Titel: Surrogat für Baumwolle.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1866, Band 180/Miszelle 11 (S. 77–78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj180/mi180mi01_11
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Surrogat für Baumwolle.

Ein neuerdings in Chemnitz aufgetauchtes Surrogat für Baumwolle, über dessen Herkunft, Ausbeute und Bezugsquellen jedoch keine Auskunft erlangt werden konnte,29) zeigt feine, weiche, seidenartig glänzende Fasern, deren Dicke 1/80 bis 1/40 Millimeter und deren Länge 10 bis 20 Millimeter beträgt. Die Fasern stimmen daher in ihrer Stärke ungefähr mit der Baumwollfaser überein, werden aber, was die Länge betrifft, von fast allen Baumwollsorten, und zwar bedeutend, übertroffen.

Das Aussehen der betreffenden Haargebilde unter dem Mikroskop ist insofern dem der Baumwolle gleich, als sie auch wie diese aus je einer langgestreckten Zelle bestehen. Während aber die Baumwollzelle zusammengehalten ist und daher nicht mehr rund, sondern breit bandförmig erscheint, zeigen jene Zellen fast nur eine cylindrische, schlauchförmige Gestalt; nur hier und da ist der Hohlcylinder zusammengedrückt und an solchen Stellen zeigt die Faser auch die für die Baumwollfaser charakteristischen Schraubenwindungen. An den schiefen Biegungen fallen die Zellwände ebenfalls, aber nur auf eine kurze Strecke – wie bei einem Schlauche – zusammen.

Die Wände der Zellen sind ungemein zart, in weit höherem Grade als bei der Baumwollfaser oder gar bei der Leinfaser. Die betreffende Faser läßt sich daher viel leichter zerreißen als die beiden letzteren und wird aus gleichem Grunde von Säuren rascher zerstört.

Diese geringere Festigkeit (vielleicht auch die geringere Neigung zu schraubenförmigen Windungen) möchte das Verspinnen der genannten Faser auf unseren Maschinen wohl etwas erschweren. (Polytechnisches Centralblatt, 1866 S. 75.)

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Es scheinen die den Samen umgebenden Haare aus der Frucht einer Asclepiasart (Seidenpflanze) zu seyn.

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