Titel: Fischer, über die Natur des Goldpurpurs.
Autor: Fischer, J. C.
Fundstelle: 1866, Band 182, Nr. XXXVII. (S. 129–139)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj182/ar182037

XXXVII. Historische und praktische Untersuchungen über die Natur des Goldpurpurs; von J. C. Fischer.

(Schluß von S. 40 des vorhergehenden Heftes.)

C. Eigene Untersuchungen.

Bei Betrachtung der bisher mitgetheilten Untersuchungen über den Goldpurpur wird man unschwer die Ueberzeugung gewinnen, daß derselbe einer endgültigen Entscheidung über seine Constitution noch entgegensieht. Dieß bewog mich zu der im Folgenden mitgetheilten Arbeit.34)

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Vorerst schritt ich zur genauen Anfertigung der nöthigen Metallsolutionen von bestimmtem Gehalte, nämlich einer Goldchloridlösung, einer Zinnchlorürlösung und einer Zinnchloridlösung. Letztere glaubte ich nämlich ebenfalls nöthig zu haben, was sich aber später als irrig erwies.

Goldchloridlösung. 3,410 Gramme Ducatengold wurden in einer Mischung von 25 Grm. Salzsäure von 1,13 specifischem Gewicht und 8 Grm. Salpetersäure von 1,33 gelöst, die Lösung so lange erwärmt, bis die Entwickelung salpetriger Dämpfe ganz aufgehört hatte, hierauf mit dem fünffachen Volum Wasser verdünnt, die dadurch ausgeschiedene höchst geringe Menge Chlorsilber (worin 0,010 Grm. Silber) abfiltrirt und das Filtrat so weit mit Wasser verdünnt, daß es 340 Kubikcentimeter betrug. Jeder Kub. Cent. dieser Goldlösung enthielt mithin 0,010 Grm. (10 Milligramme) Metall.

Zinnchlorürlösung. 10 Grm. reines Zinn wurden mit 50 Salzsäure von 1,13 so lange warm digerirt, bis keine Einwirkung mehr wahrzunehmen war, dann mit dem doppelten Volum Wasser vermischt, das nicht gelöste Metall ausgewaschen, getrocknet und gewogen. Es betrug 1,850 Grm., folglich hatten sich 8,150 Grm. aufgelöst. Die Lösung wurde durch Verdünnen mit Wasser auf 407,5 K. C. gebracht, so daß nun jeder K. C. derselben 0,020 Grm. (20 Milligramme) Metall enthielt.

Zinnchloridlösung. 5 Grm. Zinn wurden mit so viel Salzsäure von 1,13 heiß behandelt, bis alles Metall verschwunden war; man bedurfte 30 Grm. Nun fügte man neuerdings 30 Grm. Salzsäure, sowie 10 Grm. Salpetersäure von 1,33 hinzu, setzte die Digestion fort, bis eine herausgenommene Probe sich gegen Goldchlorid indifferent verhielt, und brachte schließlich das Ganze durch Verdünnen mit Wasser auf 500 K. C. 1 Kub. Cent. dieser Lösung enthielt demnach 0,010 Grm. (10 Milligramme) Metall.

I.

Unter der Annahme, daß, wie Figuier angibt, im reinen Goldpurpur auf 1 Aeq. Gold 3 Aeq. Zinn zugegen sind, würden auf 100 Gewichtstheile Gold fast 90 Gewichtstheile Zinn kommen, denn das Aequivalent des Goldes ist 197, das des Zinnes 58, und 197 verhalten sich zu 3 × 58 = 174 nahezu wie 100 zu 90.

Es wurden daher zunächst 10 Kub. Cent. Goldlösung (worin 100 Milligrm. Gold) mit 10 K. C. Wasser verdünnt, und mit einem Gemisch von 4,5 K. C. Zinnchlorürlösung (worin 90 Milligrm. Zinn) und 4,5 K. C. Wasser versetzt. Es entstand sofort eine tief und rein purpurrothe |131| Färbung, aber von einer Ausscheidung war nicht das Mindeste wahrzunehmen.

Eine Probe der Mischung wurde erst mit dem fünffachen, dann mit dem zehnfachen Volum Wasser verdünnt, blieb aber klar.

