Titel: Gewebe mit unzerstörbaren Zeichnungen nach Art des Utrechter Sammet.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1866, Band 181/Miszelle 4 (S. 411)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj181/mi181mi05_4

Gewebe mit unzerstörbaren Zeichnungen nach Art des Utrechter Sammet.

Hr. Trotry-Latouche ließ sich am 3. Juli 1862 ein Verfahren patentiren, um Gewebe mit Zeichnungen zu erzeugen, die denen auf ungepreßtem Sammet ähnlich sind und zu Möbelstoffen dienen sollen. Das Verfahren, nach welchem diese neuen Gewebe erhalten werden, läßt sich auch für die Fabrication von Hüten benutzen, wenn dieselben aus einem animalischen oder vegetabilischen Stoffe bestehen. Erste Operation. Man bringt das Gewebe, den Hut oder die Mütze unter eine Rauhmaschine oder kardirt mit der Hand, so daß möglichst viele Haare des Stoffes heraus stehen. Man rauht zuerst in einer Richtung, dann in der entgegengesetzten, und wiederholt dieses Verfahren noch einige Mal, bis der Stoff möglichst veloutirt ist; hierauf wird derselbe mit der Maschine oder der Hand mittelst Schere etwas geschoren. Das Rauhen und Scheren muß zwei bis drei Mal wiederholt werden, ehe der Stoff ein sammetartiges Aussehen bekommt und für die nachfolgenden Operationen sich eignet. Zweite-Operation. Um die Zeichnung auf dem Gewebe hervorzubringen, bedient man sich flacher, gravirter Kupferplatten; dieselben werden unter eine hydraulische Presse gegeben, die innen mit Dampf erwärmt wird, und der Stoff mit der veloutirten Seite auf die Kupferplatte gebracht, die keine Farbe enthält. Auf der Rückseite des Stoffes gibt man ein Kissen aus Wolle und setzt die Presse in Thätigkeit, wodurch der Stoff in die Gravirung der Kupferplatte eingepreßt wird. Hüte oder Mützen, welche auf gleiche Weise wie der Stoff veloutirt wurden, kann man nicht auf dieselbe Weise behandeln, da die Anwendung flacher Kupferplatten nicht möglich ist; man wendet für diese Formen an, welche auf der inneren Seite gravirt sind. Man gibt die Hüte in diese Formen, und mit Hülfe eines Kautschukpfropfes, den man in das Innere des Hutes gibt, kann man den Stoff in die Gravirungen der Form hineinzwängen. Man läßt die hydraulische Presse auf den Kautschukpfropf wirken, und indem sich der Kautschuk nach allen Richtungen ausdehnt, erfüllt er den gewünschten Zweck. Dritte Operation. Wenn das zweite Verfahren beendigt ist, wird der Stoff die gravirten Zeichnungen in Reliefs darstellen. Zu den Geweben bedient man sich dann eines Cylinders aus Bimstein oder einer mit Glaspulver oder Schmirgel überzogenen Walze, gegen welche man den Stoff drückt und durch dessen rasche Umdrehung man einen Theil des erhaltenen Reliefs wegnimmt. Es ist natürlich, daß der Cylinder dabei sich mit großer Schnelligkeit bewegt und bis 600 Umdrehungen in der Minute macht. Hüte oder Mützen muß man auf dem Cylinder hin und her führen, damit der gewünschte Theil des Reliefs abgeschliffen werde. Die Stoffe oder die Hüte werden dann stark geschlagen, um allen Staub aus ihnen zu entfernen. Vierte Operation. Nachdem dich geschehen ist, setzt man den Stoff durch 7 oder 8 Minuten der Wirkung von Wasserdampf aus. Auf diese Weise wird der Stoff wieder vollkommen Leben gewinnen und die Wirkung des Pressens verschwinden, worauf die Zeichnung hervortritt. Die von dem Cylinder benagten Theile haben kein Haar, während auf anderen Theilen die Haare aufsteigen und die Stoffe dadurch ganz das Aussehen gepreßten Sammets erhalten. (Neueste Erfindungen.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: