Titel: Langen's Vorrichtung zum mechanischen Entleeren der Knochenkohle-Glühöfen.
Autor: Langen, Eugen
Fundstelle: 1866, Band 182, Nr. CXXV. (S. 459–462)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj182/ar182125

CXXV. Beschreibung einer Vorrichtung zum mechanischen Entleeren der Kühlröhren bei den Apparaten zur Wiederbelebung der Knochenkohle; von Eugen Langen in Cöln.

Mit Abbildungen auf Tab. VII.

Die gekörnte Knochenkohle wird bekanntlich in der Zuckerfabrication zum Reinigen und Klären der Säfte benutzt. Es geschieht dieß, indem |460| man die Säfte durch dicke Lagen von Knochenkohle hindurch filtriren läßt, wobei sich die in der Zuckerlösung enthaltenen Unreinigkeiten auf ihr absetzen. Die Kohle büßt hierbei allmählich ihre reinigende Kraft ein, und man muß sie, um ihr diese wieder zu ertheilen und sie so von Neuem benutzbar zu machen, von den von ihr aufgenommenen Stoffen von Zeit zu Zeit befreien. Am besten und wirksamsten geschieht dieß durch Glühen der Kohle bei Abschluß der Luft.

Soll das Glühen seinen Zweck vollständig erfüllen, so müßen die einzelnen Kohlentheilchen der gleichen Glühhitze während einer gleichen Zeit ausgesetzt werden, und dürfen erst dann, wenn sie völlig abgekühlt sind, mit der Luft wieder in Berührung kommen.

Das Glühen der Kohle geschieht fast immer in eisernen Röhren, die von Feuergasen umspült werden. An die einen Enden dieser Glühröhren schließen sich Kühlcylinder an, in welchen die Temperatur der ausgeglühten Kohle wieder so weit abnimmt, daß sie ohne Nachtheil der Luft ausgesetzt werden kann. Die Entfernung der Kohlen aus den Glühcylindern geschieht nun bisher immer durch die Hand eines Arbeiters, der einen am Kühlcylinder angebrachten Schieber von Zeit zu Zeit öffnet und das ihm fertig dünkende Quantum Kohle austreten läßt.

Es hat diese Einrichtung den empfindlichen Uebelstand, daß sie das Verweilen der Kohle im Glührohr und im Kühlcylinder, und damit den ganzen Glühproceß in seinem wichtigsten Momente von der Willkür des Arbeiters abhängig macht. Diese zu beseitigen und das Entleeren der Kühlcylinder durch einen selbstthätigen, leicht regulirbaren Mechanismus zu bewirken, ist der Zweck der neuen Vorrichtung, welche von der besonderen Construction des Glühofens ganz unabhängig ist.

In den beigegebenen Abbildungen sind für einen einzelnen Ofen diejenigen Theile in größerem Maaßstabe dargestellt, welche die neue Vorrichtung bilden. Fig. 14 ist ein Längen- und Fig. 15 ein Querschnitt durch die unteren Enden der 18 zu einem Ofen gehörenden Kühlröhren B. Diese ruhen auf der gußeisernen Platte C auf, welche hierzu auf ihrer oberen Fläche mit angegossenen Leisten versehen ist, zwischen denen die einzelnen Kühlröhren eingepaßt sind. Für jede Kühlröhre hat die Platte C eine dem Querschnitte jener entsprechende Durchbrechung D.

Auf der unteren Fläche hat die Platte C ihrer Längenrichtung nach 8 angegossene Rippen C, wodurch 7 nach unten offene Canäle entstehen. Diese sind noch durch die Querrippen d, welche sich an die Oeffnungen D anschließen, in einzelne Abtheilungen E geschieden, von denen jede durch eine der Oeffnungen D mit einem der Kühlrohre in Verbindung steht.

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Die Rippen c und d sind deutlich aus Fig. 14, 15 und 16 zu ersehen; Fig. 16 ist eine obere Ansicht der Platte C.