Eine zweite Probe zum Kochen erhitzt, ließ einen tief purpurnen flockigen Niederschlag fallen, blieb aber noch hellroth.

Eine dritte Probe verdünnte man erst mit dem Zehnfachen Wasser und erhitzte sie dann zum Kochen; sie entfärbte sich jetzt unter Abscheidung eines purpurfarbigen Niederschlags ziemlich vollständig.

a) Jetzt wurde die ganze Mischung mit dem zehnfachen Volum Wasser verdünnt und eine Viertelstunde lang gekocht. Es erfolgte eine sehr reichliche Ausscheidung, und nachdem man Alles einer eintägigen Ruhe überlassen hatte, erschien die überstehende Flüssigkeit vollständig farblos. Die Ausscheidung sammelte man auf einem gewogenen Filter, wusch sie so lange mit Wasser aus, bis dieses keine saure Reaction mehr annahm, und ließ sie dann an einem dunkeln Orte bei gewöhnlicher (Sommer-) Temperatur trocknen.

Eine kleine Probe der Ausscheidung hatte man aber gleich nach dem Waschen noch feucht in 10procentigen Ammoniakliquor gebracht und damit geschüttelt. Anscheinend erfolgte Lösung, denn die Flüssigkeit erschien bald purpurroth und klar; allein es mußte doch nur eine feine Suspension seyn, denn bei längerem (über 8 Tage dauerndem) Stehen lagerte sich eine purpurrothe Masse ab, und in demselben Maaße verringerte sich die Farbe der Flüssigkeit, bis sie endlich ganz verschwunden war.

Der auf dem Filter befindliche Purpur betrug, nachdem er (bei gewöhnlicher Temperatur) keinen Gewichtsverlust mehr erlitt, 226 Milligrm. Befanden sich darin beide angewandte Metalle vollständig (100 + 90 Milligrm.), so machte die Gewichtszunahme an Sauerstoff und Wasser 36 Milligrm. aus. Er sah nun in Masse schwärzlich-purpurn aus, bildete ziemlich harte Stücke, wurde beim Zerreiben im Achatmörser merklich heller, und nahm, wenn man ein ganz kleines Partikelchen anhaltend und stark drückte, einen deutlichen Goldglanz an. Mit dem Pulver stellte man noch folgende qualitative Versuche an:

Ammoniakliquor damit geschüttelt, blieb ohne alle sichtbare Einwirkung.

Salpetersäure von 1,17 veränderte bei gewöhnlicher Temperatur die Farbe des Purpurs um ein Geringes in's Hellere.

Salzsäure von 1,13 wandelte langsam schon bei gewöhnlicher Temperatur, schneller in gelinder Wärme, die Farbe des Purpurs in eine zimmtbraune um, so daß derselbe nunmehr gerade so aussah wie mit |132| Eisenvitriol präcipitirtes Gold. Die abfiltrirte salzsaure Flüssigkeit gab mit Ammoniak einen starken weißen, mit Schwefelwasserstoff einen starken rein gelben Niederschlag. Der zimmtbraune, gewaschene und getrocknete Absatz nahm beim Drücken sofort den schönsten Goldglanz an. – Die Salzsäure hatte folglich dem Purpur Zinnoxyd entzogen, und der ungelöst gebliebene Antheil des Purpurs bestand aus metallischem Golde.

In Königswasser löste sich der Purpur ziemlich rasch und vollständig mit goldgelber Farbe auf.

b) Die bei dem Sammeln des Purpurs zuerst erhaltene saure Flüssigkeit wurde in drei Theile getheilt, der eine mit Schwefelwasserstoffwasser, der andere mit Eisenvitriollösung und der dritte mit Quecksilberchloridlösung versetzt, aber in keinem Falle eine sichtbare Veränderung wahrgenommen. Sie enthielt also nichts Metallisches mehr, alles angewandte Gold und Zinn befanden sich in dem Purpur.

II.

