Titel: Die Fabrication der Zuckercouleur, nach Dr. Ed. Aßmuß.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1866, Band 181/Miszelle 10 (S. 334–335)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj181/mi181mi04_10

Die Fabrication der Zuckercouleur, nach Dr. Ed. Aßmuß.

Ein unentbehrlicher Artikel für die Liqueur- und Essigfabrikanten, sowie für Bierbrauer, ist die sogenannte Zuckercouleur, da das Publicum einmal daran gewöhnt ist, den Rum, Essig etc. braun zu erhalten. Trotz des ungeheuren Consums von Couleur existiren aber zur Zeit in Deutschland erst 3, in Oesterreich 1 Couleurfabrikant, und wird die Fabrication als Geheimniß angesehen. Es ist daher Allen, die sich für diesen noch einer großen Ausdehnung fähigen Fabricationszweig interessiren, ein Schriftchen zu empfehlen, welches Dr. Ed. Aßmuß, Chemiker in Leipzig, kürzlich darüber veröffentlicht hat69) und aus dem wir nachstehend einige Punkte hervorheben. Als Geheimniß der Couleurfabrikanten bezeichnet Aßmuß zunächst die Verwendung des billigen Traubenzuckers statt Raffinade, Melis etc., sowie für Essigcouleur den Zusatz von kohlensaurem Ammoniak zum Zucker, um die Couleur ausnehmend intensiv und feurig zu machen.

Es existiren überhaupt nur 2 Arten Couleur, die Rumcouleur, die sich nicht ohne Trübung im Essig löst, und die Essig- und Biercouleur, die sich nicht ohne Trübung im Alkohol löst, die beide aber sich klar im Wasser lösen. Das Wesentliche der Couleurfabrication besteht darin, daß man Zucker unter Zusatz von Soda, Aetznatron, Potasche oder Aetzkali, oder, wie bei der Darstellung der Essigcouleur, von kohlensaurem Ammoniak in einem metallenen Gefäß über freiem Feuer so lange kocht, bis sich der Zucker in eine dunkelbraune, fast schwarze, aufgeblähte Masse verwandelt hat, worauf eine gewisse Menge kochenden Wassers allmählich zugegeben wird. Der Alkalizusatz bezweckt einmal die Farbe kräftiger, d.h. intensiver, dunkler zu machen, andererseits aber |335| die kleine Menge Humussäure, die sich fast stets zu Ende des Couleurkochens bildet, in Auflösung zu erhalten und so eine Trübung der Couleur zu verhindern. Beim Kochen kann das Feuer anfangs, damit der Zucker schneller schmilzt, ziemlich stark seyn und so lange verstärkt gehalten werden, als der Zucker noch eine helle oder fuchsrothe Farbe zeigt; sowie derselbe aber eine dunkelbraune Farbe und stechende graue Dämpfe entwickelt, muß das Feuer gemäßigt und die Masse im Kessel beständig umgerührt werden. Beim Kochen der Essigcouleur, die einen Zusatz von kohlensaurem Ammoniak erfordert, wird die Masse sehr bald dunkel, ohne daß jedoch die Couleur das baldige Fertigwerden verräth. Man hat sich dann nach der Entwickelung des stechenden, grauen Dampfes zu richten; wenn dieser in ansehnlichen Wolken aufsteigt, mäßigt man sofort das Jener. Ist die Couleur fertig gekocht, so gießt man Wasser in einem sehr dünnen Strahl unter fortwährendem Rühren zu. Aus einem Centner Traubenzucker erhält man ebensoviel Couleur, gleichviel ob Rum- oder Essigcouleur.

Zur Bereitung von Rumcouleur bringt man 4 Pfd. krystallisirtes kohlensaures Natron oder 3 Pfd. Aetznatron in den Kessel, übergießt mit der doppelten Gewichtsmenge Wasser, macht unter dem Kessel Feuer an und gibt, nachdem das Salz aufgelöst ist, wobei das verdampfende Wasser nach und nach wieder zu ersetzen ist, 120 Pfd. Traubenzucker oder 130 Pfd. Traubenzuckersyrup zu. Nach dem Fertigkochen gießt man 30 bis 40 Pfd. weichen heißen Wassers in feinem Strahl zu.

Zur Bereitung von Essigcouleur bringt man 120 Pfd. Traubenzucker oder 130 Pfd. Syrup in den Kessel, macht darunter Feuer an, setzt 6 Pfd. in der gleichen Gewichtsmenge Wasser gelöstes kohlensaures Ammoniak zu und läßt nach dem Fertigkochen 30–40 Pfd. Wasser zu. (Deutsche Industriezeitung, 1866, Nr. 23.)

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Die Fabrication der Zuckercouleur-, Rum-, Essig- und Biercouleur; von Dr. Eduard Aßmuß. Berlin, 1866. Verlag von J. Springer. Preis 15 Sgr.

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