Titel: Versuche mit Lenoir's Gasmaschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1865, Band 178/Miszelle 2 (S. 322–323)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj178/mi178mi04_2

Versuche mit Lenoir's Gasmaschine.

Die Industriegesellschaft zu Mülhausen (Elsaß) ließ kürzlich Versuche mit einer Lenoir'schen Gasmaschine93) anstellen (Bulletin de la Société industrielle de Mulhouse, t. XXXV p. 289; Juli 1865). Die hierzu verwendete Maschine besaß einen Kolbendurchmesser von 0,180 Meter und einen Kolbenhub von 0,300 Meter, und es fand bei derselben die Entzündung statt, nachdem der Kolben 0,148 Meter durchlaufen hatte. Der Druck im Cylinder scheint 5 Atmosphären im Maximum zu betragen, die Schwankungen sind aber sehr grell; die Unterbrechung des elektrischen Stromes hat stets den Stillstand der Maschine zur Folge. Das verwendete Gas bestand aus 9/10 Luft und 1/10 Leuchtgas; die Verbrennung schien sehr vollständig zu seyn. Die zum Abkühlen des Cylinders verwendete Menge Wasser schwankte ziemlich bedeutend, betrug aber im Allgemeinen 500–600 Liter per Stunde; die Temperatur |323| des austretenden Wassers schwankte je nach der verwendeten Menge zwischen 20 bis 30° C.; es ließ sich aber kein Einfluß dieser Schwankungen auf den Gang der Maschine wahrnehmen. Das Schmieren mußte häufig und mit großen Mengen wiederholt werden. Die Leistung der Maschine schwankte zwischen 0,956 und 0,998 Pferdekraft, der Gasverbrauch betrug bei regelmäßigem Gange durchschnittlich 2984 Liter, also ziemlich 3 Kubikmeter per Stunde und Pferdekraft.

Die Unterhaltungskosten werden viel höher seyn als die einer Dampfmaschine; setzt man alle anderen Kosten als gleich voraus, so wird die Dampfmaschine höchstens 5 Kilogramme Kohle im Preise von 0,15 Frcs. verbrauchen, während die 3 von der Lenoir'schen Gasmaschine verbrauchten Kubikmeter Gas in Mülhausen Privaten 0,90, Industriellen 0,75 Frcs. kosten, ihr Darstellungspreis aber 0,50 Frcs. beträgt. Allein auch die Voraussetzung, daß alle anderen Kosten gleich seyen, ist nicht richtig; zunächst ist das Schmieren bei der Gasmaschine, die per Pferdekraft täglich circa 1 Kilogramm Oel erfordert, weit kostspieliger, außerdem erfordert die Batterie besondere Ausgaben, endlich erspart die Maschine auch durchaus nicht einen Heizer. Eine Dampfmaschine von 1 Pferdekraft erfordert wenig Arbeit von Seiten des Feuermannes, der daher sehr wohl noch mit einer anderen Arbeit beschäftigt werden kann; die Lenoir'sche Gasmaschine aber erfordert die vollständige Aufmerksamkeit des Arbeiters, der mit ihrer Unterhaltung und Schmierung beauftragt ist.

Das ist für die Praxis vielleicht ihr wesentlichster Uebelstand. Denn diese leicht aufzustellende Maschine hat den unläugbaren Vorzug, nur während der Arbeit selbst Gas zu consumiren, sie ist daher für intermittirende Arbeiten ganz vorzüglich geeignet. Für einen Arbeiter, der täglich zehnmal 1/4 Stunde lang Betriebskraft braucht, kann diese Maschine, selbst wenn sie 2 1/2–3 Frcs. für diese Zeit kostet, sehr wohl von Vortheil seyn. Wenn er aber die Maschine während der Arbeit fortwährend schmieren muß und sich mit nichts Anderem beschäftigen kann oder einen besonderen Heizer nehmen muß, so tritt der Vortheil doch sehr zurück. Jedenfalls kann die Lenoir'sche Maschine nur eine sehr beschränkte Verwendung finden, bevor die angegebenen Uebelstände beseitigt sind. (Deutsche Industriezeitung, 1865, Nr. 43.)

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Man sehe Tresca's Bericht über seine Versuche mit der Lenoir'schen Gasmaschine, nebst Beschreibung dieser Maschine, im polytechn. Journal Bd. CLXIII S. 161.

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