10 Kub. Centim. Goldlösung wurden mit Wasser auf 100 K. C., andererseits 4,5 K. C. Zinnchlorürlösung mit Wasser auf 45 K. C. verdünnt, und beide rasch mit einander vermischt. Es entstand bald eine schwärzlich-purpurne flockige Ausscheidung; nach einer halben Stunde hatte sie sich bereits gut abgelagert, die darüber stehende Flüssigkeit besaß aber noch eine dunkel weinrothe Farbe. Nach weiteren zwölf Stunden war die Farbe der Flüssigkeit schon bedeutend blasser geworden, und man schritt nun zur Filtration.

a) Der Niederschlag wurde nach sorgfältigem Auswaschen probweise unter dem Mikroskope bei 300maliger Vergrößerung beobachtet und zeigte sich da als amorphe, verschieden gestaltete, meist birnförmige, gleichartig blaß purpurne, durchscheinende, 0,0045 Millimeter dicke Körner.

Lufttrocken wog der Niederschlag dießmal 260 Milligrm. Von dem Präparate I war er äußerlich kaum zu unterscheiden, wurde auch beim Zerreiben heller, nahm beim Drücken Metallglanz an, und stimmte nicht minder in seinem Verhalten zu Ammoniakliquor, Salpetersäure, Salzsäure und Königswasser mit jenem überein.

b) Die von dem Niederschlage getrennte, noch schwach röthliche Flüssigkeit konnte durch kurzes Sieden völlig farblos erhalten werden, indem sich die letzte Spur Purpur ausschied und durch Filtriren trennen ließ. Das Filtrat verhielt sich, wie in I, gegen Schwefelwasserstoff, Eisenvitriol und Quecksilberchlorid indifferent.

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III.

100 Kub. Centim. Goldlösung verdünnte man mit Wasser auf 500 K. C., ferner 45 K. C. Zinnchlorürlösung auf 225 K. C., und vermischte beide rasch. Es erfolgte allerdings gleich eine Trübung, aber erst nach Verlauf von 5 Stunden war ein geringer Absatz zu bemerken; da jedoch selbst nach 12 Stunden noch keine Klärung eingetreten war, erhitzte man das Ganze zum Kochen, was auch rasch zu dem gewünschten Ziele führte. Der Niederschlag war tief und schön purpurroth, die überstehende Flüssigkeit farblos; lufttrocken wog er 2064 Milligrm., und beim Drücken nahm er Metallglanz an.

a) 500 Milligrm. des lufttrockenen Purpurs verloren durch Aussetzen einer Temperatur von 100° C. 41 Milligrm.; bis zu 120° C. gieng nur noch 1 Milligrm. fort, und als man hierauf Glühhitze einwirken ließ, entstand ein abermaliger Verlust von 26 Milligrm. Im Ganzen hatte sich also das Gewicht um 68 oder 13,6 Proc. vermindert.

Farbe und sonstiges Ansehen des Präparates hatten sich durch dieses Erhitzen nicht verändert. Unter dem Mikroskope gab sich aber ein merklicher Unterschied von dem lufttrockenen Präparate kund, denn es erschien nicht mehr homogen, sondern als ein Gemenge von theils einzelnen, theils zu zwei bis drei oder mehreren zusammenhängenden, ziemlich runden durchscheinenden Kügelchen von graugrünlich-weißer Farbe und von schwarzvioletten, unförmlichen Theilchen.

b) 500 Milligrm. wurden mit Salzsäure von 1,13 übergossen. Schon nach einigen Minuten erschien die Farbe des Präparats nicht mehr purpurn, sondern zimmtartig. Nach eintägigem Stehen bei gewöhnlicher Temperatur wurde mit Wasser verdünnt und filtrirt.

Das saure Filtrat erlitt durch Eisenvitriol, Quecksilberchlorid und Goldchlorid keine Veränderung, aber durch Schwefelwasserstoff eine starke gelbe Trübung.

Der von der Salzsäure nicht gelöste Antheil des Präparates sah nach dem Auswaschen und Trocknen schon deutlich goldfarbig aus und wurde beim Drücken vollständig goldglänzend. Geglüht wog er 196,4 Milligrm. Verdünntes Königswasser löste ihn sofort bis auf ein wenig eines gelbweißen Pulvers von Zinnoxyd; die Solution lieferte durch Fällen mit Eisenvitriol 188,5 Milligrm. metallisches Gold. Folglich waren dem von der kalten Salzsäure nicht gelösten Antheile des Präparates noch 7,9 Milligrm. Zinnoxyd beigemengt gewesen.

c) 200 Milligrm. wurden mit Salpetersäure von 1,17 einen Tag lang kalt digerirt und dann filtrirt.

