Titel: Neue Anwendungen des Magnesiums; von W. White.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1865, Band 178/Miszelle 6 (S. 324–325)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj178/mi178mi04_6

Neue Anwendungen des Magnesiums; von W. White.

Magnesiumlampen. – Nachdem einmal festgestellt war, daß Draht und insbesondere Band die beste Form des Magnesiums ist, kam es bloß darauf an, einen Apparat zu construiren, der immer so viel Draht abwickelt, als gerade durch die Verbrennung verzehrt wird. Der Amerikaner Alonzo Grant ließ zuerst die Abwickelung des Drahtes durch ein Uhrwerk besorgen und dieß war ein wesentlicher Fortschritt. Früher kam es beim Gebrauch des Magnesiumlichtes oft vor, daß es plötzlich verlosch. Wahrscheinlich kommt dieß von kleinen Sprüngen oder Blasenräumen im Drahte oder von darin eingeschlossenen Unreinheiten her. Durch Verbesserung der Fabrication hat der Draht jetzt eine Dehnbarkeit erlangt, von welcher man vor einem Jahre keinen Begriff hatte und das Verlöschen ist dadurch bedeutend seltener geworden, besonders wenn man Band anwendet. Ich habe solches ohne Unterbrechung eine halbe Stunde brennen sehen. Mit Sicherheit kann man auch ohne Zuhülfenahme der Spirituslampe auf ruhiges Fortbrennen rechnen, wenn man ein doppeltes Band anwendet; denn es ist sehr unwahrscheinlich, daß beide zugleich verlöschen und so wird immer das eine die Verbrennung des anderen unterhalten. Ich weiß, daß eine Grant'sche Lampe mit Doppelband zwei volle Stunden ohne alle Unterbrechung brannte und durch entsprechende Vergrößerung der Spulen für den Draht und des Uhrwerks läßt sich ein beliebig lange Zeit ruhig brennendes Licht erzielen.

Verhalten des Magnesiumlichtes zu den Farben. – Eine Eigenthümlichkeit des Magnesiumlichtes ist die, alle Farben völlig ebenso erscheinen zu lassen, wie sie beim Sonnenlichte erscheinen. Alle Farben: Grün, Blau, Gelb, Weiß, Roth, Violett, Purpur u.s.w. erscheinen vollkommen deutlich und unverändert. Diese Eigenschaft des Magnesiumlichtes ließe sich in Färbereien, Ausschnitthandlungen und ähnlichen Etablissements benutzen, um Abends oder bei trübem nebligem Wetter Zweifel in Bezug auf die Farben der Stoffe zu beseitigen.

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Magnesiumlegirungen. – Man hat das Magnesium mit verschiedenen anderen Metallen ohne besondern Vortheil legirt. Es macht einige Schwierigkeiten, beim Zusammenschmelzen das Verbrennen des Magnesiums zu verhindern. Man kann dieß aber leicht verhüten, wenn man das andere Metall zuerst schmilzt und dann das Magnesium mit einer Zange oder sonst wie untertaucht, bis es ebenfalls geschmolzen ist.

Eine Legirung von Blei mit Magnesium brennt mit gutem Lichte. Noch vorzüglicher sind in dieser Beziehung die Magnesiumzinklegirungen. Legirungen mit Zink im Verhältniß von 5, 10, 15 und 20 Procent lassen sich sehr leicht zu Draht verarbeiten und verbrennen ruhig, aber mit schwächerem Lichte als reines Magnesium, und verursachen mehr Qualm.

Zu Feuerwerkszwecken empfehlen sich die Zinkmagnesiumlegirungen besonders. In Gestalt von Pulver zum Raketensatze hinzugefügt, geben diese ein schönes Licht und in Gestalt von Draht sind sie selbst schon ein einfacher und effectmachender Feuerwerkskörper. (Photographisches Archiv, October 1865, S. 377.)

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