Titel: Ueber die Graphite von Brunn-Taubitz bei Krems in Niederösterreich; von Carl Ritter v. Hauer.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1866, Band 180/Miszelle 6 (S. 323–325)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj180/mi180mi04_6

Ueber die Graphite von Brunn-Taubitz bei Krems in Niederösterreich; von Carl Ritter v. Hauer.

Ueber das Vorkommen der Graphite in Niederösterreich, auf denen sich zur Zeit ein Bergbau mit etwa 30 Feldmassen Belehnung bewegt, hat bereits Czjzek ausführliche |324| Mittheilungen gemacht. Was speciell die Bergbau-Unternehmung bei Brunn-Taubitz anbelangt, ist hervorzuheben, daß dieselbe zwei Hauptlager in Angriff genommen hat, deren Mächtigkeit außerordentlich wechselt. Nicht selten übersteigt die Mächtigkeit eine Klafter, dann verdrückt sich aber das Lager bis auf einige Zoll, oder zertrümmert sich in zahllose kleine Adern, worauf oft wieder rasch eine bedeutende Mächtigkeit folgt. Eben so wechselnd wie die Mächtigkeit ist auch die Beschaffenheit des Graphites. Von dem feinsten, leicht zerreiblichen, fettig anzufühlenden Graphite kommt derselbe in den mannichfaltigsten Varietäten bis zur größten Härte vor. Von letzterem wird gegenwärtig in einem Versuchsstollen, wo der Graphit über eine Klafter mächtig ansteht, mittelst Sprengarbeit gewonnen. Dieser sehr compacte Graphit ist aber nicht wesentlich aschenreicher, sondern liefert nach dem Zerreiben und Schlämmen ein gut brauchbares Product. Was den Gehalt an Kohlenstoff – die wichtigste Frage bezüglich der Qualität – anbelangt, so beträgt er nach den angestellten Versuchen 50–83 Procent in allen Abstufungen, und zwar bezogen auf den Graphit in seinem natürlichen Zustande. Die meisten Sorten gleichen daher vollkommen den besten böhmischen Graphiten.

Die durchschnittliche Zusammensetzung der Asche ist folgende:

51,49 Procent Kieselerde,
17,63 Thonerde,
15,00 Eisenoxyd,
9,88 Kalkerde,
5,76 Magnesia.
–––––
99,76 Procent.

Ein Versuch, mit ungefähr zwei Pfunden ausgeführt, ergab, daß sich durch Salzsäure: Eisenoxyd, Kalk und Magnesia, und durch nachherige Behandlung mit Aetznatron: Thonerde und Kieselerde zum größten Theile leicht ausziehen lassen. Daraus geht hervor, daß das Silicat, welches die Hauptmasse der Asche bildet, leicht zersetzbar ist. Es ist damit die Möglichkeit gegeben, aus diesen Graphiten Raffinaden von ausgezeichneter Reinheit darzustellen. Durch Schmelzen dieses Graphites mit kohlensaurem Natron und Auslaugen mit Wasser und Salzsäure wurde ein Product erzielt, dessen Kohlenstoffgehalt 98 Procent betrug. Um die Asche des Graphites so weit zu extrahiren, bedarf es in der Regel weit schwierigerer Operationen und kostspieligerer Reagentien. Nach den bisher gemachten Erfahrungen erfordert nämlich die Darstellung eines Graphites von so hoher Reinheil eine Behandlung mit Chlorgas in hoher Temperatur, und eine solche mit Flußsäure. Wenn statt dieser Agentien mit Natron und Salzsäure ein ähnliches Resultat erzielt wurde, so ist dieß speciell der günstigen Constitution der Aschen dieser Graphite zuzuschreiben. Es scheint demnach für die Graphit-Industrie, wenn sie sich nicht wie bisher in Oesterreich darauf beschränken will, den Graphit bloß zu zerreiben oder höchstens noch zu schlämmen, wodurch für die Reinigung desselben wenig gewonnen wird, die Frage über die leichtere oder schwierigere Zerlegbarkeit der Asche wichtiger, als die bezüglich der absoluten Menge derselben in dem natürlichen Vorkommen. Die Localitäten, an welchen sich Graphit von hoher Reinheit im Naturzustande vorfindet, sind wenig zahlreich, und die zu erzielende Gesammtausbeute an allen Orten des Vorkommens sehr untergeordnet. Für die Gewinnung größerer Quantitäten reinen Graphites erübrigt also nur das Mittel, die minder reinen Sorten, welche in größeren Massen gewonnen werden könnten, wirksameren Raffinirprocessen zu unterziehen als bisher, das ist, die Reinigung nicht bloß auf mechanischem, sondern eine solche auch auf chemischem Wege zu beginnen. Die Graphit-Industrie muß mit einem Worte es aufgeben, sich auf den Verkauf von Roh- oder geschlämmter Waare zu beschränken, sondern muß feinere Graphitsorten wirklich fabriciren. Je nach den Zwecken, zu welchen die Sorten dienen sollen, ist selbstverständlich eine mehr oder weniger weit gehende chemische Reinigung erforderlich. Es ist dieses der Weg, welchen neuerlichst die Gewerke zu Brunn-Taubitz einzuschlagen versuchten, und damit ist eine rationelle Industrie mit diesem Artikel im eigentlichen Sinne begonnen.