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Das Filtrat erlitt weder durch Quecksilberchlorid, noch durch Schwefelwasserstoff eine Veränderung, aber beim Verdunsten hinterließ es doch einen höchst geringen gelblichweißen Rückstand, zwischen welchem ein schwach violetter Ueberzug der Schale durchschimmerte. Die obwohl klar und (fast) farblos aussehende Flüssigkeit mußte also wohl ein wenig Purpur mit durch das Papier geführt haben, der nun beim Verjagen der Säure zum Theil in seine Bestandtheile – Zinnoxyd und Gold – zerfiel.

Heiße Salpetersäure entzog dem mit der kalten Säure behandelten Purpur nichts mehr.

Der nunmehrige Rückstand wog nach dem Trocknen bei 100° C. 171 Milligrm. Man extrahirte ihn heiß mit Salzsäure, und erhielt durch Fällen dieser Lösung mit Ammoniak, Auswaschen und Trocknen des dadurch entstandenen weißen Niederschlags, 72 Milligrm. Zinnoxyd. Das Ammoniak hatte aber eine Spur Zinnoxyd gelöst gelassen, denn als man die ammoniakalische Flüssigkeit mit Salzsäure wieder ansäuerte und Schwefelwasserstoff hinzufügte, bildeten sich allmählich einige gelbe Flocken von Zinnsulfid, welche noch 0,75 Milligrm. Zinnoxyd lieferten. Das Zinnoxyd betrug also zusammen 72,75 Milligrm.

Der mit Salzsäure extrahirte Antheil obiger 171 Milligrm. wog 80,5 Milligrm. und wurde als metallisches Gold in Rechnung gebracht. Der Rest = 17,75 Milligrm. muß daher Wasser seyn.

Die erhaltenen Zahlen von Gold, Zinnoxyd und Wasser stehen ungefähr in dem stöchiometrischen Verhältnisse von 2 Aeq., 5 Aeq. und 10 Aeq.; allein die vorhergegangene Behandlung des Präparates mit Salpetersäure, wodurch das ursprüngliche Verhältniß gestört worden war, macht jenes unannehmbar, und dann kommt noch hinzu, daß, wie erst spätere Versuche ergaben, dem Präparate durch Behandlung mit Salzsäure nicht alles Zinn entzogen werden kann.

d) 400 Milligrm. Purpur wurden direct einige Stunden mit Salzsäure von 1,13 heiß digerirt, etwas Wasser zugemischt, filtrirt, der Rückstand gewaschen, getrocknet und geglüht.

Sämmtliches Filtrat, mit Ammoniak übersättigt, gab einen weißen, feinflockigen, voluminösen Niederschlag, der 180,5 Milligrm. Zinnoxyd lieferte. Aus der ammoniakalischen Flüssigkeit erhielt man durch Ansäuern mit Salzsäure, Einleiten von Schwefelwasserstoff und Glühen des entstandenen Zinnsulfids noch 3,5 Milligrm. Zinnoxyd.

Der von der Salzsäure unangegriffen gebliebene Antheil des Purpurs, jetzt ein zimmtfarbiges, theilweise schon an und für sich metallglänzendes, aber beim Drücken sofort reinsten Goldglanz annehmendes Pulver, wog nach dem Glühen 160,2 Milligrm. Beim Behandeln mit verdünntem |135| Königswasser hinterließ es 8,2 Milligrm. gelbweißes Zinnoxyd ungelöst und die Solution lieferte durch Fällen mit Eisenvitriol 152 Millgrm. Gold.

Nach Abzug der drei Gewichte Zinnoxyd und des Goldes von 400 bleiben 55,8 Milligrm. für das Wasser, was der Wasserbestimmung in a) nahe kommt.

Die gefundenen Zahlen stehen nicht allzu fern von der Formel Au + 3 SnO² + 8 HO, wie folgende Berechnung zeigt.

Gefunden. Aequivalente. Berechnet.
Gold 152,0 1 160,5
Zinnoxyd 192,2 3 181,3
Wasser 55,8 8 58,2
––––––– –––––––
400,0 400,0.

