Titel: Vorschlag zur Herstellung einer bleifreien Glasur für die ordinären Töpferwaaren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1866, Band 181/Miszelle 6 (S. 488–489)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj181/mi181mi06_6

Vorschlag zur Herstellung einer bleifreien Glasur für die ordinären Töpferwaaren.

Das gewöhnliche zum Kochen dienende Töpfergeschirr ist bekanntlich mit einer Glasur versehen, welche durch Zusammenschmelzen von Bleiverbindungen (Bleiglätte [Silberglätte] oder Bleiglanz) mit Thon, Sand etc. hergestellt wird. Der k. württembergischen |489| Centralstelle für Handel und Gewerbe gebührt das Verdienst, durch ausgedehnte Untersuchungen, welche sie veranlaßte, von Neuem die Aufmerksamkeit auf das Gesundheitsgefährliche der gewöhnlichen Töpferglasur hingelenkt zu haben. Es ist durch zahlreiche, gewissenhaft angestellte Versuche die schon länger bekannte Thatsache constatirt worden, daß gewisse Flüssigkeiten – Obstsaft und mit Essig gesäuerte Speisen – beim Kochen oder längeren Stehen das Blei der Glasur in Lösung bringen und dadurch natürlich die betreffenden Speisen mit einem heimtückischen Gifte imprägniren.

Die Verwendung der Bleiverbindungen zu den Glasuren hat vorzüglich darin seinen Grund, daß die bleihaltigen Glasuren leicht schmelzbar sind, mithin wenig Brennmaterial erfordern, daß sie ferner sich der Ausdehnung des gewöhnlichen Töpferthons, namentlich in der Wärme, leicht anpassen lassen, so daß sie beim Kochen nicht abspringen – mit anderen Worten, daß sich die Bleiglasuren leicht von demselben Ausdehnungscoefficienten herstellen lassen, welchen die Töpfermasse selbst besitzt.

Soll nun die von der Gesundheitspflege der Technik gestellte Aufgabe, das ordinäre Töpfergeschirr mit einer bleifreien und billigen Glasur zu versehen, gelöst werden, so muß natürlich die neue Glasur alle die vorher erwähnten Eigenschaften der Bleiglafur besitzen. Man hat schon verschiedene Vorschläge in dieser Richtung gemacht, ohne ein entscheidendes Resultat zu erzielen. Die Anstellung geeigneter und entscheidender Versuche kann nur bei einem wirklichen Töpfereibetrieb (nicht etwa im Laboratorium) geschehen, was, wie wohl nicht weiter hier auseinandergesetzt zu werden braucht, mit den größten Schwierigkeiten verbunden ist. Nichts destoweniger wollen wir folgenden Vorschlag zur geneigten Berücksichtigung empfehlen.

Eine bleifreie Glasur für ordinäre Töpferwaaren ließe sich vielleicht durch ein aus kieselsaurem Natron oder Kali und borsaurem Kalke bestehendes Glas herstellen.

Die Glasur könnte wohl einfach aus einer Wasserglaslösung, in welche der natürliche (südamerikanische) borsaure Kalk eingerührt würde, bereitet werden.

Wie schon bemerkt, können nur im Großen angestellte und für jede Thonsorte speciell eingerichtete Versuche über die Brauchbarkeit der Mischung entscheiden.

Dr. Wiederhold.

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