Durch den Schlämmproceß, welcher in manchen Fällen ganz Außerordentliches bezüglich der Trennung von gemengten Bestandtheilen leistet, wird für die Reinigung des Graphites aus mehrfachen Gründen wenig erzielt. Erstlich ist die Differenz in dem specifischen Gewichte der Asche und jenem der graphitischen Kohle oft sehr gering. Ferner ist die Mengung von Asche und Kohle häufig eine viel innigere, als im Allgemeinen |325| vorausgesetzt wird. Wird solcher Graphit auch auf das Allerfeinste zerrieben, so hängt gleichwohl dem kleinsten Ständchen ein entsprechendes Quantum Asche an, und es ist klar, daß in einem solchen Falle der Schlämmproceß völlig wirkungslos bleiben muß. Directe Versuche zeigten, daß durch den allersubtilsten Schlämmproceß Graphiten, denen Asche innig beigemengt ist, von letzterer auch nicht ein Procent entzogen werden kann. Um viel weniger ist ein Resultat demnach von den im Großen zumeist in höchst primitiver Weise ausgeführten Schlämmungen zu erwarten.

Die Anwendung chemischer Manipulationen zur Reinigung des Graphites wird den Export in diesem Artikel, der bis jetzt fast allein von Böhmen aus betrieben wird, auch für andere inländische Bergbau-Unternehmungen ermöglichen. Für die in Rede stehenden Baue in Niederösterreich dürfte aber ein solches Unternehmen um so leichter durchführbar seyn, da erstlich das natürliche Vorkommen theilweise von Natur aus schon hochwerthig ist, anderseits aber die Raffinirung, wie gezeigt wurde, sich als mit geringen Schwierigkeiten ausführbar zeigte. Durch Reinigung auf chemischem Wege läßt sich endlich aus unseren österreichischen Graphiten mit nicht allzu großen Kosten ein Product erzielen, welches sich wie irgend ein anderes zur Bleistift-Fabrication eignet; seit dem Versiegen der Graphitgruben in Cumberland bestand das Vorurtheil, daß für Bleistift-Fabrication nur mehr der böhmische Graphit geeignet sey. Wie ungerechtfertigt diese Ansicht ist, zeigt aber zur Evidenz das Resultat des angeführten Versuches mit den Graphiten von Brunn-Taubitz, aus welchen mit Leichtigkeit die Äsche bis auf den geringen Rückstand von 2 Proc. entfernt werden konnte. – Vorgetragen in der Sitzung der k. k. geologischen Reichsanstalt am 6. Februar 1866. (Oesterreichische Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen, 1866, Nr. 12.)

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