Um nicht mißverstanden zu werden, bemerke ich ausdrücklich, daß mit der eben aufgestellten Formel keine chemische Verbindung des metallischen Goldes mit dem Zinnoxyde gemeint seyn soll.

IV.

50 Kub. Cent. Goldlösung wurden mit Wasser auf 500 K. C., andererseits 15 K. C. Zinnchlorürlösung auf 150 K. C. und 15 K. C. Zinnchloridlösung ebenfalls auf 150 K. C. gebracht, die beiden Zinnlösungen erst vereinigt, und diese Mischung dann der Goldlösung allmählich hinzugesetzt. Anfangs verschwand der im ersten Momente des Zusatzes der Zinnlösung jedesmal entstandene Niederschlag immer wieder, bis etwa die Hälfte der letzteren verbraucht war. Hierbei gieng die goldgelbe Farbe der Flüssigkeit zunächst in das Graugelbe, dann in das Graubraune, Tiefbraune über, zuletzt wurde sie ganz undurchsichtig, und als alle Zinnlösung zugegossen war, erschien sie tief purpurn. Eine herausgenommene Probe zeigte nach dem Verdünnen mit Wasser eine schöne Purpurfarbe, aber noch nicht die mindeste Trübung. Eine andere Probe, unverdünnt zum Kochen erhitzt, ließ einen purpurfarbigen Niederschlag fallen und entfärbte sich gleichzeitig. Die Gesammtmenge der Flüssigkeit wurde indessen nicht zum Kochen erhitzt, sondern an einem dunklen Orte der Ruhe überlassen. Nach zwei Tagen fand man sie ganz trübe, aber nicht rein purpurn, sondern schmutzig kermesbraun und an mehreren Stellen der Wand des Glascylinders war eine häufige Ausscheidung von metallischem Golde unverkennbar. Man schritt nun zum Sammeln des Ausgeschiedenen auf einem Filter.

Die abfiltrirte Flüssigkeit lief anfangs röthlich, später aber blaß goldgelb durch. Letztere gab mit Schwefelwasserstoff eine dunkelbraune Trübung, mit Eisenvitriol eine blaue Färbung, welcher allmählich ein |136| feiner brauner Niederschlag folgte. Die Flüssigkeit enthielt folglich freies Goldchlorid.

Der Inhalt des Filters war ein Purpur von schmutzigem Ansehen und wog lufttrocken 1077 Milligrm. Beim Drücken zeigte er Goldglanz.

a) 400 Milligrm. hinterließen bei der heißen Behandlung mit Salzsäure einen Rückstand vom Ansehen des präcipitirten Goldes, der geglüht 117,5 Mgrm. wog. Beim Digeriren desselben mit verdünntem Königswasser blieben 8 Mgrm. Zinnoxyd ungelöst; die saure Lösung lieferte durch Fällen mit Eisenvitriol 109,5 Mgrm. Gold.

Obige salzsaure Lösung gab durch Fällen mit Ammoniak, Waschen und Glühen des weißen Niederschlags, 225 Mgrm. Zinnoxyd, und die ammoniakalische Flüssigkeit durch Ansäuern mit Salzsäure, Einleiten von Schwefelwasserstoff und Glühen des erhaltenen Zinnsulfids noch 0,5 Mgrm. Zinnoxyd.

b) 200 Mgrm. verloren bei 100° C. 13 Mgrm., bei 120° weitere 3 Mgrm. und in der Glühhitze abermals 12,5 Mgrm., also im Ganzen 28,5 Mgrm. am Gewicht. Auf 400 Mgrm. treffen dann 57 Mgrm. Das Präparat sah jetzt noch ebenso aus wie vor dem Glühen.

Die gefundenen Mengen Gold, Zinnoxyd und Wasser stehen am nächsten dem Verhältniß von 1 Aeq., 6 Aeq. und 12 Aeq.

Gefunden. Aequivalente. Berechnet.
Gold 109,5 1 106
Zinnoxyd 233,5 6 237
Wasser 57,0 12 57
––––––– ––––––
400,0 400.

V.

