Titel: Die Ratanhia als Farbstoff; nach Jul. Roth.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1865, Band 178/Miszelle 9 (S. 412–413)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj178/mi178mi05_9

Die Ratanhia als Farbstoff; nach Jul. Roth.

Seit langer Zeit schon wird in der Medicin die Ratanhia angewendet, die Wurzel der in Peru einheimischen, zur Familie der Polygaleen gehörigen Krameria trianda, die 1779 von Ruiz entdeckt wurde. Sie wird als adstringirendes Mittel angewendet wie das Catechu, mit dem sie auch sonst die größte Aehnlichkeit hat. Sie besteht nach |413| einer, allerdings der Wiederholung bedürftigen Analyse aus 42,5 Procent Gerbstoff, 15 Proc. Cellulose, 17,5 Proc. braunem Gummi und 25 Proc. eines bitteren Extractivstoffes, der in kochendem Wasser kaum löslich, in alkalischen Lösungen aber löslich ist und in dem man etwas Stärke, sowie eine eigenthümliche krystallisirte Säure gefunden hat, die Peschier Kramersäure nannte; letztere zeichnet sich namentlich durch ihre große Verwandtschaft für den Baryt aus, die nach Geiger noch größer ist als die der Schwefelsäure.

Bei der großen Ähnlichkeit der Ratanhia mit dem Catechu in Bezug auf Zusammensetzung und medicinische Eigenschaften war es interessant zu untersuchen, ob sie sich auch in Bezug auf Färberei ähnlich verhält. Roth's Versuche haben nun nach dem Bulletin de la Société industrielle de Mulhose t. XXXV p. 212 (Mai, 1865) wirklich nachgewiesen, daß die Ratanhia als Farbstoff verwendet werden kann; sie gibt ohne Beizen ziemlich solide Farben, färbt Wolle und Baumwolle und ertheilt der Seide sehr schöne und glänzende Nüancen, die man gewöhnlich mit einem Gemisch von Orseille und Krapp darstellt; die dunklen Farben auf Wolle kann man nur mit Beizen herstellen. Sehr verschiedene Färbungen erhält man namentlich, wenn man die ursprünglichen Nüancen mit verschiedenen Salzen oder Beizen behandelt, wie mit doppelt-chromsaurem Kali, salpetersaurem Kupferoxyd-Ammoniak, Zinnchlorid etc. Da aber die meisten Metallsalze den Farbstoff aus seinen Lösungen fällen, so darf man sie nicht beim Färben in Anwendung bringen.

Gegen Reagentien verhält sich der wässerige Aufguß der Ratanhia wie folgt:

Chloreisen brauner stockiger Niederschlag,
Quecksilberchlorid fleischfarbener
essigsaures Bleioxyd violettrother
Brechweinstein leichte Trübung nach einiger Zeit,
Zinnchlorid hellrostfarbener Niederschlag,
doppelt-chromsaures Kali nichts,
saures weinsaures Kali
salpetersaures Kupferoxyd brauner flockiger Niederschlag,
schwefelsaures Eisenoxydul schwarzer „

Alle Versuche wurden mit Ratanhiawurzeln und im luftleeren Raume dargestelltem Ratanhiaextract ausgeführt; die nach anderen Methoden dargestellten Extracte liefern dasselbe Resultat, sind aber weniger rein und enthalten viel unlösliche Stoffe.

Den Ratanhiaextract wird man zu circa 4 Ngr. per Pfd. sich verschaffen können und würde dann derselbe in den Färbereien vortheilhaft zu verwenden seyn. Die Rinde liefert ein Drittel ihres Gewichtes Extract und die Wurzel ein Neuntel; doch erhält man im Handel die Wurzel stets mit der Rinde bedeckt.

Für die Färberei kann man eine leichte Abkochung, besser aber einen Aufguß mit Wasser von 30° R. verwenden. Jod färbt die Rinde und Wurzel der Ratanhia schwarz. Der Ratanhiaextract löst sich langsam und nur zum Theil in kaltem Wasser, während er in kochendem Wasser und Alkohol vollständig löslich ist; Alkohol trübt nicht seine wässerige und Wasser nicht seine alkoholische Lösung. Mineralsäuren fällen ihn aus seinen Lösungen, Weinstein-, Citronen- und Essigsäure dagegen trüben dieselben nicht. (Deutsche Industriezeitung, 1865, Nr. 31.)

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