Titel: Neues Verfahren der Fabrication von Soda und Potasche, von A. G. Hunter.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1866, Band 182/Miszelle 8 (S. 172)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj182/mi182mi02_8

Neues Verfahren der Fabrication von Soda und Potasche, von A. G. Hunter.

Nach Hunter (zu Rockcliff Hall bei Flint) werden die schwefelsauren Salze des Kalis und Natrons unter Ausscheidung des Alkalis im caustischen Zustande zersetzt, wenn man sie unter hohem Druck mit Kalk behandelt. Derselbe gründet darauf ein Verfahren der Soda- und Potaschefabrication, welches angeblich in England bereits im Großen angewendet wird. Darnach wird eine Lösung von schwefelsaurem Natron mit caustischem Kalk gemischt, die Mischung einem genügenden Druck unterworfen und durch Umrühren mit dem Sulfat in Berührung gehalten, bis eine herausgenommene Probe zeigt, daß die Reaction beendet ist. Das Gemisch von Sulfat und Kalk wird, während es dem Drucke unterworfen ist, gekocht; das Sulfat wird in schwacher Lösung und der Kalk als Kalkmilch angewendet. Ein Ueberschuß an Kalk ist von Vortheil, und wenn man reinen schwefelsauren Kalk zu erhalten wünscht, so wird das bei einer Operation erhaltene Gemisch von caustischem und schwefelsaurem Kalk mit einer zweiten Menge Sulfat behandelt, die dann durch Behandlung mit frischem Kalk weiter caustisch gemacht werden kann. Der nöthige Druck hängt von der Beschaffenheit des schwefelsauren Alkalis und Kalkes, der Temperatur und Stärke der angewendeten Lösung, sowie von der Zeit ab, in welcher die Operation ausgeführt werden soll. Schwefelsaures Kali erfordert einen größeren Druck und ist schwieriger zu zersetzen als schwefelsaures Natron; einige Varietäten Kalk sind weniger chemisch wirksam und machen einen größeren Druck nöthig als andere. Gute Resultate erhält man mit schwefelsaurem Natron, wenn man eine Lösung vom spec. Gewicht 1,100 bei einem Druck von 40 bis 50 Pfd. per Quadratzoll engl. kocht, und bei schwefelsaurem Kali, wenn man eine Lösung von 1,100 spec. Gewicht bei einem Druck von 80 bis 90 Pfd. per Quadratzoll kocht; durch größeren Druck wird der Proceß beschleunigt und verbessert. Wenn das Sulfat hinlänglich caustisch geworden ist, wird der ungelöste schwefelsaure Kalk durch Filtration oder Decantiren von der Flüssigkeit getrennt, ausgewaschen und kann dann als Dünger, Stuck etc. verwendet werden; das Abfiltriren muß unter Druck geschehen, damit das Aetzkali oder Aetznatron nicht auf den schwefelsauren Kalk einwirken kann. Aus der Flüssigkeit kann Aetznatron resp. Aetzkali oder durch Einleiten von Kohlensäure Soda oder doppelt-kohlensaures Natron, resp. einfach- oder doppelt-kohlensaures Kali, gewonnen werden; die Darstellung der kohlensauren Salze kann auch dadurch geschehen, daß die alkalischen Laugen in Berührung mit kohlensaurem Kalk concentrirt werden. – Patentirt in England am 8. April 1865. (London Journal of arts, April 1866, S. 222.)

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