Titel: Die Entfernung von Rost-, Ruß- und Loheflecken aus Weißzeug; von Dr. Schödler in Mainz.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1866, Band 182/Miszelle 15 (S. 175–176)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj182/mi182mi02_15

Die Entfernung von Rost-, Ruß- und Loheflecken aus Weißzeug; von Dr. Schödler in Mainz.

Die hierüber gemachten Erfahrungen kann ich durch einige weitere ergänzen, zu welchen mir zufällig kurz nach einander Veranlassung gegeben worden ist. Im ersten Falle handelte es sich um das gesammte Weißzeug einer Ausstattung, welches zum Waschen und Bleichen auf das Land gegeben worden war und beim Abliefern durchgängig mit gelblichen bis braunen Flecken mehr oder weniger bedeckt war. Mehrfaches Experimentiren hatte sich erfolglos bewiesen; die Ursache der Färbung konnte nicht ermittelt werden. Derartige Flecken werden gewöhnlich Loheflecken genannt und der Anwendung neuer Geräthe von Eichenholz zugeschrieben. Auch sollen sie entstehen, wenn die Lauge mit Asche bereitet wird, die zum Theil von Eichenlohe herrührt. Nachdem Chlor, schweflige Säure und Kleesalz sich ohne Einwirkung erwiesen hatten, wurden gefleckte Partien des Zeugs auf einen flachen Porzellanteller ausgebreitet und mit gepulverter Weinsäure und in einem anderen Versuche ebenso mit Citronensäure bestreut und 24 Stunden lang feucht erhalten. Die mit Weinsäure behandelten Flecken waren vollständig verschwunden, die anderen theilweise. Es wurde hiernach das sämmtliche Weißzeug lagenweise in eine längst gebrauchte Bütte von |176| Tannenholz gebracht, Weinsäure eingestreut und mit heißem Wasser bis zur Durchfeuchtung übergossen. Nach 48 Stunden war jede Färbung verschwunden.

Sogenannte Rußflecken, die richtiger als Theerflecken bezeichnet werden, waren entstanden, indem die in langen Ofenrohren verdichteten Dämpfe an einer schadhaften Stelle abtropften und mit Weißzeug in Berührung kamen. Die Flecken waren von großem Umfang und von intensiv gelbbrauner Farbe. Bevor die befleckten Stoffe mir übergeben wurden, sollen sie bereits allen möglichen Proceduren unterworfen worden seyen. Auch diese Flecken verschwanden bei Anwendung von Weinsäure, wie oben, vollständig. Es ist möglich, daß wenn in einer Holzasche sich halb verkohlte Holztheile befinden, in diesen sich Zersetzungsstoffe des Holzes befinden, ähnlich den im Theer enthaltenen und davon Flecken von gleicher Beschaffenheit herrühren.

Eigentliche Rostflecken, von kleinem Umfang, befanden sich in großer Anzahl in einem Shirtingstoffe. Sie waren lebhaft orangegelb und widerstanden allen Reagentien, insbesondere auch der Weinsäure. Ich erinnerte mich an ein im vorigen Jahre veröffentlichtes Verfahren zur Entfernung solcher Flecken und fand dasselbe vollständig sich bewährend. Gewöhnliche, reine Salzsäure, mit gleichviel Wasser verdünnt, wurde zu dem Ende auf die Flecken getupft und nachher Schwefelwasserstoff-Ammoniak auf die Stellen gebracht. Sogleich zeigte die Entstehung schwarzgrüner Flecken die Bildung von Schwefeleisen, das bei abermaliger Betupfung mit Salzsäure sich auflöste. Es bedurfte jedoch eines dreimaligen Turnus einer wechselnden Behandlung mit Salzsäure und Schwefelwasserstoff-Ammoniak, um die Flecken gänzlich zu beseitigen. (Gewerbeblatt für das Großherzogthum Hessen, 1866 S. 249.)

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