Titel: Ueber das Verhalten des Kupfers und Silbers zu den Auflösungen der arsenigen, schwefligen, selenigen und phosphorigen Säure; von H. Reinsch.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1866, Band 181/Miszelle 5 (S. 332–333)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj181/mi181mi04_5

Ueber das Verhalten des Kupfers und Silbers zu den Auflösungen der arsenigen, schwefligen, selenigen und phosphorigen Säure; von H. Reinsch.

Ich habe früher nachgewiesen,68) daß das metallische Kupfer für die schweflige Säure das empfindlichste Reagens ist, und daß die Schwärzung des Kupfers, welche man öfters wahrnimmt, wenn dasselbe mit verdünnter Schwefelsäure oder Salzsäure gekocht wird, häufig von einem geringen Gehalt an schwefliger Säure herrührt. Diese Reaction könnte leicht zur Vermuthung Veranlassung geben, als ob jene Säuren mit Arsenik verunreinigt seyen, allein das Verhalten des durch schweflige Säure mit Schwefelkupfer überzogen wordenen Kupfers beim Glühen in einer Glasröhre ist so bestimmt und sicher, daß eine Verwechselung des durch arsenige Säure und schweflige Säure entstandenen Beschlags ganz unmöglich ist; erstere verflüchtigt sich nämlich beim Erhitzen des Probedrahtes in einer Glasröhre vollständig als arsenige Säure, welche sich an den Wänden der Glasröhre in Form eines krystallinischen Pnlvers ansetzt, während das Kupfer glänzend hell metallisch erscheint; der durch schweflige Säure hervorgebrachte Beschlag hingegen bleibt unverändert, selbst nach dem stärksten Glühen der Glasröhre, und haftet im Gegentheil nach dem Glühen so fest auf dem Kupfer, daß er sich nicht mehr mit den Fingern abreiben läßt.

Ich habe früher gleichfalls nachgewiesen, daß sich das Kupfer gegen eine mit Salzsäure angesäuerte Lösung von antimoniger Säure ganz so wie gegen die arsenige Säure verhält. Da aber jetzt auch zuweilen Salzsäure und Schwefelsäure mit seleniger Säure verunreinigt vorkommen, so wollte ich auch das Verhalten des Kupfers gegen letztere kennen lernen.

Kocht man einen blanken Kupferdraht in verdünnter Salzsäure und setzt hierauf einen Tropfen seleniger Säure hinzu, so wird das Kupfer sogleich schwarz beschlagen; läßt man die Flüssigkeit einige Zeit über dem Kupfer stehen, so färbt sie sich hellroth, von ausgeschiedenem Selen. Diese Reaction ist so empfindlich, daß die geringsten Mengen Selens auf diese Weise erkannt werden können. Bringt man hierauf den mit Selenkupfer beschlagenen Kupferdraht aus der Flüssigkeit, so blättert sich der Beschlag leicht ab; erhitzt man den Draht dann in einer Glasröhre, so erhält man einen metallisch glänzenden schwarzen Beschlag von Selenkupfer, und das Kupfer erscheint nach dem Glühen dunkel bleigrau. Ganz in derselben Weise verhält sich ein Silberdraht. Gegen schweflige Säure verhält sich der Silberdraht genau wie der Kupferdraht und ist ein ebenso empfindliches Reagens, wie letzterer auf schweflige Säure. Beim Glühen in einer Glasröhre wird der beschlagene Silberdraht mit einer festsitzenden Schicht von Schwefelsilber überzogen.

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Bringt man in verdünnte Salzsäure ein Stück Kupferdraht und Silberdraht, erhitzt zum Kochen und setzt nun einen Tropfen einer verdünnten Lösung von arseniger Säure zu, so beschlägt sich das Kupfer sogleich mit Arsenik, während das Silber glänzend hell erscheint, erst nach längerem Kochen der Flüssigkeit wird das Silber etwas matt und bedeckt sich mit einzelnen graulichen Arsenikflecken. Dieses Verhalten eignet sich vortrefflich, um arsenige Säure und schweflige Säure in einer Flüssigkeit zu unterscheiden. Bringt man in verdünnte Salzsäure zu gleicher Zeit einen Kupfer- und Silberdraht, erhitzt hierauf zum Kochen und setzt einige Tropfen phosphorige Säure hinzu, so verändert sich anfangs weder das Kupfer, noch das Silber, erst nach Verlauf einer Viertelstunde erhält das Kupfer eine schwache dunklere Färbung, während das Silber unverändert bleibt. Gegen Antimon verhält sich das Silber in einer mit Salzsäure angesäuerten Lösung wie gegen Arsenik. (Neues Jahrbuch für Pharmacie, Bd. XXV S. 204.)

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Polytechn. Journal Bd. CLXIII S. 286.

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