Titel: Anwendung des Petroleums zum Tränken der Gypsfiguren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1865, Band 178/Miszelle 9 (S. 246)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj178/mi178mi03_9

Anwendung des Petroleums zum Tränken der Gypsfiguren.

Bekanntlich wandern jährlich große Quantitäten von reiner Stearinsäure in die Werkstätten der Gypsgießer und dienen dazu, den Gypsfiguren eine durchscheinende, alabasterartige Oberfläche zu geben. – Man verfährt im Allgemeinen so, daß die aus dem feinsten und weißesten Gyps gegossenen Figuren erwärmt, mit geschmolzenem Stearin überpinselt werden, worauf man sie schließlich in einem geschlossenen Raum auf die Temperatur bringt, welche das Stearin zur Schmelzung bedarf, um das Eindringen desselben in Abgüsse zu bewerkstelligen.

Wesentlich ist hierbei die richtige Regulirung der Temperatur, da ein Zuwenig nicht den gewünschten Effect gibt, ein Zuviel das Braun- und Gelbwerden der Gypsfiguren veranlaßt.

Außerdem ist die Menge des Stearins, welches zum Tränken auch nur eines einzigen Stückes erforderlich, nicht unbeträchtlich, und hat man deßhalb vorgeschlagen, die Gypsabgüsse mit einer Lauge, welche durch Zusammenkochen von Seife, Potasche, Stearinsäure und Wasser gewonnen wird, so lange zu überziehen, bis der gewünschte Glanz aufgetreten ist.

Die mit einer derartigen Lauge überzogenen und theilweise getränkten Gypsabgüsse verlieren ihren Glanz etwas in Feuchtigkeit und veranlassen ein sehr festes Anhaften darauf gefallenen Staubes, der dann nur mit Mühe auf Kosten der Schönheit des Gusses zu entfernen ist.

Ein einfaches und sparsames Mittel zum Glänzendmachen der Gypsfiguren besteht in der Verbindung des Petroleums mit Stearin und verfährt man auf folgende Weise:

In einem passenden Gefäße erwärme man 10 Theile Petroleum – jedoch nicht über freiem Feuer, sondern durch Einsetzen des Gefäßes in kochendes Wasser – und füge nach und nach 1–2 Theile geschabter Stearinsäure hinzu, die sich alsbald in dem Petroleum zu einer klaren Flüssigkeit auflöst.

Mit dieser lauwarmen Auflösung überzieht man die ebenfalls ein wenig erwärmten Gypsgegenstände zwei- bis dreimal; nach dem Trocknen, das in kurzer Zeit beendet ist, genügt ein einfaches Poliren oder Glätten der überzogenen Gegenstände, um ihnen einen schönen Glanz und das gefällige durchscheinende Ansehen zu geben.

Ebenfalls ist zu diesem Zwecke der im Handel vorkommende Petroleumsprit vorzüglich anwendbar und empfiehlt sich noch vor dem Petroleum durch größere Flüchtigkeit, wodurch ein rascheres Trocknen bewerkstelligt wird.

Selbstverständlich ist jede Lichtstamme und freies Feuer bei diesen Operationen zu vermeiden, namentlich bei dem Gebrauche des leicht brennbaren Petroleumsprits; sonst empfiehlt sich diese Methode durch Billigkeit und Einfachheit, da jedes Arbeiten in höherer Temperatur umgangen ist. (Hamburger Gewerbeblatt.)

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