Titel: Großartiger Bessemer-Guß.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1865, Band 178/Miszelle 3 (S. 323–324)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj178/mi178mi04_3

Großartiger Bessemer-Guß.

In den neuen Werken von Bessemer u. Söhnen zu Eastgreenwich bei London fand in der zweiten Hälfte des Octobers der Guß eines Bessemer-Blockes in dem enormen Gewichte von hundert Tonnen (1814 Wiener Centner) mit dem besten Erfolge statt. – Hr. Sectionsrath Ritter von Schäffer, welcher dieser interessanten Cyclopen-Arbeit beiwohnte, theilt uns darüber einige Notizen mit, die wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen; denn obgleich in Eisen und Stahl schon größere Massen gegossen wurden, so gewinnt doch die ganze Manipulation ein erhöhtes Interesse durch die Anwendung des Bessemer-Metalles.

Der Kupolofen, in welchem die ungeheure Masse Stahl geschmolzen wurde, ist nach dem patentirten Systeme von Ireland u. Söhnen construirt; er schmilzt 13 Tonnen (zu 18. 14 Wiener Ctr.) in der Stunde und verbraucht 3 Centner Kohks auf 50 Centner Metall. Die flüssige Bessemer-Masse wurde in eine versenkte Form in Mengen von ungefähr 4 Tonnen in je 20 Minuten gegossen, so daß die ganze Operation von Früh bis Abends fertig war. Der Gußblock wird auf demselben Flecke, wo er gegossen wurde, als Amboß für einen auf Stahl eingerichteten Dampfhammer verwendet werden und wird beiläufig sechs Wochen zum vollständigen Abkühlen brauchen. Die Bestimmung des Blockes ist ein nicht zu übersehender Fingerzeig für die Dimensionen, welche die Bessemer-Industrie schon jetzt einnimmt. Wo man früher Eisen verwendete, sucht man jetzt Bessemer-Metall zu substituiren; die Eisenbahnen- und Schiffstechnik kann desselben nicht mehr entbehren. Wie der Berichterstatter in Erinnerung bringt, hat die Rhederei die Vorzüge des Bessemer-Stahles anerkannt, seitdem im verflossenen Jahre das Schiff „Clytemnestra“ im Calcutta-Strome einer Cyclone glücklich widerstand, welche gewöhnliche Fahrzeuge zehnmal in den Grund gebohrt hätte; und was die Eisenbahnen betrifft, so sind die Bessemer-Schienen wegen der großen Dehnbarkeit namentlich dort ganz unersetzlich, wo die intensive Kälte, wie in Canada, das spröde Eisen zu einem höchst gefährlichen Material macht. Soll doch |324| jüngst eine Probe gezeigt haben, daß eine Bessemer-Schiene von 6 Fuß Länge so gebogen werden kann, daß die Peripherie der Spirale 9 Fuß und 1 Zoll maß. Dr. F. N. (Wochenschrift des nieder-österreichischen Gewerbevereins, 1865, Nr. 45.)

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