100 Kub. Centim. Goldlösung wurden zu 1000 K. C., 31,5 K. C. Zinnchlorürlösung zu 315 K. C. verdünnt und beide Flüssigkeiten rasch vermischt. Hier befanden sich also 30 K. C. Goldlösung im Ueberschuß. Es entstand sofort, wie in II, ein purpurrother Niederschlag, und schon nach einigen Minuten hatte sich derselbe fast ganz vollständig am Boden abgelagert. Die überstehende Flüssigkeit sah jetzt noch hellweinroth aus, nach eintägiger Ruhe war sie jedoch bedeutend blasser geworden, und als man nun zum Filtriren schritt, besaß die zuerst durchgelaufene Flüssigkeit zwar noch einen schwachen Stich in's Röthliche, die weiterhin folgende aber sah rein blaß goldgelb aus. Der Niederschlag wog in lufttrockenem Zustande 1697 Mgrm., und wurde durch Drücken goldglänzend.

a) 400 Mgrm. verloren bei 100° C. 31, bei 120° noch 5, und |137| beim Glühen abermals 17, also im Ganzen 53 Mgrm. Das äußere Ansehen des Präparates hatte dabei keine Aenderung erlitten.

Der Glührückstand wurde mit Salzsäure in heiße Digestion gestellt. Nach einigen Stunden wieder beobachtet, war die dunkle Farbe verschwunden und das Pulver erschien nun als ein Gemenge von Gelbweiß und Zimmtbraun. Durch Zutröpfeln von Salpetersäure brachte man das Gold rasch in Lösung, wobei 196 Mgrm. Zinnoxyd zurückblieben. Aus der Goldlösung wurden durch Fällen mit Eisenvitriol 146 Mgrm. Gold. erhalten.

Addirt man das gefundene Wasser, Zinnoxyd und Gold, so fehlen an 400 noch 5; aber das Verhältniß von Gold, Zinnoxyd und Wasser entspricht nahezu 2 Aeq., 7 Aeq. und 16 Aeq.

Gefunden. Aequivalente. Berechnet.
Gold 146 2 149
Zinnoxyd 196 7 197
Wasser 53 16 54
––––––– –––––––
395 400.

b) 400 Mgrm. wurden direct mit Salzsäure digerirt. Die Solution lieferte, auf die mehrerwähnte Weise behandelt, zusammen wiederum 196 Mgrm. Zinnoxyd und das Gold betrug 148,5 Mgrm. Wird der Verlust = 55,5 Mgrm. als Wasser betrachtet, so entsprechen diese Quantitäten von Gold, Zinnoxyd und Wasser ebenfalls dem Verhältniß von 2 Aeq., 7 Aeq. und 16 Aeq.

VI.

70 Kub. Centim. Goldlösung wurden auf 700 K. C., andererseits 45 K. C. Zinnchlorürlösung auf 450 K. C. gebracht und beide Flüssigkeiten rasch mit einander vermischt. Dießmal befand sich also das Zinnchlorür im Ueberschuß und zwar um 13,5 K. C. Es entstand nur eine tief purpurrothe Färbung, kein Absatz; nach zweitägigem Stehen lagerte indessen ein beträchtlicher purpurrother Niederschlag am Boden und die überstehende Flüssigkeit sah nur noch schwach rosenroth aus, verlor aber nach Verlauf einiger Tage auch diese Nüance und filtrirte vollständig farblos.

Der Niederschlag wog lufttrocken 2192 Mgrm. und nahm, wie alle vorigen fünf, beim Drücken Metallglanz an.

a) 400 Mgrm. verloren bei 100° C. 31, bei 120° noch 3 und beim Glühen abermals 20, also im Ganzen 54 Mgrm. am Gewicht. Der Purpur sah jetzt unbedeutend heller aus als vor dem Glühen |138| Mittelst Königswasser wurde das Gold daraus extrahirt und durch Eisenvitriol gefällt. Es wog 126,5 Mgrm.

b) 400 Mgrm. lieferten durch directe Behandlung mit Salzsäure u.s.w. zusammen 220 Mgrm. Zinnoxyd und 125,5 Mgrm. Gold.

Gold, Zinnoxyd und Wasser stehen hier fast in dem Verhältniß von 1 Aeq., 5 Aeq. und 10 Aeq.

Gefunden. Aequivalente. Berechnet.
Gold 126 1 120
Zinnoxyd 220 5 225
Wasser 54 10 55
–––––––– –––––––
400 400.

