Titel: Ueber die Waschmaschinen für den Hausgebrauch.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1866, Band 182/Miszelle 5 (S. 72–73)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj182/mi182mi01_4a
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Ueber die Waschmaschinen für den Hausgebrauch.

Das Waschen ist eine so mühevolle, zeitraubende und kostspielige Arbeit, daß jede Erleichterung derselben mit Freuden begrüßt werden muß. In England ist für den Comfort im Hauswesen und besonders auch beim Waschen schon viel mehr geschehen als bei uns, doch ist es erfreulich zu hören, daß nach einer Mittheilung des Professors Rühlmann die amerikanischen Waschmaschinen durch Hrn. Schilling in Hannover bereits in 40 Familien eingeführt sind. Für den Hausgebrauch müssen die Waschmaschinen möglichst einfach und billig seyn. Das Reiben der Wäsche mit den Händen wird dabei durch das Reiben an Erhöhungen, Holzleisten, Zinkrippen, bei oscillirender oder wiegender Bewegung, ersetzt. Die Maschinen mit vollständiger Umdrehung haben sich nicht bewährt; es ist daher für den Hausgebrauch besonders die amerikanische Waschmaschine und die Schwing- oder Wiege-Maschine in Betracht zu ziehen. Professor Rühlmann theilt die Gebrauchsanweisung für die Maschine von einer Dame mit: Das Zeug wird Tags zuvor eingeweicht (auf 2 Kiepen Zeug etwa 8 Loth Seife und 2 Loth Soda oder einige Maaß Holzaschen-Lauge), dann werden 4 Herrenhemden oder eine gleiche Quantität anderer Wäsche, mit fast 3 Eimern kochendem Wasser in die Maschine gethan; bei mehr schmutzigem Zeuge mischt man etwas Lauge oder Soda bei. Das Zeug wird dann in der Maschine, durch Hin- und Herführen der Kurbel, ungefähr so lange behandelt, wie das Handwaschen des 4. Theiles desselben Zeit erfordert; dann nimmt man das Zeug heraus, bringt es in anderer Lage wieder hinein und führt die Kurbel wieder hin und her, und dieses geschieht so oft, bis das Wasser schmutzig geworden ist. Dann wird die Wäsche nachgesehen und etwaige Flecken und Streifen werden eingeseift und mit den Händen ausgerieben. Hierauf kocht man das Zeug im Kessel aus (was nach einer anderen Anweisung überflüssig ist), und behandelt es in der vorher beschriebenen Weise nochmals in der Maschine, aber die jedesmalige Quantität nur 1 Minute; dann wird das Zeug ausgerungen und mit kaltem, warmem oder heißem Wasser in der Maschine gespült. Auch das Blauen und Stärken des Zeuges kann in der Maschine geschehen; nur wenn besondere Steifheit beabsichtigt wird, wie bei Herren-Faltenhemden etc., muß mit den Händen gestärkt werden. Das Ausringen geschieht auf der Wringmaschine. In dieser Weise kann eine Waschfrau in 3 Tagen so viel Zeug waschen, wie bei der Handwäsche 2 Frauen in 4 Tagen oder 1 Frau in 8 Tagen. Es wird ferner 1/3 weniger Seife erfordert, und das Zeug wird vorzüglich rein und weniger angegriffen, als bei der Handwäsche. – Die Wiege- oder Schwing-Waschmaschine hat sich sehr gut bewährt, wo bei der Behandlung richtig verfahren wird. Das Zeug wird 12 Stunden vor dem Waschen leicht eingeseift und eingeweicht; starkes Einseifen verhindert die erforderliche Reibung. Flecke und Streifen sind mit der Hand gut auszureiben. Das Zeug wird sodann leicht ausgedrückt, quer über die Rillen der Waschwiege geschichtet und mit heißem Wasser bis zum Bedecken übergossen. Dann schaukelt man bei geschlossener Maschine etwa 8 bis 10 Minuten, läßt aber zwischen dem Heben und Senken der Schaukel jedesmal einen kurzen Ruhepunkt eintreten, damit die Wäsche von den hohen Rippen zurückfallen und zu neuer Reibung kommen kann. Dann noch vorhandene Flecke sind mit der Hand abzureiben, worauf die Wäsche noch 4 Minuten mit heißem Wasser geschaukelt wird, und zum Spülen und Trocknen fertig ist. Man rechnet auf 5 Eimer Wasser 1/2 Pfd. Seife und etwas Soda, und auf 1 Eimer dieser Seifenlauge 5 Hemden. – Die Wringmaschine besteht aus zwei eisernen mit vulcanisirtem Kautschuk überzogenen Walzen, die durch eine Stellschraube oder starke Gummibänder auf einander gepreßt werden, während die Umdrehung durch eine Kurbel bewirkt wird. Zwischen diesen beiden Walzen wird die nasse Wäsche rasch hindurchgeführt, wobei dieselbe nicht so leidet, wie bei dem Handauswringen durch Zerren und Drehen, und außerdem wird das Zeug viel mehr vom Wasser befreit. – Die Rolle ist in ähnlicher Weise von Hrn. Frischen construirt mit glatten Holzwalzen, und ist viel brauchbarer, als die theuere, große und unbequeme Rolle mit Schlittenbewegung. Die amerikanische Wasch- und Wringmaschine mit Handzeugrolle kostet bei C. W. Runde in Hannover 36–39 Thlr., eine Schaukel-Waschmaschine 14 Thlr., eine Wringmaschine 7–20 Thlr., eine Handzeugrolle 11 Thlr. 15 Gr. (Monatsblatt des hannoverschen Gewerbevereins.)

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