Titel: Ueber die Fabrication von Briquettes aus der Kleinkohle von Fünfkirchen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1865, Band 178/Miszelle 1 (S. 464–465)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj178/mi178mi06_1

Ueber die Fabrication von Briquettes aus der Kleinkohle von Fünfkirchen.

Hierüber sprach Hr. C. v. Hauerin der Sitzung der k.k. geologischen Reichsanstalt vom 12. Oct. d. J. – Die Frage, den Abfall von Kohlenklein, welcher in den Gruben, Magazinen, beim Transport u.s.w. oft in bedeutender Quantität entsteht, zu verwerthen, drängt sich immer mehr heran. Einerseits mehrt sich nämlich successive die Masse des abfallenden Kohlenkleins durch die im Steigen begriffene Production der Kohle und andererseits ist es bezüglich der Concurrenzfähigkeit in den Preisen für die Kohlenwerke ein Gebot, alle Abfälle nutzbringend zu machen, weil dieß gestattet, den Preis der Stückkohle, von welcher die Abfälle herstammen, zu ermäßigen. Die Verwerthung der Kleinkohle ist auf zweifache Weise angestrebt worden, erstlich dadurch, daß man Feuerungseinrichtungen construirte, welche eine Verbrennung des Kohlenkleins zuließen, und zweitens indem man versuchte, den Abfall der Kohlen durch verschiedene Bindemittel und durch Compression wieder zu compacten Stücken zu vereinigen. Die Fortschritte in je einer dieser Richtungen werden niemals die Verwerthung der Kleinkohle nach dem Principe in der anderen überflüssig machen; je nach localen Verhältnissen werden vielmehr stets entweder die Fabrication von Briquettes oder die Anwendung von Heizvorrichtungen für unveränderte Kleinkohle angezeigter erscheinen.

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Im vorliegenden Falle handelt es sich um Versuche, welche in neuester Zeit von Hrn. Unterwalder in Wien durchgeführt wurden, um Briquettes, und zwar speciell aus Fünfkirchner Kohlenklein, darzustellen. Während der Abfall von Kohlenklein an den meisten Gruben nur als ein mehr untergeordnetes Nebenproduct erscheint, besteht die Hauptmasse der bei Fünfkirchen geförderten Kohle aus Gries, da von den dreißig vorhandenen Flötzen nur einige wenige Stückkohle liefern. Für die Fünfkirchner Kohlenablagerung hat daher die Darstellung von Kohlensteinen oder Briquettes eine ganz besondere Wichtigkeit. Das Bindemittel, dessen sich Hr. Unterwalder bedient, besteht aus Destillationsproducten der Kohle selbst. Ein solches Bindemittel ist in mehrfacher Beziehung das einzig rationelle, da es erstlich meistens ganz allein an den betreffenden Localitäten in genügender Menge zu beschaffen ist, ein Umstand, dessen Wichtigkeit häufig bei Projecten zur Erzeugung von Briquettes, wenn diese halbwegs größere Dimensionen erreichen soll, nicht genügend gewürdigt worden ist. Destillationsproducte der Kohle, als Bindemittel angewendet, vermindern ferner nicht den Brennwerth der Kohle, sondern erhöhen ihn. Das mit dem Bindemittel gehörig vermengte Kohlenklein wird nach dem Verfahren des Hrn. Unterwalder wie gewöhnlich durch starkes Einpressen in eiserne Formen comprimirt. Als neu bei der Darstellung dieser Kohlensteine ist zu betrachten, daß dieselben nur mit einer verhältnißmäßig geringen Menge von Bindemitteln hergestellt werden. Die Menge beträgt nämlich nur 2–6 Proc., je nachdem die erzeugten Stücke zu verschiedenen Zwecken mehr oder weniger Festigkeit haben, leicht oder schwerer entzündlich, mit mehr oder weniger hoher Flamme brennen sollen.

Eine Untersuchung dieser Kohlencylinder ergab, daß sie eine beträchtliche Festigkeit besitzen, daß sie gleich der Stückkohle gut anbrennen, nicht stark in der Hitze anschwellen und eben so wenig während des Verbrennens zerfallen. Da sich beim Verbrennen viel schwerer Kohlenwasserstoff aus ihnen entwickelt, so erfordern sie reichliche Luftzuströmung, in welchem Falle aber ihre Wärmeleistungsfähigkeit eine vorzügliche ist. Veim Verbrennen verblieb im Mittel mehrerer Proben ein Aschenrückstand von 19,5 Proc., was nicht Wunder nehmen kann, da für die Versuche der Darstellung unbewaschenes Kohlenklein verwendet wurde. Durch Glühen mit Bleioxyd wurde von 1 Theil der Briquettes ein Bleiregulus von dem 26,480 fachen Gewichte der Kohle erhalten. Es entspricht dieß 5984 Wärmeeinheiten und 8,7 Ctr. sind als das Aequivalent einer 30zölligen Klafter weichen Holzes zu betrachten. In dem Maaße, wie mehr gereinigtes Kohlenklein zur Darstellung der Kohlensteine in Verwendung tritt, wird natürlich der Brennwerth noch entsprechend gesteigert werden können.

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