Titel: Explosion des gefrorenen Nitroglycerins durch bloße Reibung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1865, Band 178/Miszelle 6 (S. 411–412)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj178/mi178mi05_6

Explosion des gefrorenen Nitroglycerins durch bloße Reibung.

Niemand scheint bisher gewußt zu haben, daß Nitroglycerin bei einem Wärmegrade – man sagt mir unter + 6 bis 8° R. – zu Eis erstarrt und dann durch bloße Friction explodirt. Ein Agent der Fabrikanten Nobel und Comp. brachte das Fabricat auch zu uns, und es wurde nach geschehener Prüfung vorzüglich beim großen Durchstich in Gotschdorf verwendet. Es scheint, daß auch die Erfinder von der gedachten Eigenschaft ihres Fabricats keine Kenntniß hatten. Dasselbe wird in gläsernen Kruken zu 1/4 und 1/8 Ctr., in Stroh und Ueberkörben verpackt, versendet. Die wegen des geringen Wärmegrades seit einigen Tagen erstarrte Nitroglycerinmasse hatte man bisher |412| vorsichtig in der Weise behandelt, daß man einzelne Stückchen mit einem Holzspan lostrennte und sie in die Bohrlöcher brachte. Man fand, daß das gefrorene Nitroglycerin eben so gut wie das flüssige explodire. Gestern hatte der Schachtmeister Krause einen 7–8 Pfd. schweren Eisklumpen von Nitroglycerin vor sich und kam auf den unglücklichen Gedanken, denselben durch eine Spitzhacke in Stücke zu zerlegen, da er nicht ahnte, daß die Masse durch den bloßen Schlag zum Explodiren gebracht werden könnte. So kam es, daß er zuerst hoch in die Luft geschleudert und schrecklich verstümmelt 40–50 Fuß tief in den Schacht gestürzt wurde, während zwei Arbeiter, die in einiger Entfernung von ihm mit Patronenmachen beschäftigt waren, glücklicher Weise nur leicht verletzt wurden. – Hirschberg, 10. November 1865. (Schlesische Zeitung.)

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