Titel: Notiz über die Chlormagnesia (unterchlorigsaure Bittererde) als Bleichmittel; von Dr. P. Bolley.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1866, Band 182/Miszelle 13 (S. 79)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj182/mi182mi01_12

Notiz über die Chlormagnesia (unterchlorigsaure Bittererde) als Bleichmittel; von Dr. P. Bolley.

Man findet nicht selten für das Bleichen zarterer Stoffe die Lösung der Chlormagnesia an der Stelle des entsprechenden Natron-, Kali- oder Kalksalzes oder des Chlorwassers empfohlen, ohne daß angegeben wäre, worin wohl der Vortheil zu suchen sey. Als einfachstes Mittel der Darstellung wird die Fällung klarer Chlorkalklösung durch Bittersalzlösung vorgeschrieben. Durch Einleiten von Chlor in eine wässerige Suspension gebrannter Magnesia kann das bleichende Magnesiasalz auch gewonnen werden; der erstere Weg ist indeß der einfachere und wohl auch der billigere. Um eine Chlormagnesialösung mit einer Chlorkalklösung von gleicher Stärke in ihrem Verhalten vergleichen zu können, habe ich Hrn. Jokisch aus Moskau bestimmt, die folgenden Versuche anzustellen.

Zuerst wurde eine klare Chlorkalklösung dargestellt. Ein gewisses Volum derselben wurde einerseits mit einem gleichen Volum Wasser, anderseits mit einem gleichen Volum Bittersalzlösung unter starkem Schütteln gemischt, so daß nach Absitzenlassen des Gypses gleiche Volumina der beiden Flüssigkeiten gleiche Mengen bleichenden Chlors, was chlorometrisch bestimmbar war, enthielten.

Es wurden nun

1) in gleiche Maaße der stark verdünnten Flüssigkeiten indigblau-gefärbte Stücke von Wollenstoff gebracht und beobachtet, daß die Entfärbung in der Chlormagnesia rascher vor sich ging als im Chlorkalk;

2) gleiche Volumina beider Bleichlösungen wurden in offenen Gläsern drei Tage lang neben einander stehen gelassen und dann chlorometrisch untersucht. Das wirksame Chlor der Chlormagnesia verhielt sich zu dem des Chlorkalkes wie 48 : 65. Die erstere Flüssigkeit war also, sich selbst überlassen, die leichter zersetzbare.

3) Da der Chlorkalk, als Nebenwirkung des Kalkes, beim Bleichen von Stroh eine vorgängige Bräunung hervorbringt, wurde auch Stroh in beiden Flüssigkeiten zu bleichen versucht. Bei Chlormagnesia trat die Bräunung nicht ein, das Stroh bleichte sich etwas schneller und schien auch etwas fester geblieben zu seyn als das im Chlorkalk gebleichte.

Diese nach verschiedenen Richtungen besseren Resultate scheinen zurückführbar zu seyn, theils auf die leichtere Zersetzbarkeit der unterchlorigsauren Magnesia, als des Salzes mit schwächerer Basis, theils auf die Unlöslichkeit der Magnesia in Wasser und das Fehlen der Nebenwirkungen einer ätzenden alkalischen Erde.

Es wurde bei den Versuchen bemerkt, daß Bittersalz vorkommt, das ziemlich viel Mangansalze enthält. In diesem Falle tritt Röthung der Lösung unter Schwächung der Bleichkraft ein. (Schweizerische polytechnische Zeitschrift, 1866, Bd. XI S. 120.)

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