Die vorstehenden Beobachtungen und Versuche sind, wie ich glaube, genügend, um sich von dem Vorgange bei der Entstehung des Goldpurpurs und von seiner Natur ein klares Bild zu machen.

Zunächst dürfte es nicht dem geringsten Zweifel mehr unterliegen, daß der Goldpurpur keine Oxydationsstufe des Goldes, sondern metallisches Gold, ferner keine andere Oxydationsstufe des Zinnes als das Zinnoxyd enthält, und der Proceß seiner Bildung durch die beiden Gleichungen

1) AuCl³ + 3 SnCl = Au + 3 SnCl²

2) 3 SnCl² + 6 HO = 3 SnO² + 6 HCl

ausgedrückt werden muß.

Der erste Act besteht also in der Reduction des Goldchlorids zu Metall und zwar in der purpurrothen Modification, unter gleichzeitiger Bildung von Zinnchlorid. Er erfolgt unter allen Umständen, d.h. die Lösungen mögen concentrirt oder verdünnt seyn, aber nur im letzteren Falle erhält man einen Niederschlag, und in der Entstehung desselben liegt zugleich der zweite Act des Processes, nämlich die Zersetzung des Zinnchlorids in Oxyd und Salzsäure durch Wasser. An die Molecüle des Zinnoxydhydrats hängen sich dann die Molecüle des reducirten Goldes wie ein Farbstoff im Gewebe und bilden den Niederschlag.

Es tritt hier der eigenthümliche Umstand auf, daß nicht bloß der reducirte, sondern auch der reducirende Körper herausfällt, jedoch nicht jeder besonders, sondern beide wie ein Lack mit einander vereinigt, indem hier das Zinnoxyd seine bekannte, Farbstoffe anziehende Eigenschaft geltend macht.

Daß Zinnchloridlösung durch viel Wasser in Oxyd und Salzsäure zerfällt, davon kann man sich jeden Augenblick überzeugen. Mitunter |139| erfolgt die Ausscheidung des Oxyds erst nach ein- bis mehrtägigem Stehen, ganz so wie der Goldpurpur bei nicht hinreichender Verdünnung der Flüssigkeit Tage, ja Wochen lang so fein schwebend bleibt, daß man versucht wird, ihn als gelöst anzusehen.

Zinnchlorid hat auf die Erzeugung des Purpurs nicht den geringsten Einfluß, wohl aber ist es, vermöge seiner Zersetzbarkeit durch viel Wasser, geeignet, das Präparat mit Zinnoxyd übermäßig zu belasten (siehe IV).

Obigen Gleichungen zufolge sollte der Purpur auf 1 Aequivalent Gold constant 3 Aeq. Zinnoxydhydrat enthalten; allein da hier keine chemische Verbindung vorliegt, die Quantität des letzteren vielmehr von der Quantität der angewandten Zinnlösung – denn auch die Chlorürlösung wird durch sehr viel Wasser zersetzt und läßt Zinnoxyd fallen, daher das in VI bei Ueberschuß von Zinnchlorürlösung erhaltene Präparat so zinnreich ausfiel – und in letzter Instanz von dem Grade der Verdünnung abhängt, so darf man nur ausnahmsweise ein solches Verhältniß erwarten. Auf die technische Anwendung haben indessen die wandelbaren Mengen von Zinnoxyd im Goldpurpur sicherlich keinen Einfluß.

Zu den Eigenschaften des Goldpurpurs gehört unter Anderem, daß er im frisch erzeugten Zustande sich in Goldsolution löst.

Dagegen muß die Angabe von Berzelius, Bolley, Capaun, Fuchs und Proust, daß der frisch erzeugte Purpur in Ammoniakliquor löslich sey, in Uebereinstimmung mit Buisson und Gay-Lussac als eine irrige bezeichnet werden.

Salzsäure entzieht dem Goldpurpur nicht alles Zinnoxyd; Königswasser löst ihn leicht und vollständig auf. Der geglühte Purpur dagegen gibt an Salzsäure nichts und an Königswasser nur das Gold ab.

|129|

Ausgeführt im Laboratorium von Dr. G. C. Wittstein in München.

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