Titel: Dampffliegmaschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1865, Band 178/Miszelle 1 (S. 409–410)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj178/mi178mi05_1

Dampffliegmaschine.

Das Journal of Commerce schreibt: Eine Fliegmaschine neuer Construction wird gegenwärtig in Hoboken für die Regierung der Vereinigten Staaten von Nordamerika gebaut. Sie wurde während des Krieges begonnen und sollte zum Recognosciren gebraucht werden. Der Krieg ist zwar vorüber, doch soll die Maschine ausgeführt werden. Die Idee der Erfindung ist zwar eine alte, jedoch wird sie hier zum erstenmal praktisch ausgeführt. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat sich entschlossen, diese Maschine auf ihre Kosten ausführen zu lassen, nachdem Hr. Professor Mitschel eine Reihe von Versuchen mit kleinen Apparaten gemacht, nach welcher die Erfindung für lebensfähig erklärt wurde. Professor Mitschel hatte sich schon früher vielfach mit Aeronautik befaßt und war zu der Ueberzeugung gekommen, daß die Schraube sich in der Luft ebenso gut anwenden lassen würde wie im Wasser. Seine erste und hauptsächliche Aufgabe war, die Hebekraft eines horizontalen, schraubenförmig gebauten Rades bei verschiedenen Umdrehungsgeschwindigkeiten zu bestimmen. Das zum Experimentiren |410| verwendete Schraubenrad wurde auf eine verticale Achse gebracht, auf welcher es sich auf und ab bewegen konnte; dann wurden dem Schraubenrad verschiedene Umdrehungsgeschwindigkeiten, je nach dem Belieben des Experimentators, gegeben. Bei einer bestimmten Umdrehungsgeschwindigkeit konnte das Rad nur sich selbst heben; bei einer anderen konnte es das Dreifache seines Gewichtes heben u.s.w., so daß man durch Vergleichung die Thatsache fand, daß ein Schraubenrad von 20 Fuß Durchmesser, bei einer gewissen Umdrehungsgeschwindigkeit 6 Tonnen = 122 Ctr. heben würde. Darauf basirt die Maschine. Der ganze Apparat besteht aus einem cigarrenförmigen Kahn. Eine Dampfmaschine befindet sich im Mittelpunkt mit hinreichender Kraft, um ein Schraubenrad von 20 Fuß Durchmesser zu treiben. Es sind vier Schraubenräder mit der Maschine verbunden; eins oben, eins unten, eins vorne, eins hinten. Das obere und untere Schraubenrad arbeiten zusammen und dienen zum Heben oder Senken des Apparates; die Räder an den beiden Enden können zusammen oder einzeln, in gleicher oder entgegengesetzter Richtung, gedreht werden und sind zum Steuern bestimmt. Das Gewicht des Ganzen mit sammt der Mannschaft ist ungefähr 122 Ctr. Es wird behauptet, die Maschine lasse sich so leicht durch die Luft treiben, wie ein Schiff durch das Wasser. Selbstverständlich spielt jedoch der Wind hierbei eine große Rolle. Der Bau der Maschine wird von einem sachverständigen Officier der Regierung überwacht, und hofft man in einem Monat so weit zu seyn, daß dieselbe probirt werden kann. In diesen Experimenten liegt doch wenigstens Sinn, System und Zweck, während Fahrten mit Ballonen wie der Radar's keinen anderen Zweck haben können, als den, Geld zu machen. (Arbeitgeber.)

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