Titel: Verfahren, künstlich gefärbte Rothweine von ächten zu unterscheiden.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1866, Band 180/Miszelle 9 (S. 491–492)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj180/mi180mi06_9
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Verfahren, künstlich gefärbte Rothweine von ächten zu unterscheiden.

Da der Verbrauch von gefärbten und somit gefälschten Rothweinen ein sehr beträchtlicher ist, so will ich, um solchem Betruge etwas steuern zu helfen, nicht mehr länger mit der Veröffentlichung eines Mittels zurückhalten, welches gefärbten Rothwein von ächtem schneller und wohl auch sicherer zu unterscheiden gestattet, als die bisher zu diesem Zweck angegebenen Methoden, und das ich schon im Jahre 1860 entdeckt habe. Es ist dieß das Eisenchlorid. Bringt man etwas Eisenchlorid zu einer Lösung der schwarzen Kirschen oder Heidelbeeren, oder dem Safte der schwarzen Malven, so färben sich diese Lösungen violett mit bald mehr röthlicher, bald mehr blauer Nüance, und diese Reaction ist sehr empfindlich. Besonders schön zeigte sich dieselbe mit dem Safte der Malvenblüthen, aber auch der Kirschsaft und die mit verdünntem Spiritus ausgezogenen getrockneten Heidelbeeren färbten sich sehr intensiv. Es ist diese Reaction in mit solchen Substanzen gefärbtem Weine ebenfalls sehr deutlich und sehr leicht zu unterscheiden von ächtem Rothwein, welcher bei Zusatz von etwas Eisenchlorid sich braunroth färbt; jedoch übt der Säuregehalt des Weines Einfluß auf die Reaction aus, denn von verschiedenen weißen Weinen, die ich mit Heidelbeersaft gefärbt habe, erhielt ich mit Eisenchlorid verschiedene Nüancen.

Die bläulichgraue Färbung der von Hrn. Prof. Böttger mit Salzsäure behandelten Schwämme beim Eintauchen in gefärbten Rothwein119) kann jedenfalls nur Spuren eines Eisengehaltes der Schwämme zu verdanken seyn, der durch Salzsäure noch nicht ausgezogen worden war, und auch die nach der Methode des Hrn. Apothekers Blume in Berlin erhaltene Lösung120) kann ihre Färbung nur einem Eisengehalte der angewendeten Substanzen zu verdanken haben.

Beiläufig bemerke ich noch, daß die blaue Färbung des Mundes beim Genusse schwarzer Kirschen und Heidelbeeren ebenfalls nur vom Eisengehalte des Blutes herrühren kann, indem sie durch die Endosmose hervorgerufen wird. Adam Philipps zu Ginsheim. (Kurze Berichte über die neuesten Entdeckungen, Erfindungen etc.)

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Polytechn. Journal Bd. CLXXII S. 157.

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Polytechn. Journal Bd. CLXX S. 240.

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