Titel: Thomsen's Polarisationsbatterie.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1866, Band 182, Nr. CV. (S. 376–377)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj182/ar182105

CV. Die Polarisationsbatterie von Professor Julius Thomsen in Copenhagen.

Mit einer Abbildung auf Tab. VI.

Dieser neue Apparat82) hat den Zweck, die gewöhnlichen galvanischen Batterien zu ersetzen und zwar bei den Anwendungen wo eine hohe elektromotorische Kraft nothwendig ist. Die Elektricitätsmenge wird aus einem einzelnen galvanischen Element entwickelt, dessen Strom, welcher eine große Stärke aber geringe Spannung besitzt, in einen anderen von geringerer Stärke aber hoher Spannung umgeändert wird. Die Art und Weise, wie dieses geschieht, stellt sich aus der folgenden Beschreibung dar.

Figur 28 stellt den Grundriß der Polarisationsbatterie dar. A und B sind zwei Kästen von einem isolirenden Stoff; diese Kästen sind durch verticale Platinplatten p, p, deren drei Kanten in die Wände und in den Boden der Kästen eindringen, in eine Anzahl Zellen getheilt. Der Raum zwischen den Platinplatten wird mit verdünnter Schwefelsäure gefüllt bis zu einigen Millimetern von der oberen Kante der Platinplatten. In der Zeichnung sind 50 Zellen, 25 in jedem Kasten, und demnach im Ganzen 52 Platinplatten.

Zwischen den beiden Kästen steht ein verticaler Ring von isolirendem Stoff; er enthält 50 Metalldrähte e, e in radialer Stellung. Der Draht d ist mit zwei Platinplatten, die eine in A, die andere in B, verbunden; der entgegengesetzte Draht besteht aus zwei gegenseitig isolirten Theilen a und b, von welchen a mit der ersten Platte in A, b mit der letzten Platte in B verbunden ist. Die übrigen 48 Drähte sind jeder mit einer Platinplatte verbunden.

Der Draht a communicirt mit der Klemmschraube a', der Draht b mit der Klemmschraube b', welche demnach die Pole der Batterie bilden.

Die Polarisation der Platinplatten geschieht folgendermaßen. Auf einer verticalen Achse sind die beiden Zweige von Metall m und n |377| gegenseitig isolirt befestigt. Der Zweig m communicirt mit der Klemmschraube f, der Zweig n mit der Klemmschraube g, und diese beiden Klemmschrauben repräsentiren die Pole des galvanischen Elementes durch dessen Strom die Platinplatten polarisirt werden. Die Zweige stehen so weit aus einander, daß stets nur zwei der Metalldrähte e des Ringes mit ihnen in Berührung kommen.

Der polarisirende Strom, welcher aus einem Grove'schen Element entwickelt wird, geht alsdann z.B. von g durch n zur Platinplatte, deren Draht durch n berührt wird, dann durch die Zelle zur nächsten Platinplatte, von dieser durch den Metalldraht nach m und f. Das Wasser der Zelle wird alsdann zersetzt, Sauerstoff und Wasserstoff lagern sich an die Platinplatten.

Durch eine Rotation der Achse werden m und n successiv mit allen Drähten e, e in Berührung gebracht, und dadurch alle Platinplatten polarisirt, indem sich Wasserstoff auf der einen, Sauerstoff auf der anderen Seite jeder Platinplatte ablagert.

Der Strom der Batterie beginnt alsdann und bewegt sich von b' durch B nach d, A und a', wie es die Pfeile in der Zeichnung andeuten, und ohne Schwankungen mit Rücksicht auf Intensität, so lange die Achse mit dem „Dispensator“ m, n regelmäßig rotirt.

Die Rotation der Achse wird durch eine kleine elektromagnetische Maschine erreicht, und die Bewegung so geregelt, daß die Zahl der Rotationen 20 bis 25 in der Minute beträgt.

Die elektromotorische Kraft der Batterie ist proportional der Anzahl Zellen, und die elektromotorische Kraft jeder einzelnen Zelle ist gleich 1,46 Mal der der elektromotorischen Kraft eines Daniell'schen Elementes. Ein Apparat, wie derjenige, welchen die Zeichnung darstellt, enthält 50 Zellen, und er hat demnach eine elektromotorische Kraft von 73 Daniell'schen Elementen.

Die Größe des Apparates ist von der zu erzielenden Wirkung abhängig. Für Linienbatterien der Telegraphenstationen ist ein Querschnitt der Batterie (Größe des wirksamen Theiles jeder Platinplatte) von 20–25 Quadratcentimeter hinreichend.

Solche Apparate sind in der Haupt-Telegraphenstation in Copenhagen in Anwendung gebracht und in den meisten Ländern Europas patentirt worden.

|376|

Hr. Prof. Poggendorff, – dessen Annalen der Physik und Chemie, Bd. CXXIV S. 498 wir die Beschreibung dieses Apparates entnehmen, – bemerkt, daß derselbe nur hinsichtlich der Constructionsart auf Neuheit Anspruch machen kann; in anderer Form habe er denselben, nebst dem ihm zu Grunde liegenden Princip, schon vor länger als 20 Jahren beschrieben (Annalen der Physik, 1843, Bd. LX S. 568 und 1844, Bd. LXI S. 586); auch ist diese Beschreibung bereits vor geraumer Zeit in mehrere Lehrbücher (Müller-Pouillet's Physik, 5. Auflage, und Wiedemann's Lehre vom Galvanismus) übergegangen. A. d. Red.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Tafeln


Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: