Titel: Erprobtes Mittel gegen Ameisen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1866, Band 181/Miszelle 11 (S. 160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj181/mi181mi02_11

Erprobtes Mittel gegen Ameisen.

Zu den Plagen, welche der Sommer mit sich führt, gehören in vielen Häusern auch die Ameisen, namentlich in solchen, welche dicht an einen Garten stoßen oder darin stehen. Letzteres ist bei mit der Fall, und schon seit mehreren Jahren hatten sich jene Thiere ganz besonders in der Speisekammer eingenistet, weil sie hier mehr als anderswo ihren Hang nach Süßigkeiten befriedigen konnten.

Hinstellen von Syrup, Honig u. dgl. an eine Stelle, um sie alle dahin zu locken und zu ersäufen, half sehr wenig, denn sobald auch ein süßes Gebäck vorhanden war, suchten sie fast ausschließlich nur dieses auf.

Ich beschloß nun den entgegengesetzten Weg einzuschlagen, nämlich die Ameisen, statt herbeizulocken, zu vertreiben, hoffte diesen Zweck durch eine flüchtige riechende Substanz zu erreichen, wählte als möglichst billige das gereinigte, zum Brennen dienende Petroleum, und fand meine Erwartung bald auf das Beste bestätigt. Nachdem nämlich eine gewöhnliche Obertasse, in welcher sich etwa 3 Loth Petroleum befanden, einige Tage auf dem Fußboden der Speisekammer gestanden hatte, waren sämmtliche Ameisen ganz verschwunden. Dieses Mittel kann ich daher wegen seiner Wirksamkeit, aber auch wegen seiner Billigkeit und Unschädlichkeit empfehlen.

Da ich nicht zweifle, daß nach Hinwegnahme des offenen Gefäßes mit dem Petroleum die Ameisen sich allmählich wieder einstellen werden, so lasse ich dasselbe während des ganzen Sommers auf dem Fußboden des Locals stehen und gieße, wenn das meiste Petroleum verdunstet ist, wieder davon auf. Von Unkosten kann dabei keine Rede seyn, denn der Bedarf per Sommer übersteigt kaum 1/4 Pfund, und dieses kostet etwa 6 kr.

Da die Verdunstungsfläche des Petroleums in der Obertasse klein ist und die Verdunstung selbst nur langsam erfolgt, so hat man durchaus keine Feuersgefahr davon zu befürchten, und kann selbst in die Nähe des Gefäßes ein brennendes Licht halten, ohne daß Entzündung erfolgt.

Dr. Wittstein.

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