Titel: Stammer, über Anwendung von kaltem und heißem Wasser zum Absüßen der Filter.
Autor: Stammer, Karl
Fundstelle: 1866, Band 181, Nr. XXXIX. (S. 147–150)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj181/ar181039

XXXIX. Ein Vergleichsversuch über die Anwendung von kaltem und von heißem Wasser zum Absüßen der Filter in Zuckerfabriken; von Dr. C. Stammer.

Bei meinen früheren Versuchen über die Absüßung der Filter mit kaltem oder heißem Wasser (s. dieses Journal Bd. CLXI S. 54) ist ein wesentliches Moment nicht berücksichtigt worden, nämlich die relative Menge des zur Erreichung des Zweckes nothwendigen Wassers, womit denn auch das Verhältniß des für eine bestimmte im Absüßwasser enthaltene Zuckermenge zu verdampfenden Wassers zusammenhängt. Außerdem war in der vermehrten Genauigkeit der jetzigen Untersuchungsmethoden, namentlich in Bezug auf den Zuckerverlust in der abgesüßten Kohle, Veranlassung geboten, jene Versuche, wenn auch weniger eingehend, nochmals zu wiederholen. Bei denselben war es die Absicht, außer den erwähnten auch noch einige andere Umstände festzustellen, so namentlich den Verlust an Zucker in dem im Filter zurückbleibenden Wasser u.s.w.

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Benutzt wurde ein Filter von etwa 76 Kubikfuß Inhalt, entsprechend rund 50 Ctr. Knochenkohle Füllung, welches in beiden Fällen zum Filtriren von Dünnsaft von beiläufig 10 Proc. gedient hatte. Beim Absüßen wurde, bei einer bestimmten Schwere anfangend, das Süßwasser bis zum Beschluß der Arbeit besonders aufgefangen, und zum Vergleiche eine Probe des unmittelbar vorher gelaufenen Filtersaftes zurückgestellt. Die erhaltenen Resultate sind aus der nachfolgenden Uebersichtstabelle zu entnehmen; dieselben stimmen mit den früher erhaltenen entsprechenden21) hinreichend gut überein, wenn man die Verschiedenheit der Untersuchungsobjecte sowie der Methoden in Betracht nimmt. In Bezug auf letztere ist Folgendes zu bemerken:

Die Bestimmung des Zuckergehaltes der zur Untersuchung gekommenen sehr verdünnten Lösungen geschah so, daß diese in großen flachen Kupferschalen sehr rasch und ohne die Siedehitze zu erreichen, auf ein geringes Volumen gebracht und dann polarisirt wurden. Die abgesüßte Kohle wurde zur Ermittelung des Zuckerverlustes in ähnlicher Weise untersucht, wie dieß früher (a. a. O. S. 135) angegeben ist. Die Resultate aller Ermittelungen dürfen, weil mit der größten Sorgfalt und unter möglichst gleichförmigen Umständen vorgenommen, als zuverlässig für den vorliegenden Vergleichsfall gelten, so daß man in jedem anderen Falle auf wenig abweichende Unterschiede wird zählen können.

Zu bemerken ist noch, daß die Ermittelung des Gewichtes der Knochenkohle offenbar gegenüber dem Rauminhalte des Filters nur von untergeordneter Bedeutung ist. Dasselbe wechselt sehr nach der Beschaffenheit der Kohle, und es wäre also gewiß wünschenswerth, wenn bei allen Angaben über die Filtration stets statt des Gewichtes der Kohle, der Inhalt der Filter, welcher sich leicht genau ermitteln läßt, zu Grunde gelegt würde. Natürlich muß bei Bestimmungen, welche procentische in Bezug auf das Gewicht der Kohle sind, auch ein bestimmtes Kohlengewicht in Rechnung gezogen werden; dasselbe muß dann in jedem Falle möglichst genau ermittelt und für jedes gleiche Filter mit gleicher Kohle gleich groß angenommen werden.

Hiernach lasse ich in Kürze die hauptsächlichsten Untersuchungsergebnisse folgen; die Saftgewichte gelten natürlich für kalten Saft; der Natur der Sache nach war es schwierig in beiden Fällen bei genau derselben Schwere abzuschneiden; der Vergleich wird aber dadurch wenig beeinträchtigt.

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Textabbildung Bd. 181, S. 149

Hieraus ergeben sich unschwer folgende Schlußfolgerungen, wobei zu bedenken, daß geringe Unterschiede in die Grenzen der Untersuchungsfehler fallen und daß das Absüßen bei dem heißen Wasser etwas früher begann als bei dem kalten:

1) Das Absüßen mit heißem Wasser ergab auch hier eine bedeutende Verschlechterung des gewonnenen Productes, das mit kaltem Wasser nicht.

2) Von heißem Wasser braucht man nur etwa 60 Procent der bei kaltem erforderlichen Menge.

3) Die zu verdampfende Wassermenge beträgt bei kaltem Wasser auf gleiches Gewicht Zucker fast das Doppelte derjenigen bei heißem Wasser.

4) Der Rückhalt an Zucker in dem Filterwasser sowie in der Kohle ist in beiden Fällen gleich groß.

5) Ob diese Schlüsse für Absüßung von anderen Filtern, als solchen für Dünnsaft oder mit Dünnsaft herausgedrücktem Dicksaft, gleiche Geltung besitzen, muß der Entscheidung specieller Versuche noch überlassen bleiben.

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Hieraus dürfte sich in jedem speciellen Falle, je nachdem man mehr die Qualität oder die Quantität der Süßwasser berücksichtigen will, sowie je nach der weiteren Verarbeitung oder Verwendung derselben (z.B. zum Verdünnen des Rübenbreies, zum Maischen der Preßlinge u.s.w.), die in der Praxis zu befolgende Methode leicht ergeben. Ganz allgemeine Regeln hierfür lassen sich begreiflicher Weise nicht ableiten.

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A. a. O. und dieses Journal Bd. CLXX S. 134.

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