Titel: Armenischer oder Diamantkitt.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1865, Band 178/Miszelle 10 (S. 471–472)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj178/mi178mi06_10

Armenischer oder Diamantkitt.

Dieser in England und Nordamerika zum Kitten von Glas, Porzellan, Edelsteinen etc., sowie zur Befestigung von allerhand Verzierungen etc. an Uhrgehäusen und anderen derartigen Ornamenten sehr geschätzte Artikel (der übrigens auch bei uns sehr mannichfaltige Verwendung findet) wird auf die Art bereitet, daß man Hausenblase in Wasser bis zum völligen Aufquellen einweicht und die so behandelte Gelatine mit Weingeist vermischt, in welchem etwas Mastix und Ammoniakgummi aufgelöst worden sind.

Die türkischen Juweliere, zum größten Theile Armenier, haben eine eigenthümliche Methode, Uhrgehäuse etc. mit Diamanten und anderen Edelsteinen zu verzieren, indem sie die letzteren einfach aufleimen oder aufkitten. Der Stein wird in Silber oder Gold gefaßt; der untere Theil der Fassung erhält eine ebene oder der Form des Theils, an welchem er befestigt werden soll, entsprechend gestaltete Fläche; dann wird der Stein mit der Fassung erwärmt und die letztere wird mit dem Kitte bestrichen, der so fest hält, daß sich die mittelst desselben verbundenen Theile an der Verbindungsstelle nur gewaltsam trennen lassen. Dieser Kitt, welcher selbst Glasstücke mit glatten Flächen, ja sogar |472| polirte Stahlflächen zusammenhält und sich zu einer Menge nützlicher Zwecke verwenden läßt, wird in der Türkei auf folgende Weise bereitet:

Fünf bis sechs erbsengroße Stückchen Mastix werden in so viel Weingeist gelöst, daß sie mit demselben eine dicke Flüssigkeit bilden. In einem anderen Gefäße wird so viel vorher in Wasser aufgeweichte Hausenblase, von der das Wasser vollständig abgegossen worden, in gutem Franzbranntwein oder Rum gelöst, daß die Lösung zwei Unzenmaaße eines dicken Leimes bildet. Der letztere, wird dann mit zwei kleinen Stückchen Galbanum oder Ammoniakgummi sorgfältig zusammengerieben und darauf unter genügendem Erwärmen mit der Mastixlösung auf's Innigste vermischt. Der fertige Kitt muß in einer gut verschließbaren Flasche aufbewahrt werden, die man beim Gebrauche in heißes Wasser stellt, um den Kitt flüssig zu machen. – In England wird unter der Benennung „armenischer Kitt“ häufig ein ähnliches Präparat verkauft, welches aber schlecht ist; es ist viel zu dünn und enthält zu wenig Mastix.

Folgende Verhältnisse geben einen guten Diamantkitt: 2 Unzen guter Hausenblase werden in Wasser aufgeweicht und dann in der genügenden Menge von starkem Weingeist zu einer dicken Flüssigkeit gelöst, in welcher man 10 Gran recht blasses Ammoniakgummi (in Körnern) durch inniges Zusammenreiben löst, worauf man sechs große Körner Mastix in der möglich geringsten Menge von rectificirtem Weingeist gelöst, sorgfältig damit vermischt.

Oder man mischt 3 Unzen wie oben in Weingeist von 85 bis 90 Proc. gelöster Hausenblase mit 1 1/2 Unzen des Bodensatzes von Mastixfirniß, welcher dick aber dabei klar seyn muß, durch Zusammenreiben unter Erwärmen auf das Junigste.

Bei sorgfältiger Zubereitung widersteht dieser Kitt der Feuchtigkeit sehr gut und erscheint nach dem Trocknen farblos. So, wie er gewöhnlich im Handel vorkommt, ist er nicht allein meistens recht schlecht, sondern auch übertrieben theuer. (Tinman's Manual. – Scientific American vom 16. September 1865.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: