Titel: Ueber die vollständige Entfernung des unterschwefligsauren Natrons aus den photographischen Abdrücken.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1866, Band 181/Miszelle 9 (S. 77–78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj181/mi181mi01_9

Ueber die vollständige Entfernung des unterschwefligsauren Natrons aus den photographischen Abdrücken.

Das einzige Mittel, das unterschwefligsaure Natron aus den Abdrücken zu entfernen, war bis jetzt: möglichst sorgfältiges Auswaschen. Wer einigermaßen die Einrichtungen der photographischen Ateliers kennt, weiß, wie wenig Aufmerksamkeit meistens diesem Proceß geschenkt wird. Wenn auch nicht mehr wie früher die Bilder stundenlang in demselben Wasser bleiben – man hat die praktische Erfahrung gemacht, daß sie dadurch gelb werden – so sind doch oft die mit dem Auswaschen betrauten Personen nicht gewissenhaft genug, die Controle wird unterlassen, den fertigen Bildern ist |78| nicht anzusehen, ob sie gut gewaschen sind oder nicht, man läßt sie also gehen, unbekümmert darum, ob sie nächstens das gelbe Fieber bekommen.

Es ist daher die endlich gelungene Auffindung eines anderen bequemeren und mehr Sicherheit versprechenden Mittels als eine sehr bedeutende Verbesserung des Copirprocesses zu betrachten. Dr. Angus Smith schlägt das Wasserstoffsuperoxyd (HO²) vor. Dieser Stoff ist bekanntlich ein kräftiges Oxydationsmittel, er verwandelt, wie Dr. Smith gezeigt, das unterschwefligsaure Natron, indem er ihm Sauerstoff zuführt, in schwefelsaures Natron, welches wahrscheinlich auf den Abdruck keinen schadlichen Einfluß ausübt. Diese Umwandlung läßt sich leicht nachweisen durch Prüfung der Mischung von unterschwefligsauer Natronlösung und Wasserstoffsuperoxyd mittelst eines Barytsalzes. Es entsteht ein weißer Niederschlag, der Schwefelsäure anzeigt, während die Lösung ohne Wasserstoffsuperoxyd mit Barytlösung klar bleibt.

Sehr nett ist auch das im British Journal mitgetheilte Experiment. Man löse in einem Weinglas etwas schwefelsaures Natron und setze einige Tropfen Jodtinctur hinzu. Die Flüssigkeit bleibt farbig, weil schwefelsaures Natron kein Jod löst.

In ein anderes zur Hälfte mit Wasser gefülltes Weinglas tröpfle man so viel Jodtinctur, daß die Flüssigkeit rothweinfarben wird: dann tröpfle man so lange schwache Auflösung von unterschwefligsaurem Natron hinzu, bis sich die Färbung vollständig verliert, vermeide aber möglichst einen Ueberschuß von Natronsalz. Dieser Versuch zeigt, daß Jod in unterschwefligsaurem Natron löslich ist. Nachdem man aber das Glas mit einer wässerigen Lösung von Wasserstoffsuperoxyd aufgefüllt, bemerkt man, daß die Mischung wieder die anfängliche Rothweinfarbe annimmt, Dieß erklärt sich so: die mit dem Natron verbundene unterschweflige Säure (S²O²) wird durch das Wasserstoffsuperoxyd zunächst in schweflige Säure (SO²) und dann in Schwefelsäure (SO³) verwandelt. Die Säure bleibt natürlich stets an das Natron gebunden. Schwefelsaures Natron aber besitzt nicht die Eigenschaft der unterschwefligsauren Salze, Jod auszulösen.

Das Wasserstoffsuperoxyd enthält doppelt so viel Sauerstoff als das Wasser; es ist gleichsam oxydirtes Wasser, wie es sein Erfinder Thénard auch genannt hat. Es ist eine farblose ölige Flüssigkeit, welche die Haut angreift, Farben bleicht, zusammenziehend schmeckt und eigenthümlich riecht. Da das zweite Aequivalent Sauerstoff sehr schwach gebunden ist, so wirkt es äußerst kräftig oxydirend. Man bereitet es durch Behandlung von Baryumsuperoxyd mit verdünnter Salzsäure. Der beim Auflösen freiwerdende Sauerstoff wird durch das Wasser absorbirt und verwandelt dasselbe in Wasserstoffsuperoxyd. Der in Lösung befindliche Baryt wird dann durch Schwefelsäure ausgefällt. Dieselbe Procedur wird so lange wiederholt, bis das Wasser mit Sauerstoff gesättigt ist.

Man taucht die Bilder, nachdem sie sorgfältig ausgewaschen wurden, in eine sehr verdünnte Auflösung von Wasserstoffsuperoxyd. Die geeignetsten Verhältnisse wären noch festzustellen. Dr. Smith macht darauf aufmerksam, daß das käufliche Präparat meistens sauer ist und kurz vor dem Gebrauch durch Zusatz von etwas Soda entsäuert werden sollte, damit es die Bilder nicht bleicht. (Photographisches Archiv, Mai 1866, S. 185.)

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