titel: Die Flachs- und Hanfproduction in Mähren, Schlesien und Böhmen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1865, Band 178/Miszelle 13 (S. 247–248)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj178/mi178mi03_13
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Die Flachs- und Hanfproduction in Mähren, Schlesien und Böhmen.

Das k. k. österreichische Ministerium für Handel und Volkswirthschaft hat auf Grund von Gutachten und Berichten eine eigene Denkschrift: „Ueber die Zustände der Flachs- und Hanfproduction in Mähren, Schlesien und Böhmen“ herausgegeben, aus welcher wir Nachstehendes entnehmen:

Nach den neuesten statistischen Aufnahmen sind in der Gesammtmonarchie ungefähr

247,800 niederösterr. Joch Landes mit Flachs und
263,700 „ Hanf,

zusammen also 511,500 Joch (1 Joch = 1,8 württ. Morgen) bebaut, wobei Galizien, Böhmen und Ungarn die größten Beiträge an Hanf, Flachs, Lein- und Hanfsamen liefern.

Was die Flachsgarnspinnerei in Oesterreich betrifft, so waren im Jahr 1855 kaum 80,000 Spindeln in Thätigkeit; Ende 1861 ergab sich die Zahl von nahezu 200,000 und die Anzahl der mit Beginn des Jahres 1865 in Thätigkeit stehenden Spindeln darf auf mindestens 252,000 geschätzt werden, wozu im Laufe der ersten sechs Monate 1865 an bereits in Aufstellung begriffenen oder doch bestellten noch 70,000 weitere Spindeln kommen werden, wornach sich die Gesammtzahl von 322,000 Spindeln ergibt, wobei wieder Böhmen mit 239,000 Spindeln das weitaus größte Kontingent stellt.

In Betreff der Aus- und Einfuhrverhältnisse gibt nachstehende vergleichende Tabelle die Resultate der letzten 34 Jahre, nach österreichischen Gulden berechnet, an, (vom Jahre 1831–60 beziehen sich die Angaben auf den Durchschnitt der angegebenen Perioden).

Flachs, Hanf, Manillahanf,
chinesisches Gras,
Waldwolle, Seegras
(Rohproduct).
Leinengarn
(Garn aus
Flachs, Hanf
und Werg).
Leinenwaaren (Webe-,
Wirk- und Seilerwaaren
aus Flachs, Hanf und
Werg).
Ausfuhr 1831–40: 1,041,819 fl. 842,698 fl. 4,635,195 fl.
1841–50: 1,130,581 fl. 588,985 fl. 3,609,551 fl.
1851–60: 1,066,391 fl. 744,041 fl. 8,434,360 fl.
1861: 1,990,000 fl. 2,323,000 fl. 9,344,000 fl.
1862: 2,709,613 fl. 3,210,000 fl. 8,073,617 fl.
1863: 2,543,195 fl. 4,703,850 fl. 8,942,051 fl.
1864: 2,057,134 fl. 5,766,590 fl. 11,811,603 fl.
Einfuhr 1831–40: 2,527,423 fl. 1,278,404 fl. 13,344 fl.
1840–50: 2,107,980 fl. 1,656,312 fl. 58,229 fl.
1851–60: 3,189,050 fl. 1,796,131 fl. 391,704 fl.
1861: 3,789,000 fl. 3,201,000 fl. 216,000 fl.
1862: 4,300,438 fl. 3,224,570 fl. 233,400 fl.
1863: 6,859,968 fl. 3,354,490 fl. 277,680 fl.
1864: 8,381,440 fl. 3,650,000 fl. 207,970 fl.

Die Einfuhr von Flachs, Hanf, überhaupt des Rohprodukts, ebenso des Leinengarns überstieg somit die Ausfuhr um ein Beträchtliches, nur in Leinenwaaren, also in Webe-, Wirk- und Seilerwaaren führte Oesterreich mehr aus als ein.

Was die Spindelzahl der verschiedenen Länder betrifft, so hatte England im Jahre 1862: 1,265,000, Frankreich in demselben Jahre: 563,000, Oesterreich 1863: 210,000, der Zollverein 1861: 136,000 und Belgien 1862: 135,000 Spindeln, woraus hervorgeht, daß Oesterreich in der Flachs- und Hanfproduction den dritten Rang einnimmt.

Ueber die österreichische Flachs- und Hanfproduction erfahren wir, daß sich dieselbe in Schlesien auf den Teschner Kreis und auf die Bezirke des Troppaner Kreises erstreckt; in Mähren werden die Bezirke des Olmützer Kreises genannt.

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