In einem Abstande von etwa 9 Linien unter den Rippen c und d der Platte C ist eine gußeiserne Platte F angebracht, von welcher Fig. 17 eine Oberansicht ist. Die Platte F ruht auf vier Rollen G, welche auf Zapfen stecken, die von, an der Platte C angeschraubten Haltern H getragen werden. Auf diese Weise kann die Platte F in ihrer Längenrichtung unter der Platte C um einen gewissen Weg hin und her geschoben werden.

Die Platte F hat, wie besonders aus Fig. 17 zu ersehen ist, 18 sie durchbrechende Oeffnungen J, von denen sich je eine unterhalb einer der Abtheilungen E befindet, welche von der Rippe c und d gebildet werden.

Die Wirkungsweise der beschriebenen Theile ist nun folgende: Wenn die Kühlröhren mit ausgekühlter Kohle gefüllt sind, so sinkt dieselbe durch die Oeffnungen D der Platte C hindurch und lagert sich auf der Platte F auf, indem sie die Abtheilungen oder Kammern E zum Theil anfüllt, wie dieß deutlich aus Fig. 14 zu ersehen ist. Wird jetzt die Platte F um einen kleinen Weg von links nach rechts (Fig. 14) fortbewegt, so nimmt das in jeder Kammer E auf ihr liegende Kohlenquantum an dieser Bewegung nicht nur Theil, sondern es wird während derselben noch neue Kohle aus den Kühlröhren auf die Platte F nachschießen. Wird darauf aber die Platte F um die eben vorwärts gemachte Strecke wieder zurückbewegt, so verhindern die Querrippen d, daß an dieser Rückwärtsbewegung das auf F ruhende Kohlenquantum Theil nehmen kann.

Bei jeder Vorwärtsbewegung von F wird die in den Kammern E befindliche Kohle um ein bestimmtes Quantum vermehrt, welches von der Größe des Querschnittes der Kammern E und des Weges der Platte F abhängt. In Folge hiervon rücken die unteren Theile der Kohlenböschung allmählich und so lange vor, bis ihnen zuletzt bei, er Rückwärtsbewegung (von rechts nach links Fig. 14) der Platte F die in dieser angebrachten Oeffnungen J begegnen, durch welche dann ein bestimmtes Kohlenquantum hindurch fällt, und von einem für jeden Ofen angebrachten Sammelbehälter L aufgefangen wird. Hat auf die beschriebene Weise der Ausfluß der Kohle aus den Kammern, resp. den Kühlröhren einmal begonnen, so wird bei jeder Hin- und Herbewegung der Platte F ein bestimmtes Quantum Kohle entleert.

Es bleibt nun noch zu zeigen, wodurch das regelmäßige Hin- und Hergehen der Platte F bewirkt wird. Zunächst sind die Platten F der sämmtlichen gebräuchlichen vier Oefen durch Zugstangen, welche an |462| Rippen, die an die Platten angegossen sind, angreifen, unter einander verbunden. Es braucht also nur das eine Ende dieser Zugstangen bewegt zu werden, damit die sämmtlichen vier Entleerungsapparate in gewünschter Weise wirksam werden. Als Motor für die Bewegung der Zugstangen ist eine kleine Wassersäulenmaschine gewählt worden, die aus einem in den meisten Fabriken vorhandenen, höher gelegenen Reservoir gespeist wird. Dieser Motor eignet sich für diesen Zweck besonders gut, da er auf die Zugstangen eine fast constante Kraft ausübt, und da auch der Widerstand, welcher sich dem Hin- und Herschieben der Platten F entgegensetzt, nahe constant ist, so müssen dieselben eine annähernd gleichförmige Bewegung annehmen, deren Geschwindigkeit sehr leicht regulirbar ist.

Der beschriebene und durch die Zeichnungen erläuterte Apparat erfüllt daher vollständig den Zweck: die Knochenkohle aus den Kühlröhren auf mechanische und regelmäßige Weise zu entleeren.

Die Einrichtung ist in den größeren deutschen und auch in den meisten Staaten des Auslandes patentirt.

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