Titel: Künstliche Vogelnester.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1866, Band 181/Miszelle 11 (S. 240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj181/mi181mi03_11

Künstliche Vogelnester.

Ueber den Nutzen, welchen insectenfressende Vögel für die Landwirthschaft besitzen, berichtete Emil Burnat vor längerer Zeit der Société industrielle in Mülhausen40) und empfiehlt die Pflege derselben allen Landbesitzern. Hauptsächlich nisten die Raupen- und insectenfressenden Vögel in Astlöchern oder ähnlichen, in alten Bäumen vorkommenden Höhlungen. Dieß sind namentlich die Meisenarten (Parus), Spechte (Picus viridis), Klettervögel (Cethia, Sitta europaea) und hauptsächlich die Staare (Sturnus vulgaris), welche letzteren die Larven der Maikäfer in großen Mengen verzehren. Die meisten der eben genannten Vögel befreien die Bäume von den Käfern und Larven, welche sich unter der Rinde oder auf den Blättern aufhalten, und vertilgen außerdem die Eier und Raupen von Schmetterlingen, welche den Winter überdauern.

Seit zwanzig Jahren hat schon August Burnat, der Vater, auf seinem Besitze bei Vevey künstliche Nester angebracht und nie nöthig gehabt irgendwelche Raupenlese zu veranstalten, während seine Bäume und Gewächse keinen Schaden durch Raupenfraß erlitten, die Vögel überheben ihn dieser Arbeit.

Die ersten Nester waren aus Holz construirt und hatten solche Einrichtung, daß sie leicht angehängt werden konnten und den Vögeln Schutz vor eindringendem Regen gewährten; diese künstlichen Nester waren so hergerichtet, wie die auch bei uns vielfache Anwendung findenden Staarenkästen. Seit neuerer Zeit jedoch läßt der genannte Herr die Nester aus Steingut anfertigen, welches von Außen glasirt ist. Die Form derselben ist die eines Cylinders, an dessen einem Ende seitlich ein Flugloch angebracht ist. Auf der Oberfläche des Cylinders, der selbstverständlich an beiden Enden verschlossen ist und fast einer Botanisirkapsel gleicht, sind einige erhabene Knöpfe angebracht, welche das Herabgleiten der Drähte verhindern, welche an den Cylinder gelegt werden und dazu dienen, denselben an den Aesten zu befestigen. Auch ist es zu empfehlen, die künstlichen Nester an einer Latte zu befestigen, welche zwischen die Zweige gelegt wird. Nothwendig ist es das Nest so anzubringen, daß es vor den Einflüssen des Windes geschützt ist. Diese künstlichen Nester aus Steingut werden gerne von den Vögeln bewohnt, mit Ausnahme der Spechte. Man bezieht dieselben bis jetzt aus Bern von dem Steingutfabrikant Hrn. Lutz, der jedoch nicht unter hundert Stück auf einmal verkauft und sich jedes Nest mit 1 Fr. 15 Cent. bezahlen läßt. Die Länge der Nester beträgt 45 Centimeter, der Durchmesser 12 Centimeter. (Hamburger Gewerbeblatt, 1866, Nr. 26.)

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Bulletin de la Société industrielle de Mulhouse, Mai 1866, S. 206.

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