Titel: zur Rieden, Linien-Umschalter für Telegraphen.
Autor: Nieden, J. zur
Fundstelle: 1866, Band 181, Nr. LXXI. (S. 260–262)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj181/ar181071

LXXI. Linien-Umschalter für Telegraphen; von J. zur Nieden, Baumeister zu Berlin.

Aus der Zeitschrift des deutsch-österreichischen Telegraphen-Vereins, Bd. XII S. 145.

Mit Abbildungen auf Tab. V.

Die Construction der zur Combination der Telegraphenapparate mit den Leitungen, sowie auch der Leitungen unter einander dienenden Linien-Umschalter ist seit der Entstehung der Telegraphie im Wesentlichen dieselbe geblieben. Einige versuchte Aenderungen fanden keinen Eingang, weil sie theils die Herstellung der Umschalter schwieriger machten, theils durch von den Schienen losgelöste Metalltheilchen Nebenschließungen veranlaßten.

Ein Hauptmangel dieser Umschalter liegt in der Isolation der Befestigungsschrauben, welche sich der unmittelbaren Beobachtung durch das Auge vollkommen entzieht und die Entdeckung entstandener Fehler erschwert. Ein zweiter Uebelstand liegt in den geringen Zwischenräumen, welche zwischen je zwei Stäben bestehen, weßhalb leicht durch feuchten Staub, Bleistiftspitzen etc. Nebenschließungen eintreten können, und nur durch Abschrauben der oberen Schiene sich beseitigen lassen. Endlich haben diese Umschalter wegen der großen Metallmasse ein bedeutendes Gewicht; es wiegt nämlich ein Umschalter für 30 und 50 Schienen 3 1/2 Ctr.

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Der Verfasser hat sich nun seit längerer Zeit für die Construction neuer Umschalter die Aufgabe gestellt:

  • 1) die Metallmasse ist zu verringern und somit das Gewicht der Apparate auf ein Minimum zu bringen;
  • 2) die isolirende Masse ist zu vergrößern und somit die Gefahr der Nebenschließungen möglichst zu beseitigen;
  • 3) den Verbindungsstücken ist eine solche Form zu geben, daß die Bohrungen vermieden werden und somit der Preis der Apparate möglichst ermäßigt wird.

So entstand nach vielen mißglückten Versuchen der hier zu beschreibende Umschalter. Derselbe besteht aus zwei Lagen sich kreuzender Holzschienen, welche mit ihren Enden auf einem Holzrahmen befestigt und außerdem, wie aus Fig. 3 zu ersehen ist, an den Kreuzungspunkten unter sich durch Nieten vielfach verbunden sind, so daß dadurch ein festes, nur aus isolirenden Theilen bestehendes Gitter gebildet wird. In den Gitterstäben sind Bohrungen angebracht und durch letztere blanke Kupferdrähte gezogen, welche mit ihren Enden an Klemmen befestigt werden, so daß durch diese eine Verbindung mit den Leitungen und den Apparaten leicht hergestellt werden kann. Die Verbindung zweier Drähte wird durch Spiralfederklemmen hergestellt; letztere bestehen (Fig. 6) aus einem an beiden Seiten mit einem Haken versehenen Metallstück a, a, welches von seinem unteren Ende aus auf mehr denn die Hälfte seiner Länge aufgeschlitzt ist. In diesem Schlitz bewegt sich ein Kloben b theilweise in dem Schlitz, theilweise mittelst des lose durch den oberen Haken gehenden Stiftes c geführt und durch eine Spiralfeder nach unten gedrückt. In Fig. 6a ist die Spiralfederklemme so gezeichnet, als ob dieselbe im Umschalter sich befindet; ebenso sind die beiden verbundenen Drähte eingezeichnet. Wird die Klemme aus dem Umschalter herausgenommen, so dehnt sich die Spiralfeder aus und der Kloben sinkt so weit herunter, daß sich der Kopf des Führungsstiftes c auf den oberen Haken legt. Die Herstellung der Verbindung geschieht in folgender Weise: Die Klemme wird mit dem Einschnitt über den oberen Draht geschoben und die Spiralfeder so weit zusammengedrückt, daß mit dem unteren Haken der kreuzende Draht erfaßt werden kann. Ist dieß geschehen, so drückt, wenn man die Klemme loslöst, die Spiralfeder den Kloben gegen den oberen, den Haken gegen den unteren Draht und bildet so die Verbindung. Aus dem Gesagten geht hervor, daß die Spiralfeder der einzige Theil des Apparates ist, welcher durch den Gebrauch leiden kann. Es ist aber die Tüchtigkeit der Spiralfeder nicht allein leicht zu controliren, sondern es zwingt auch die Construction der Klemme den Beamten, bei jeder Aenderung der |262| Verbindung diese Controle auszuüben. Eine schadhafte Spiralfeder kann aber leicht durch eine neue ersetzt werden, indem man nämlich den Führungsstift c aus dem Kloben heraus schraubt und alsdann eine Auswechselung der Feder vornimmt.

Der Apparat hat auch noch auf gleiche Weise, wie andere Schienenumschalter, eine Vorrichtung zum Ausschalten, wie sie für Uebertragungsstationen erforderlich ist, erhalten, welche in Folgendem beschrieben werden soll: An den oberen Klemmen sind die Leitungen, rechts und links Uebertragungen und Reserven, und unten die Apparate angebracht. Die erwähnte Einrichtung ist aus Fig. 3, welche eine der unteren Ecken darstellt, sowie aus Fig. 4 zu ersehen. Die oberen Drähte enden nämlich in der letzten Holzschiene d, d; zwischen dieser und der vorletzten Schiene, und zwar in derselben Ebene mit den unteren Drähten, befinden sich kleine Querstücke e mit Verbindungsstücken f, f, welche nach den Klemmen führen. Wird zwischen dem oberen Draht und dem Querstück eine Federklemme in der oben beschriebenen Weise eingefügt, so ist die betreffende Leitung mit dem zugehörigen Apparat verbunden; diese Verbindung ist mithin die normale. Soll die Leitung auf Uebertragung verbunden werden, so ist die normale Verbindung zu lösen und die Klemme nach dem betreffenden Punkt des Umschalters zu versetzen.

Fassen wir nun zum Schluß die Hauptvortheile dieser Umschalter zusammen, so bestehen dieselben erstens darin, daß die Zwischenräume zwischen je zwei Drähten sehr groß sind und somit Nebenschließungen und Störungen nicht vorkommen können, selbst wenn der Apparat durch Temperaturwechsel die größten Veränderungen erlitte, und daß zweitens die Preisdifferenz eine sehr bedeutende ist. Ein gewöhnlicher Apparat von 24 und 24 Leitungen mit Ausschaltungen kostet circa 150 Thlr.; der hier beschriebene, obwohl aus freier Hand vergeben, kostet nur 53 Thlr., und wird sich dieser Preis, wenn mehrere Apparate zugleich in Submission gegeben werden, jedenfalls nicht unbedeutend verringern. Bei größeren Apparaten gestaltet sich dieses Verhältniß noch günstiger; so z.B. würde nach der Construction des Verf. der für 48 und 96 Leitungen eingerichtete Linienumschalter der Berliner Centralstation, welcher 1560 Thlr. gekostet hat, für circa 325 Thlr. sich herstellen lassen. Bei kleineren Apparaten schwindet diese Differenz mehr und mehr, so daß bei 10 und 10 Leitungen die Preise ungefähr gleich seyn werden, wobei jedoch nicht außer Acht zu lassen ist, daß die bessere Isolirung auch hier für die Anwendung dieser Apparate spricht.

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