Titel: Ueber den Einfluß des Gypses auf die Zusammensetzung der Weine, nach Chancel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1865, Band 178/Miszelle 9 (S. 325–326)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj178/mi178mi04_9

Ueber den Einfluß des Gypses auf die Zusammensetzung der Weine, nach Chancel.

Ueber diesen Gegenstand hat G. Chancel neuerlich eingehende Untersuchungen angestellt. Es ergibt sich aus denselben, daß durch den Zusatz einer hinlänglichen Menge von Gyps fast alles in den Trauben vorhandene Kali als Weinstein in den Wein übergeführt und auf diese Weise der Weinsäuregehalt des letzteren vermehrt wird; |326| daher vermag gegypster Wein wenigstens ebenso große Mengen von Weinstein in den Fässern abzusetzen, als die gewöhnlichen Weine.

Die Trestern von stark gegypstem Weine enthalten weit weniger Kali, als die von Wein, welcher auf die gewöhnliche Weise behandelt worden; deßhalb haben solche Trestern auch einen weit geringeren Düngerwerth, als die von nur schwach oder gar nicht gegypsten Weinen herrührenden.

Uebrigens ist wohl zu beachten, daß der größere Theil des zweifach-weinsauren Kalis bei den Schalen zurückbleibt und erst dann in den Most übergeht, wenn jene durch die Gährung zersetzt werden; denn die Analyse der Weißweine und Bleicherte, also gerade solcher Weine, welche nicht auf den Trestern gegohren haben, beweist, daß sie etwa nur halb so viel Weinstein enthalten, als die während der ganzen Dauer der Gährung mit den Trestern in Berührung gebliebenen, aus denselben Trauben gekelterten Rothweine.

Kurz zusammengefaßt sind die Wirkungen des Gypses, wie er in der Praxis angewendet wird, die folgenden:

1) Er führt aus den Trestern die Hälfte der Weinsäure in den Wein über, welche ohne seine Vermittelung in den ersteren als Weinstein zurückbleiben würde.

2) Er vermehrt die Säure des Weins, so daß derselbe am Acidimeter höhere Grade zeigt; ferner erhöht und belebt er dessen Farbe und vermehrt dessen Haltbarkeit.

3) Er vermittelt den Uebertritt des größeren Theiles von dem in den Trestern als Weinstein vorhandenen Kali in den Wein und zwar in Form von schwefelsaurem Kali. (Comptes rendus, t. LX p. 408; Februar 1865.)

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