Titel: Prüfung auf Schellack; von S. Schapringer.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1865, Band 178/Miszelle 12 (S. 415)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj178/mi178mi05_12

Prüfung auf Schellack; von S. Schapringer.

Die Anwendung, welche der Schellack in den Künsten und Gewerben findet, ist eine so mannichfache und ausgedehnte, dabei sind die Combinationen und Verbindungen, in denen er gebraucht wird, so verschiedenartiger Natur, daß ein sicheres Mittel, denselben nachweisen zu können, wünschenswerth erscheint. Ich will nun im Nachstehenden ein solches veröffentlichen, das bei Einfachheit und leichter Ausführbarkeit genug Sicherheit bietet, um in die Reihe ähnlicher Proben eingestellt werden zu können.

Der Schellack enthält nämlich außer mehreren, sich durch ihre Löslichkeit im Aether, Alkohol und Petroleum unterscheidenden Harzen, sowie außer Fett, Wachs und Aschenbestandtheilen, noch einen Farbstoff, das Coccin, das sehr viel Aehnlichkeit mit dem Farbstoffe der Cochenille zeigt. Da nun die erwähnten Harze, welche den Schellack der Hauptsache nach zusammensetzen, weder im Vergleiche unter sich, noch in dem mit fremden Harzen besonders charakterisirt erscheinen, das Coccin aber sehr deutliche Reactionen zeigt, und in jeder, selbst der lichtesten nicht künstlich gebleichten Schellacksorte vorkommt, so konnte es nur dieser Körper seyn, auf den eine Prüfung auf Schellack zu basiren war. Die Lösungen dieses Farbstoffes nämlich in Mineral- oder organischen Säuren sind hellroth gefärbt, welche Färbung sich aber beim Uebersättigen mit einem Alkali in eine tief violettrothe umwandelt.

Soll nun eine weingeistige Harzlösung, wie z.B. ein Buchbinderlack, ein Vergolderlack112), ein Modellenlack u.s.w. auf Schellack untersucht werden, so wird dieselbe mit einem Ueberschusse wässeriger Salzsäure oder Essigsäure versetzt und die trübe Flüssigkeit so lange erhitzt, bis sie wieder klar geworden und alles Harz zu einem Klumpen zusammengeschmolzen erscheint. Die Flüssigkeit wird hierauf abgegossen oder abfiltrirt und Ammoniak im Ueberschusse hinzugefügt; bei Gegenwart von Schellack muß, wie oben erwähnt, eine rothviolette Färbung entstehen. – Man verfährt ebenso, wenn man Schellack in alkalischer Lösung vermuthet, z.B. in autographischer Tinte oder in einer Boraxlösung (als indelible brown).

Will man Schellack in Combinationen mit anderen Harzen, mit Seifen oder Fetten nachweisen, wie dieß der Fall bei Siegellack, Kitt, Mastix oder lithographischer Kreide seyn kann, so bereitet man sich zuerst eine Auflösung der zu untersuchenden Substanz in Weingeist, filtrirt dieselbe und verfährt mit dem Filtrate wie im ersten Falle. Soll ein Firnißüberzug, der sich bereits auf der betreffenden Fläche aufgetragen befindet, untersucht werden, so braucht man nur eine kleine Probe davon abzuschaben und, wie oben angedeutet ist, weiter zu verfahren.

Als Maaßstab für die Verläßlichkeit dieser Probe will ich nur noch anführen, daß schon 1/4 Gran der allerhellsten unter den im Handel vorkommenden Schellacksorten mir eine ganz deutliche Reaction gegeben hat. (Wochenschrift des nieder-österreichischen Gewerbevereins, 1865, Nr. 41.)

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Die Gegenwart von Drachenblut, das zu solchen Lacken mit verwendet wird, stört nicht im Mindesten die Reaction.

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